Mit Turbo-Diät zum Super-Körper? Ein Selbstversuch über die Folgen einer extremen Diät

Trainieren und Essen – eigentlich ein harmlos klingender Fahrplan auf dem Weg zum fitten Körper. So leicht ist es allerdings ganz und gar nicht
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Trainieren und Essen – eigentlich ein harmlos klingender Fahrplan auf dem Weg zum fitten Körper. So leicht ist es allerdings ganz und gar nicht

Ernährungs-Methoden und Diäten gibt es viele. Aber gibt es auch eine Abkürzung zum körperfett-reduzierten, bis zum letzten Muskel definierten Körper eines Rocky oder Rambo? Ein dreiwöchiges Experiment über extremes Training gepaart mit extremer Diät

Reportage – Was haben die Themen Politik und Ernährung gemeinsam? Die Antwort: Je tiefer man sich mit der Materie auseinandersetzt, desto eher hat man das Gefühl, den Verstand zu verlieren.

Für unzählige gesetzte Ziele gibt es ebenso unzählige Ernährungs- und Diat-Methoden, die unser Leben gesünder, unsere Fettverbrennung oder den Muskelaufbau begünstigen oder uns vor Unverträglichkeiten schützen sollen. Fitness und Ernährung sind untrennbar miteinander verbunden. Bei unzureichender Nahrungs- oder Vitaminzufuhr stoßen die körperlichen Leistungen früher oder später an ihre Grenzen.

Gibt es andererseits das perfekte Zusammenspiel zwischen einer Turbo-Diät, gepaart mit intensivem, beinhartem Training, um in kürzester Zeit einen gestählten Körper zu erhalten? Unser Redakteur wagt den Selbstversuch.

Wenn schon Diät, dann allerdings extrem: Als Vorbild für die anstehende Ernährungs- und Trainings-Maximierung habe ich keinen anderen als Sylvester Stallone erkoren, der sich in den 1980ern für seine Film-Rollen als Rocky und Rambo einer bis dato im Film-Business beispiellosen Ernährungs-Tortur unterworfen hatte: Proteine und Ballaststoffe in obszönen Massen, bei völliger Abwesenheit sonstiger Kohlenhydrate, gepaart mit Training bis zur Erschöpfung an jeweils 6 Wochentagen. Das Ergebnis lässt staunen: Sein Körperfettanteil sank temporär auf bereits gefährliche 2,9 Prozent (und pendelte sich später auf 4-5% ein), umhüllt von definierter, stählerner Muskelmasse.

Ist diese Methode der sogenannten ‚Ketogen-Diät‘ so ohne weiteres für einen Amateursportler reproduzierbar? Wie weit kommt man auf dem Weg zum definierten, Körperfett-reduzierten Rocky-Körper?

Muskeln rauf, Körperfett runter lautet die begehrte Zauberformel

Tag 1

Nudeln, Pizza, Sprite, Saußen, Chips – alles fliegt raus. Kohlenhydrate sind ab sofort, wo immer möglich, verboten. Stattdessen fülle ich meine Vorräte mit Magerquark, Käse, Salat, Haferkeksen, Fisch und vor allem Pute und Hühnchen in rauen Massen.

Mit dem beruhigenden Gefühl, ab sofort auf der Siegerstraße einer eiweißreichen Sportler-Ernährung zu wandeln, intensiviere ich voller Elan und Motivation mein Training: Handstandliegestütze, Klimmzüge, Crunches und Tricep-Dips in täglicher Rotation. Auf einen Ruhetag/Cheat Day verzichte ich.

Tag 2

Mein Frühstück besteht aus einem Becher flüssiger Aminosäuren (der Körper wandelt diese in Proteine um) und einem Stamperl Apfel-Essig. Letzteres soll den Blutzuckerspiegel konstant halten und Heißhungerattacken auf Süßes unterbinden (und beschert mir hoffentlich kein Sodbrennen).

Nach zwei Vollkorn-Käsesemmeln als Mittagessen suche ich mir einen Spielplatz in der Gegend und absolviere 60 Klimmzüge, bis alle Muskeln meines Oberkörpers brennen. Zur Belohnung gibt es ein Hühnchen-Filet (wohl nicht umsonst die Lieblingsmahlzeit von Ronaldo), nachdem 65 Handstandliegestütze meine Nacken- und Schultermuskeln endgültig auspowerten.

Tag 4

Ein lähmender Muskelkater begrüßt mich am Morgen. Ich absolviere zwei Extra-Runden durch mein vierstöckiges Wohnhaus und jogge weiter zur Arbeit. Zum Mittagessen gibt´s Hühnchen und Protein-Snacks.

Tag 9

Die tägliche Dosis von einem halben Kilo Magerquark wird langsam aber sicher zur Qual. Meine Geschmacksnerven scheinen bereits abgestumpft durch die monotone Ernährung. Mein Fleisch- und Fischkonsum steigt weiter durch die Decke. Zur Abwechslung gibt es nach dem Bauchmuskel-Training Chicken Wings. Die härteste Stelle an meinem Körper scheint inzwischen der Latissimus zu sein.

Endziel Stahlmuskeln: Hier zu sehen die Rocky Balboa Statue in Philadelphia

Woche III

Der Gedanke an bittere, flüssige Aminosäuren jeden Morgen stößt mich ab, mein Muskelkater im Trizeps scheint überhaupt nicht mehr zu verschwinden. Der totale Absturz erfolgt schließlich am Abend nach der Arbeit. Ich fühle mich schwindlig, unsicher auf den Beinen, jegliche Energie für das eigentlich anstehende Training hat mich verlassen. Jede Faser meines Körpers schreit nach energiespendenden Kohlenhydraten. Mit flirrendem Kopf schleppe ich mich zum Kühlschrank und verschlinge ein Glas Pfirsichmarmelade – endlich Zucker für meine ausgehungerten Enzyme.

Damit scheine ich das Ende der Fahnenstange erreicht zu haben. Kann eine rein auf Eiweiß basierende Ernährung langfristig überhaupt funktionieren, oder führen unweigerlich auftretende Mangel-erscheinungen geradewegs in den Abgrund?

Ein wenig Recherche offenbart: Auch Sylvester Stallone war mit dem Problem der Kraftlosigkeit konfrontiert – in weitaus drastischerem Ausmaß. Beim Dreh zu Rocky 3 bestand sein Ernährungsplan angeblich rein aus Thunfisch und Hafer-Cookies. Folglich machte sich ein benommener Dauer-Zustand breit, der Stallone dazu zwang, zwischen den Takes Handstände zu machen, um das Blut zurück in seinen Kopf zu pumpen und eine Ohnmacht zu verhindern. Weitere Schwächeanfälle hielt er mit bis zu 30 Tassen Kaffee täglich in Schach.

Eine Expertin hilft

Anna-Franziska Spaniol

Das kann es doch nicht sein, oder? Ich muss es genau wissen und wende mich an Anna-Franziska Spaniol. Sie ist Ernährungsberaterin aus Erding, ihr Büro liegt Am Gries 4A.

Ist eine Protein-Diät eine geeignete Methode, um rasch in Form zu kommen?

Frau Spaniol: Nein, der Körper benötigt zum Muskelaufbau zwar auch Protein und körperliche Aktivität, eine kontinuierliche Eiweißaufnahme zu jeder Mahlzeit ist aber völlig ausreichend. Der Körper kann bis zu 1 kg Muskelmasse pro Monat aufbauen. Hierfür ist umgerechnet die zusätzliche Aufnahme von 6 g Eiweiß pro Tag erforderlich. Dies entspricht beispielsweise 30 g Kichererbsen oder 1 Becher Naturjoghurt.

Welche Ernährung empfehlen Sie, um die körper-eigenen Fettdepots zum Schmelzen zu bringen?

Ich empfehle eine langfristige Ernährungsumstellung auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung, welche die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt plus körperliche Aktivität.

Eine hohe Proteinzufuhr wird im Vergleich zu einer niedrigen Zufuhr mit einer höheren Sättigung und dadurch mit einer größeren Gewichtsreduktion in Verbindung gebracht. Eine kurzfristige eiweißreiche Ernährung führt im Vergleich zu einer größeren Gewichtsabnahme. Jedoch verliert sich dieser Effekt nach 3-6 Monaten.

Woher bekommt der Körper die nötige Energie bei einer ketogenen Diät?

Bei einer ketogenen Diät stellt der Körper letztendlich auf die Energieversorgung durch Fett anstelle der Kohlenhydratverbrennung um. Die ketogene Diät besteht durchschnittlich zu 80 % aus Fett. Auf Kohlenhydrate in jeglicher Form wird fast gänzlich verzichtet. Somit dürfen auch einige Gemüsesorten sowie Obst nicht gegessen werden. Dies erfordert gewisse Kenntnisse, um nicht in eine Mangelernährung zu rutschen.

Der Umstieg auf eine ketogene Diät sollte in jedem Fall mit einem Arzt/einer Ärztin und/oder einer Ernährungsfachkraft zusammen durchgeführt werden, um mögliche Risiken wie Nervenschädigungen oder einem Vitaminmangel vorzubeugen.

Ist ein Körper wie aus Rocky oder Rambo überhaupt durch Ernährung erreichbar, oder eine auf Anabolika basierende Lüge?

Über den Einsatz von Anabolika kann ich keine Aussage treffen. Um einen Körper wie ein Boxprofi zu bekommen, ist in jedem Fall eine individuell angepasste Ernährung und ein gezieltes Training erforderlich. Mit dem Muskelaufbau für den Breitensport kann dies nur schwer verglichen werden.

Mein Fazit: Eine vollwertige pflanzenbasierte Ernährung, welche den persönlichen Körpermaßen angepasst ist, fördert die Leistung und das Wohlbefinden. Eine spezielle Diät ist nicht notwendig.

phi

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