Molkereigenossenschaft Erding beklagt steigende Kosten: Droht das Ende der Milchproduktion?

Die Führungstruppe der Molkereigenossenschaft (v. l.): Franz Adlberger, Konrad Kratzer, Evi Brielmair, Johann Adlberger (ausgeschieden), Bartholomäus Pfanzelt, Josef Angermaier und Josef Eicher
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Die Führungstruppe der Molkereigenossenschaft (v. l.): Franz Adlberger, Konrad Kratzer, Evi Brielmair, Johann Adlberger (ausgeschieden), Bartholomäus Pfanzelt, Josef Angermaier und Josef Eicher

Grucking – Seit Jahrzehnten kämpfen die Milchbauern aus dem Landkreis mit den Molkereien für einen fairen, guten Milchpreis. Bei der Generalversammlung der Molkereigenossenschaft Erding im Gasthaus Rauch in Grucking wurde deutlich, dass die Milchbauern auch künftig keine rosige Zeiten zu erwarten haben. Der Milchpreis steige zwar, gleichzeitig explodieren derzeit aber die Betriebskosten.

Resi Westermaier stellte den Jahresabschluss 2021 vor. Von den 385 Genossenschfftsmitgliedern hatten 137 Milchlieferanten knapp 45 Millionen Kilogramm Milch angeliefert – das waren 2,5 Millionen weniger als im Vorjahr. Damit konnte die Genossenschaft einen Überschuss von 73.000 Euro erwirtschaften. Das Milchwerk Jäger hatte einen Durchschnittspreis von 37,47 Cent pro Kilo Milch bezahlt.

Milchproduktion gefährdet

Vorsitzende Eva Brielmair klang nicht optimistisch: „In diesem Sommer werden wir nach den Verhandlungen im März mit der Molkerei Jäger die 50-Cent-Marke für einen Kilo Milch reißen. Es ist aber nicht so, dass wir anfangen müssen, das Geld umzuschaufeln. Bei den Vorschriften-Schikanen und explosionsartig gestiegenen Betriebskosten ist es vielmehr nicht sicher, dass wir die Milchproduktion aufrecht erhalten können. Vom Draufzahlen können wir auf Dauer nicht leben“, so die Vorsitzende. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Bartholomäus Pfanzelt aus Forach brachte es auf den Punkt: „Wir haben Betriebskostensteigerungen von 100 Prozent mit Diesel und Strom. Der Düngerpreis ist sogar um 200 Prozent gestiegen“, beklagte er. „Der Milchpreis ist aber nur um 20 Prozent gestiegen, da fehlen uns 80 Prozent. Wie soll das weitergehen?“

Auch der Futterpreis bei Weizen und Sojaschrot habe sich verdoppelt – und dann komme ja noch der 50-prozentige Gentechnik-Freiheits-Aufschlag, „von dem wird mittlerweile gar nicht mehr gesprochen“, so Pfanzelt. Für ihn sei es rätselhaft, wie eine hochmoderne Molkerei mit der besten Vermarktung mit Ach und Krach den bayerischen Durchschnittspreis erzielt. „Als Bauer würde ich sagen, der hat schlecht gewirtschaftet, so Pfanzelts Kritik an die Adresse der Molkerei Jäger aus Haag. Geschäftsführer Hermann Jäger entgegnete, dass es heutzutage nur noch gute Molkereien gebe „und Durchschnitt bedeutet, dass wir gut wirtschaften, sonst würde es uns nicht mehr geben“. Wenn bei prozentualer Steigerung von Betriebskosten auch der Milchpreis steigt, sei das keine Freude, sondern nur eine Geldentwertung, so der Geschäftsführer.

Er verkündete den Milchpreis für April statt der angedachten 46 gleich auf 47,5 Cent erhöht zu haben. „Und im Mai verhandeln wir neu“, sagte er. Grund für die Erhöhung ist die derzeit riesige Rohstoff-Konkurrenz auf dem Milchmarkt. Konkurrent Meggle hat für Mai schon die magischen 50 Cent angekündigt. Die Molkerei Jäger allerdings zahle für Anbindehaltung und Laufstall gleich viel wie die Molkerei Bauer. „Die Zahl der Milchbauern ist in Deutschland europaweit am stärksten zurückgegangen“, so Jäger. Der Strukturwandel im Osten gehe zurück „und im Welthandel kaufen die Chinesen alles – eine besondere Situation“, so der Molkereichef.

Bei den Wahlen hat die Molkereigenossenschaft einige Posten neu besetzt. Der 2. Vorsitzende Johann Adlberger aus Salmannskirchen schied nach der Hofübergabe an den Junior nach 26 Jahren aus dem Vorstand aus. Er erhielt die goldene Ehrennadel und einen Präsentkorb. Zum Nachfolger wurde der 42-jährige Landwirt Josef Angermaier aus Hainthal gewählt. Adlberger ist nun neu im Aufsichtsrat. Einstimmig wiedergewählt wurden die Aufsichtsräte Konrad Kratzer und Pfanzelt.

„Leider hat es einen Krieg gebraucht“

Fraunbergs Bürgermeister Hans Wiesmaier sagte, in den vergangenen Jahrzehnten sei die Realität für die Grundbedürfnisse verloren gegangen: „Alles war immer verfügbar“, meinte er. Nun setze ein Umdenken ein, auch was die Wichtigkeit von vor Ort produzierten Lebensmittel betrifft. „Leider hat es dafür einen Krieg gebraucht“, so Wiesmaier. Aufsichtsratvorsitzender Josef Eicher dankte Wiesmaier, der den Landwirten damit aus der Seele redete. Erdings OB Max Gotz meinte: „Jetzt ist der Bauernstand gefragt, Lebensmittel werden neu diskutiert. Das ist in der Not eine große Chance.“

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