Oscar-Gewinnerin hautnah

Erding

(til) – Eine waschechte Oscar-Preisträgerin ist nicht alle Tage in Erding. Und wenn sie dann auch noch so normal und überaus sympathisch ist, dann ist das ist das wirklich ein Höhepunkt im kulturellen Leben der Herzogstadt. Ein ganzer Kinosaal hatte dieses einmalige Erlebnis vergangenen Donnerstag, als Regisseurin Caroline Link ihr neues Meisterwerk “Im Winter ein Jahr” vorstellte. Das Publikum war nicht nur begeistert von diesem einfühlsamen, fesselnden Familienpsychogramm über Verlust und Neuanfang, der einem richtig unter die Haut geht. Es löcherte die Künstlerin und Produzentin Uschi Reiz anschließend auch mit interessierten Fragen. Es sei in erster Linie ein Film über das Leben im Allgemeinen, über eine Familie, die einen Anstoss von außen braucht, um wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch wenn es um Tod, Leiden und Trauer gehe, habe der Film eine gewissene Leichtigkeit und Hoffnung, meint sie. Das Thema Kommunikation spiele in all ihren Filmen eine Rolle (“Jenseits der Stille”, “Nirgendwo in Afrika”). Oft sei es doch der Fall, dass man über die Menschen, die einem am nächsten stünden, am wenigsten wisse, aneinander vorbeigehe und -rede. Die Jüngeren können sich gut mit Hauptdarstellerin Caroline Herfurth (“Das Parfüm”) identifizieren. Sie spielt die talentierte Tanzstudentin Lilli, deren jüngerer Bruder vor Jahresfrist Selbstmord verübt hat. Ihre Mutter (Corinna Harfouch) will ihre beiden erwachsenen Kinder von dem bekannten Künstler Max Hollander (Sepp Bierbichler) auf Großleinwand bannen lassen. Ein heikler Auftrag. Aber der Fremde erkennt Lillis emotionale Zerrissenheit schnell und hilft ihr. Die beiden spüren eine Faszination füreinander, ohne ein Liebespaar zu sein, erklärt Linke. “Beide können nicht so sein, wie sie wollen, sind einsame Seelen, die niemanden an sich ranlassen”. Gedreht wurde in einem Zeitraum von einem Jahr, viel in München, aber auch in einem Maleratelier in Brandenburg. 4,5 Millionen Euro kostete der Film. Eigentlich wollte Linke ihren Film in USA drehen mit Sean Penn als Maler. Aber einen der Top-Twenty für eine derart kleine Produktion zu finden, war nicht einfach und dauerte ihr schließlich zu lange, dass sie doch Deutschland drehte. Diese Entscheidung habe sie bis heute nicht bereut. “Mit so tollen Schauspielern auf so hohem Niveau zu arbeiten, da macht Regie führen richtig Spaß.” Sie sei sehr zufrieden mit dem Endergebnis. “Wir hatten wahnsinnig schöne Dreh- bedingungen, waren gut ausgestattet und hatten ein großartiges Team. Ich mag den Film gern. Und ich liebe den Bierbichler und die Karoline”. In diesem Film zeige Herfurth sehr viel Präsenz und erstmals Reife und Tiefe. Für ihre Tanzszenen habe sie hart trainiert. Auch der Autor habe den Film in Toronto gesehen und fand, dass er seinem Roman sehr nahe kommt. Bereut habe sie auch nie, dass sie ihren Oscar für “Nirgendwo in Afrika” nicht persönlich bei der Verleihung abholte. Ihre Tochter Pauline war krank. “Für mich stand es nie zur Debatte” damals nach Hollywood zu fahren. Diese große Party habe sie ja schon einmal erlebt, als sie für “Jenseits der Stille” nominiert war. Damals wurde es ihr von vielen vorgeworfen, dass sie Deutschland nicht gebührend vertreten habe. Mittlerweile mehren sich die Stimmen, die es voll in Ordnung finden. Der Oscar steht jetzt im Wohnzimmerregal und werde von ihrem Töchterchen gerne mit Barbie-Klamotten angezogen. Momentan sie alleinerziehende Mutter, weil ihr Mann Dominik Graf gerade in Berlin drehe.

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