Politikerin der Herzen – Dr. Hildegard Kronawitter eroberte die Bürger durch Kompetenz und Menschlichkeit

Die beliebte, ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Hildegard Kronawitter wurde mit der Willi-Brand-Medaille geehrt. Sie stellte sich dem Interview.

Was hat Sie als angesehene Politikergattin motiviert selber in die Politik zu gehen und sich nicht nur den schönen, bequemen Dingen des Lebens zu widmen? Kronawitter: “Nur bequem zu leben, ist nicht meine Sache. Ich war und bin ein etwas umtriebiger Mensch, will etwas bewegen. Hinzukommt ein lebhaftes politisches Interesse seit meiner Kindheit. Da ist es naheliegend, warum ich "verführbar" war von der Anfrage, für die SPD in Erding zum Landtag zu kandidieren. Allerdings habe ich mich mit großem Realitätssinn auf diese Kandidatur eingelassen und mich gründlich darauf vorbereitet. Auch hinsichtlich der Mühsal und des Zeitaufwandes machte ich mir keine Illusionen, ich hatte ja genug familiäre Anschauung.” Wie kann man Familie und Beruf so erfolgreich vereinbaren? Welchen Stellenwert hat Ihre Familie für Sie? Kronawitter: “1997/98 war auch unser Sohn schon fast erwachsen. Dies bedeutete für mich eine erhebliche Entlastung von Familienpflichten. Zudem war mein Mann bereit, mich zu unterstützen. Im häuslichen Alltag half mir mein Orga- nisationstalent, vieles ganz gut auf die Reihe zu bringen. Meine Familie hat für mich einen sehr großen Stellenwert. Ich schätze das Zusammensein und den Austausch mit unseren Kindern. Ihre Meinung und ihre Kritik ist mir besonders wichtig.” Inwieweit hat sich Ihre Herkunft auf Ihren politischen Stil und Ihre politischen Ziele ausgewirkt? Kronawitter: “Das Aufwachsen in einer dörflichen Umgebung, in einer Dreigenerationenfamilie hat es mir später leicht gemacht, mit Menschen verschiedenster Herkunft zu reden, sie anzunehmen, wie sie sind. Ich wollte bewusst auf jene schauen, die sich selbst nicht so gut helfen können. Für meine politischen Einstellungen spielte sicherlich eine erfahrene Benachteiligung durchaus eine Rolle. Ich konnte in den 50er Jahren allein aus finanziellen Gründen nicht den Weg über das Gymnasium ge- hen. Das fand ich damals ungerecht. Heute möchte ich eine solche Erfahrung jungen Menschen ersparen.” Was war und ist Ihre Hauptmotivation im Leben und im Beruf? Kronawitter: “Mir gefiel immer das Goethe-Wort "Wer immer strebend sich bemüht, nur den können wir erlösen". Anders gesagt, ich arbeite gerne und will etwas bewegen, mithelfen, dass die Situation für mehr Menschen besser wird. Leistung ist für mich durchaus positiv besetzt.” Sie sagten Politiker sei ein Beruf wie jeder andere. Würden Sie diese Karriere nochmal anstreben? Kronawitter: “Ja, ich habe meine Aufgabe bewusst als Berufstätigkeit begriffen, Das machte es mir leichter, lange, ermüdende Sitzungen durchzuhalten, mich zu disziplinieren und im Team zu agieren, also Anforderungen gerecht zu werden, die in einer ganz normalen Berufstätigkeit ebenfalls gestellt sind. Außerdem verschaffte mir diese Sicht eine gewisse Distanz im politischen Geschehen. Ja, ich würde meine Entscheidung von damals wiederholen und sofort wieder kandidieren. Für die Erfahrungen, auch für all das, was ich lernen musste, und für die vielen Begegnungen mit Menschen bin ich dankbar. Mein Leben wurde damit bereichert. Was waren für Sie die schönsten, unangenehmsten Erlebnisse als SPD-Landtagsabgeordnete? Kronawitter: “Das ist ja das Wunderbare, dass im Rückblick positive Erinnerung dominieren, solche, die ich mit guten Gefühlen verbinde. So freue ich mich sehr über freundliche, anerkennende Abschiedsbriefe von Einzelpersonen oder im Namen von Organisationen. Geradezu gerührt hat mich beispielsweise einmal ein Mann, der sich mit einem Glas Honig aus seinem eigenen Bienenstock für meine Hilfestellung bedankte, oder der spezielle Dank einer Jagdgenossenschaft, Gerne erinnere ich mich an viele persönliche Kontakte oder Besuche in sozialen Einrichtungen, zum Beispiel in Kindergärten. Zugegeben, es gibt schon auch "wunde Punkte". So wurmt mich immer noch, dass ich, als das Thema dritte Startbahn aufkam, kein Mediationsverfahren erreichen konnte, um die Anliegen der Flughafenumlandbewohner besser durchsetzen zu können. Die drohende A 94 durch das Isental ist mir gleichfalls ein bleibendes Ärgernis.” Wie konnten Sie sich bei der CSU-Dominanz behaupten? Kronawitter: “Nun, ich habe einfach meine Aufgabe erfüllt und mich mit einiger Hartnäckigkeit um die Belange im Landkreis gekümmert. Natürlich habe ich sehr klar Ausgrenzungen von Seiten der CSU wahrgenommen und versucht, diesen zu begegnen. Aber diese durften mich doch nicht behindern, mich zu kümmern und im Interesse der Sache einzumischen.” Worin sahen und sehen Sie Ihre Stärken/Schwächen als Mensch, Politiker, Frau? Kronawitter: “Selbsteinschätzungen sind naturgemäß schwer, deshalb sind folgende Worte mit Vorsicht zu genießen: Ich kann gut meine Dinge so organisieren, dass ich an einem Tag auch etwas schaffe. Ich bin ziemlich belastbar, vermag ausdauernd und diszipliniert zu arbeiten, nehme Menschen gut wahr. Oftmals geht meine Gewissenhaftigkeit zu weit; sie kann mich pedantisch machen. Außerdem fällt es mir schwer, mich von Problemen und Ärger im Alltag ausreichend abzugrenzen.” Haben Sie für Engagement positives Feedback bekommen? Kronawitter: “Ja, ich habe viel Anerkennung für meine Arbeit erfahren, sowohl aus der Bürgerschaft als auch aus den eigenen Reihen. Dass mir die Landkreis-SPD die Willy-Brandt-Medaille verliehen hat, ist für mich ein großes Lob, ja eine große Ehre. Aber auch von Einzelpersonen und von Organisationen, wie zum Beispiel vom Kreiskatholikenrat oder von den Gewerkschaften, erfuhr ich eine unerwartete Anerkennung.” Kann die große Lücke die Sie hinterlassen von ihrer Partei gefüllt werden? Kronawitter: “Es ist ein großes Glück, dass die SPD seit drei Jahren mit Ewald Schurer einen rührigen und einsatzfreudigen Bundestagsabgeordneten hat. Sein Bürgerbüro in Alten-erding ist und bleibt Anlaufstelle. Außerdem sind unsere SPD-Vertreter im Kreistag, in den Stadt- und Gemeinderäten bürgernah und politisch sehr aktiv. Die SPD-Kreisvorsitzende Michaela Meister bürgt für dieses große Engagement. Auch künftigen wird die SPD bei Wahlen mit guten personellen Konstellationen antreten können, Vermissen Sie Ihre politische Arbeit schon? Gibt es Herausforderungen? Kronawitter: “Ich vermisse keineswegs die Hektik des politischen Alltags im Landtag, die überlangen Arbeitstage. Gleichwohl ist es eine Umstellung, den Tag anders, weniger leistungsorientiert zu strukturieren, Nein, zu neuen Herausforderungen strebe ich nicht. Wenn ich das wollte, hätte ich erst gar nicht aufhören müssen." Bleiben Sie “Ihrem” Landkreis Erding verbunden? Kronawitter: “Ja, ich fühle mich weiterhin sehr den Menschen im Landkreis verbunden. Ich bleibe Mitglied der Landkreis-SPD und nehme damit indirekt noch teil am Geschehen. Ich will bewusst persönliche Verbindungen pflegen und weiterhin sorgfältig die Landkreispresse verfolgen. Auf Vorschlag des Kreiskatholikenrates bin ich wieder Diözesanrätin, daraus ergibt sich ebenfalls eine persönliche Beziehung.” Ihre Zukunftspläne? Kronawitter: “Ich habe keine großen Pläne für die Zukunft. Mehr daheim sein zu wollen, dies ist aus Rücksicht auf meinen Mann naheliegend. Begrenzten Herausforderungen im Ehrenamt werde ich nicht aus dem Weg gehen. Es gilt ja auch als Seniorin Kopf und Herz zu gebrauchen, nicht einzurosten.”

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