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Das schwere Los afrikanischer Straßenkinder

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Peter B. Heim, (hinten, Mitte) las aus Henning Mankells „Chronist der Winde“ über das schwere Leben der Straßenkinder in Afrika © Brückner

Die Geschichte von Nelio, der mit zehn Jahren stirbt, hat Peter B. Heim gelesen – mit einer emotionslosen Intensität, die kalte Schauer über den Rücken jagt.

Erding – Der Weltladen, den es seit gut einem Jahr gibt, hat heuer Afrika zum Inhalt seiner Themenwoche gewählt. Vergangenes Jahr war Indien dran. Die zweite Vorsitzende des Vereins Weltladen Erding, Ilse Zielinski, und erste Vorsitzende Carina Bischke betreiben das kleine Geschäft zusammen mit rund 30 ehrenamtlichen Helfern. Für die Afrikawoche konnten sie für eine Lesung aus Henning Mankells „Chronist der Winde“ und Agnes Mpatas Kinderbuch „Wie die Tiere ihre Farben bekamen“ Heim gewinnen. Und der war genau richtig für diese Aufgabe. Er las zuerst aus der wunderschön illustrierte Erklärung, wie die ursprünglich grauen Tiere sich bunt bemalt hatten, weil sie vom Löwen zu einem Fest eingeladen waren. Dieser wollte die Geburt seines Sohnes feiern. Lediglich der Elefant, der das majestätisch fand, blieb bis auf seine elfenbeinweißen Stoßzähne grau und der Esel, für den keine Farbe mehr übrig war. Er machte jedoch sein Glück, indem er sich in de n Dienst der Menschen stellte. Aus dem Chronisten der Winde hatte Heim verschiedene Passagen ausgesucht. Beginnend mit einem Rückblick auf den Zeitpunkt, da der Erzähler den Straßenjungen Nelio das erste Mal sieht, getroffen von den Kugeln eines verwirrten Mörders, bis zum neunten Morgen danach, im November, als Nelio auf dem Dach eines afrikanischen Hauses in der Morgendämmerung sein Leben aushaucht. In diesen neun Nächten, in denen er den zerschundenen Körper des Jungen nur auf eine schmutzige Matratze betten konnte, die Wunden notdürftig mit Stofffetzen aus seinen eigenen zerschlissenen Kleidern verbun- den, erfuhr er, wie das Leben des Jungen verlaufen war. „Ich erinnere mich an den Mond am dunklen Himmel: Ich erinnere mich an ihn als Widerschein von Nelios bleichem Gesicht, auf dem die salzigen Schweißtropfen glitzerten, während das Leben langsam, fast vorsichtig, als gelte es, einen Schlafenden nicht zu wecken, seinen Körper verließ“, schreibt Mankell. In diesen neun Nächten erzählt er dem Leser alles über Nelios junges Dasein, über das harte Los der afrikanischen Straßenkinder und darüber, dass ein jeder Mensch heimliche Kräfte besitzt. List, Schlauheit, die Fähigkeit, Recht zu sprechen, und geheimnisvolle Kräfte, die es ihm ermöglichten, Kinder zu heilen und vor allem, sich nicht verprügeln zu lassen, wurden mit ihm in Verbindung gebracht. Er galt trotz seiner jungen Jahre als etwas Besonderes. Dabei sagte er nur, was er dachte, und dass er etwas nicht verstand, wenn es so war. Er wusste über die grundlegenden Bedürfnisse der Menschheit Bescheid: Ein Dach überm Kopf und ein Personalausweis in der Tasche – das waren die ersten Schritte in ein anständiges Leben – weg von der Straße. Er hat es nicht geschafft, dies auf Erden umzusetzen – aber wer weiß, vielleicht im Himmel.ab

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