Vandalismus

Unbekannte zerstören Kunstwerk am Taufkirchener Haidenhain 

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Harry Seeholzer fischt den Gong aus dem Wasser

Unbekannte zerstören ein Kunstwerk des Tegernseers Gunar Klatte am Taufkirchener Weidenhain. Der Erdinger Harry S. (Seeholzer) hatte es aufwändig saniert und neben der Vils installiert.

Taufkirchen – Nicht mal Kunstwerke sind vor den Vandalen sicher. Das findet Erdings Künstler Harry S. (Seeholzer)sehr traurig. Diese Erfahrung musste er persönlich an seinem einmaligen Kunstprojekt, dem Taufkirchener Weidenhain machen. Vor nicht mal zwei Monaten hat er dort ein neues Kunstwerk installiert. 

Jetzt haben unbekannte Täter versucht, das „Tor der Hoffnung“ zu zerstören. Das ist ihnen aber nur teilweise gelungen. Es handelt sich dabei um einen kupfernen Torbogen mit einer Art Gong, den der Tegernseer Gunar Klatte 1994 geschaffen hat. 

Seeholzer hat die Skulptur über Klattes Sohn erhalten und in seiner Werkstatt in alle Einzelteile zerlegt, aufwändig saniert und solide Fundamente vor Ort eingebaut, damit das Kunstwerk wieder vernünftig steht und der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. 

Drei Wochen Arbeit und viel Geld hat Seeholzer dafür investiert. Direkt am Ufer der Vils hat er das Tor aufgestellt. „Sie haben den Gong runtergedroschen und die Fundamentplatten rausgerissen und alles in den Bach geworfen.“ 

Sie wollten es bestimmt komplett versenken, vermutet er, aber mit einer Tonne Gesamtgewicht sei es den Tätern wohl zu schwer gewesen. „Es muss im Laufe der vergangenen Woche gewesen sein“, sagt er. Seeholzer findet diese Zerstörungwut umso trauriger, weil Klatte mit Schlaganfall im Krankenhaus liegt. 

Glücklicherweise gebe es viele Taufkirchener, denen der Weidenhain am Herzen liege. Sie würden immer ein Auge darauf werfen und ihn bei seiner Arbeit unterstützen. So wurde er auch von Anliegern über die Zerstörung informiert. Beobachtet habe die Tat aber keiner. 

Vor zehn Jahren hat Seeholzer mit diesem deutschlandweit einmaligen Kunstprojekt begonnen. Aus Naturmaterialien, wie Weiden oder Eichenstämmen, hat er seither einige Räume und Skulpturen im Weidenhain geschaffen. Der mysthische Ort soll stetig wachsen und hat über die zehn Jahren schon viele Besucher nach Taufkirchen gelockt.

Auch viele Veranstaltungen etwa des OASE Lebenskreises finden hier regelmäßig statt. In diesen zehn Jahren kam es aber auch immer wieder zu unerwünschten Zwischenfällen. Unbekannte hätten schon öfter Schaden angerichtet, erzähltt Harry S., etwa die riesigen Holzstämme mit Spraydosen besprüht oder eine Bank komplett kaputt gemacht.

„Die mittlerweile sieben Kunstwerke haben sie bis jetzt in Ruhe gelassen“, aber damit ist es jetzt scheinbar auch vorbei. Weil ein Teil von Klattes zerstörtem Werk aus der Vils herausspitzte, stieg der Erdinger Künstler in das Gewässer und fischte es wieder heraus. 

Bis zum Nabel stand er im trüben Wasser und mühte sich ab, das schwere Pendel wieder herauszuwuchten. Aber es fehlen immer noch einige Teile. „Ich muss jetzt versuchen, alles wieder zusammenzustückeln und das Kunstwerk dann so im Boden befestigen, dass es keiner mehr rausreißen kann“, erklärt Seeholzer. 

Von blinder Zerstörungswut und Naturgewalten lässt er sich nicht unterkriegen. Denn schon mehrere unerwartete Zwischenfälle musste er am Weidenhain beheben, beispielsweise als die idyllische Weidenkuppel vor ein paar Jahren, wegen zu schwerer Schneelast, einstürzte oder sich die Biber an der Kuppel und an den Bäumen am Vilsufer zu schaffen machten. 

Mit ein paar Helfern hat er sich an die Arbeit gemacht und die Kuppel mit 50 Weidenstämmen und Querstreben von Grund auf saniert. Aber „es sind alles private Kunstwerke und alles wird privat bezahlt“, gibt er zu bedenken. Allein einer der imposanten Eichenstämme des Holzraumes koste ihn rund 1500 Euro. Bestürzt über die sinnlose Zerstörungswut ist nicht nur der Erdinger Künstler.

Auch Anlieger Erich Nebayto findet es eine „Sauerei“, dass Vandalen in diesem schönen Fleckerl wüteten. „Es steckt so viel Arbeit darin“, sagt er und freut sich, dass der Weidenhain so gut von der Bevölkerung angenommen wird. Erst kürzlich sei dort das Trommlerfest gefeiert worden. 

Auch der ehemalige Realschullehrer Georg Neudecker, der den Weidenhain zwei Mal im Jahr ehrenamtlich mäht, findet es beschämend und „ein starkes Stück, wenn da einfach Radikale rumwerken“. Trotz allem Ärger hält Seeholzer an seinem Weidenhain fest. 

Es handle sich „bloß um ein paar Deppen“, meint er und lobt die „sehr positive Zusammenarbeit mit der Gemeinde“, die ihn immer unterstütze und die Bauhofmitarbeiter, die ihm jederzeit helfen würden. „Die Taufkirchener sind sehr achtsam“, betont er. Noch nie habe er Hundeköttel im Weidenhain gefunden. Außerdem hat der kreative Erdinger schon eine Idee, wie er das Areal künftig bewachen lassen will – unkonventionell, wie man es von ihm gewohnt ist. til

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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