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Verkehr darf ungehindert fließen

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Dieses so genannte Berliner Kissen in der Rotkreuzstraße soll angeblich Autos schrotten. Freilich, wenn man in angemessenem Tempo darüber fährt (30 km/h sind erlaubt), passiert angeblich nichts. © Brückne

Die untere Rotkreuzstraße wird in beide Richtungen für alle Fahrzeuge geöffnet, die Gerberstraße erhält eine abknickende Vorfahrt.

Die Stadt war für einen großen Ansturm gerüstet. Sogar der Personalraum war geöffnet, um den Anwohnern der Rotkreuzstraße Platz zu bieten. Allein, diese blieben aus, wie Oberbürgermeister Max Gotz enttäuscht feststellte. Mehr betroffen machte ihn jedoch, dass sich die Autofahrer über ein Verkehrsgebot einfach hinwegsetzen. Denn die untere Rotkreuzstraße, obwohl in Richtung Innenstadt auf Wunsch der Anwohner für den Durchgangsverkehr (außer Stadtbusse) gesperrt, nutzten fast alle Verkehrsteilnehmer als schnelleren Weg. Eigentlich hätten sie, vom Südtor des Fliegerhorstes oder der damals neuen Siedlung kommend, über die Gerberstraße in die Taufkirchner Straße (B 388) einfahren sollen. An diese Regelung gehalten hat sich kaum jemand. Wenn die Polizei kontrolliert hat, konnte sie ständig Verwarnungsgelder einkassieren. Freilich, die Sinnhaftigkeit der Festsetzung war inzwischen fragwürdig geworden. Sie hatte die Anwohner vor allem auch vor Schwerlast- und Baustellenverkehr schützen sollen, der sich nach mehr als 30 Jahren fast gegen Null reduziert hat. Vielmehr würden die Anwohner klagen, dass die Leute zu schnell fahren. Denn die untere Rotkreuzstraße ist ein Tempe 30-Bereich, was mit zwei eingebauten so genannten Berliner Kissen zusätzlich deutlich gemacht werden soll. Dass die Autofahrer ihre eigene Lesart haben, musste Gotz in einem Brief feststellen, den ein erboster Anwohner geschrieben hatte, dass er sich von seinem sauer Ersparten ein Fahrzeug gekauft habe, dass durch das Berliner Kissen beschädigt worden sie. „Ich frage mich, ob es rechtens ist, dass mein Auto zerstört wird“, klagte er. Im Gremium herrschte Einigkeit darüber, dass er keineswegs die erlaubten 30 km/h eingehalten habe, sondern mindestens mit 70 km/h durch die Straße gerauscht sein müsse, wenn sein Fahrzeug tatsächlich zerstört worden sei. Alle Fraktionen hatten sich intensiv mit der Sachlage auseinandergesetzt. Hans Schmidmayer (SPD) befürchtete zwar, dass es übergangsweise, bis die B388 verlagert werde, zu mehr Verkehr kommen wird, doch stimmte seine Fraktion dafür. Auch Jakob Mittermeier (CSU) plädierte frü eine Freigabe, denn „in der Praxis ändert sich nicht viel“, sagte er. Fünf von sechs Autofahrern würden das Verkehrsschild ignorieren. Auch Gotz sprach sich dafür aus. Allerdings: „Wenn wir den Respekt vor Beschlussvorlagen verlieren, wird Demokratie schwierig“, warnte er. Alle Fraktionen außer der ÖDP stimmten für die Freigabe der Rotkreuzstraße, Erding Jetzt mit Fraktionsführer Hans Egger freute sich darüber, dass der von ihnen vor Jahren gestellte Antrag nun endlich durchgegangen ist. Für die ÖDP sagte Roswitha Bendl, dass man dann auch Steuern abschaffen könne, weil sie von den Bürgern hinterzogen würden. Sie und Helmut Trinkberger stimmten dagegen, weil sie vor allem die Begründung, die Regelung werde ohnehin ignoriert, nicht akzeptieren wollten.

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