Wartenberg: Ungerechte Verteilung der Flüchtlinge?

Christian Pröbst

Bürgermeister Pröbst: Wartenberg hat im Vergleich zu anderen Gemeinden überproportional viele Flüchtlinge zugewiesen bekommen – Überlastung droht

Wartenberg – Derzeit soll wieder eine Flüchtlings-Mutter mit vier kleinen Kindern nach Wartenberg zuziehen. Von den 734 Flüchtlingen des Landkreises Erding (Stand 22. Mai) leben bereits 64 in der Marktgemeinde. Dazu kommen noch anerkannte Flüchtlinge, die bereits im Markt leben. Hallo hat nun den 1. Bürgermeister Christian Pröbst und Carla Marx vom Helferkreis um ein Interview in dieser Sache gebeten. Dabei war zu erfahren, dass der Landkreis bereits im Mai mitteilte, dass er weitere zwei Wohnungen in Wartenberg angemietet habe. 

Die Marktgemeinde habe daraufhin ihre Bedenken geäußert, was die dadurch entstehende Überlast für Helferkreis und Kindertagesstätten bedeute. Trotzdem wurde nun am 18. Juni vom Landratsamt mitgeteilt, dass diese Mutter mit ihren vier kleinen Kindern nach Wartenberg komme. Bereits derzeit sind 18 Flüchtlingskinder im Kindergarten, 10 in der Kinderkrippe , 14 in der Grundschule und sieben in der Mittelschule. 

Der Markt Wartenberg sehe hierbei keine gerechte Verteilung der Flüchtlinge. Gemeinden wie Inning a.H., Bockhorn, Wörth, Ottenhofen, Walpertskirchen haben nur einstellige Flüchtlings-Zahlen und der Markt befindet sich mit den anerkannten Flüchtlingen fast schon im dreistelligem Bereich. So hat Erding mit seinen rund 36.500 Einwohnern 216 Flüchtlinge und Dorfen mit 14 650 Einwohner 192 Flüchtlinge. Wartenberg mit 5800 Einwohner ist so bereits überproportional bedacht. Dabei, so der Bürgermeister, helfen man gerne, das habe man auch mit den vietnamesischen Flüchtlingen vor Jahrzehnten und auch mit den Kosovo-Flüchtlingen bewiesen. 

Nur jetzt komme man einfach an die Grenzen. So werde zwar das Personal vom Staat bezuschusst, aber der anstehende Krippenneubau wird mit nur ca. 50% FAG Mitteln bezuschusst, die Differenz trägt der Markt. Bezugnehmend auf die oben aufgeführten Belegungszahlen müssen im Moment eine Krippengruppe und eine Kindergartengruppe räumlich vorgehalten werden. Bei einem Schuldenstand von ca. 10 Millionen zum Ende des Jahres bei 5800 Einwohnern wird dem Markt hier eine weitere finanzielle Last zugemutet. 

Dazu kommt, dass in den Kindertagesstätten Probleme auftreten, weil die Kinder/Eltern kein Deutsch sprechen und dies zu Kommunikationsschwierigkeiten führt. Auch das Verhalten der Kinder ist auffällig, wie dies Carla Marx aus der Sichtweise des Helferkreises anführt. Die Zahl der Flüchtlinge, die aus „sicheren Herkunftsländern“ kommen, also nicht integriert werden sollen (ohne Sprachkurse und Arbeitserlaubnis für Eltern, trotzdem aber Anspruch auf Krippen-, Kindergarten- und Schulplatz für die Kinder) steigt immer mehr. 

Die größte ethnische Gruppe der in Wartenberg lebenden Flüchtlinge kommt aus Nigeria. Hier gibt es zunehmende Probleme der Kinder in der Schule, da sie im Lerntempo nicht mitkommen und so immer mehr zu Außenseitern werden. Die Kinder haben auch keine Hilfe und Unterstützung von zuhause, Eltern leben in ihrer eigenen Kultur. Bei Einkäufen, Arztbesuchen und Behördengängen sind die Eltern darauf angewiesen, dass ihre Kinder übersetzen. 

Die Wohnsituation ist besonders schwierig: auch bei Duldung oder Abschiebeverbot ist es uns bisher nicht gelungen, auch nur eine nigerianische Familie in eine eigene Wohnung zu vermitteln. Gründe hierfür sind: keinerlei Sprachkenntnisse der Eltern, keine Kenntnisse unserer Werte und Kultur. Marx: „Es ist dringender Handlungsbedarf im Landkreis Erding notwendig, um diese Probleme zu lösen und die Flüchtlinge auf alle Gemeinde gleichmäßig zu verteilen. Das Wohl aller sollte im Vordergrund stehen.“ Pröbst: „Ein gleichmäßige Verteilung der finanziellen und personellen Lasten auf alle Gemeinden muss gewährleistet sein.“ - Spanier

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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