Coronakrise

Wartenbergs Volksfest-Organisatorin Gabi Rilke über das Bangen um die eigene Existenz

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Gabi Rilke (r.) im Einsatz mit Volksfestkindl Valentina vor dem großen Festumzug zum Auftakt des Wartenberger Volksfestes

Schausteller in der Corona-Krise – Enorme Einbußen und das Bangen um die eigene Existenz

Wartenberg – Ihr 20. Jubiläum wäre es in diesem Jahr gewesen, bedauert Gabi Rilke, Schaustellerin und Organisatorin des Wartenberger Volksfestes, welches in diesem Jahr zum 54. Mal stattgefunden hätte, die Situation. Denn – wie bundesweit vorgegeben – finden auch in der Marktgemeinde bis voraussichtlich Ende August keine Großveranstaltungen statt. 

„Das Wetter wäre perfekt,“ betont die Geschäftsfrau, die normalerweise schon jetzt im April mit Fahrgeschäften und diversen Buden auf Festen und Dulten präsent wäre. „Auftakt ist immer die Frühjahrsdult in Landshut circa eine Woche nach Ostern. Dann geht es weiter nach Moosburg, Pilsting, Altötting, zum Volksfest nach Wartenberg, Gangkofen, Taufkirchen, Bayersbach, Armstorf, Eching, das Herbstfest in Erding und zum Abschluss wieder nach Moosburg Ende September.“

 Rund sechs Monate im Jahr ist Gabi Rilke mit ihrer Familie und Schaustellergehilfen in der Region unterwegs. In diesen sechs Monaten wird Geld verdient, welches zur Finanzierung der verbleibenden Jahreshälte notwendig ist, in der man keine Volksfesteinnahmen hat – ein Einkommen, das nun komplett wegbricht.

„Wir haben seit Ende September keine Einnahmen mehr. Die Situation ist für uns extrem bescheiden“, so Gabi Rilke. Zudem könnten nur Wenige noch auf den Weihnachtsmärkten etwas verdienen, aber ob diese überhaupt stattfinden sei auch nicht sicher. Besonders die kleineren Familienbetriebe hätten jetzt zu kämpfen, denn bei allen Familienmitgliedern gebe es kein Einkommen. 

Insbesondere das Frühjahr sei für Schausteller die wichtigste Zeit, um zum frühestmöglichen Zeitpunkt wieder Geld zu verdienen. Außerdem gehörten Volksfeste in den meisten Gemeinden und Kleinstädten zu den wichtigsten Attraktionen im Jahr. Doch nicht nur die Schausteller seien hier betroffen, so Gabi Rilke.

„Den Städten von größeren Veranstaltungen fehlen die Einnahmen der Volksfeste ebenso wie fast alle Zulieferer dieser Events enorme Einbußen zu verbuchen haben.“ Zumindest die Kosten für Schaustellergehilfen würden entfallen, da diese überwiegend aus Rumänien rekrutiert würden und durch die Sperrung der Grenzen nicht nach Deutschland einreisen konnten. Doch deren Situation sei auch nicht besser, da sie jetzt im eigenen Land auch kein Geld verdienen.

Eine finanzielle Unterstützung gebe es durch die Corona Soforthilfe des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, „aber wie weit kommt man in unserer Branche schon mit 9.000 Euro,“ moniert die Wartenbergerin diese Maßnahme. Zwar hätte man jetzt die Zeit, Renovierungen vorzunehmen oder Verschönerungen, „aber wie, wenn man keine Einnahmen hat.“ Viele müssten ohnehin noch Darlehen und Kredite abzahlen und man freue sich über zügige Rückzahlungen der bereits überwiesenen Platzgelder, um wieder etwas mehr Reserven zu haben.

Ihre Familie habe etwas Puffer, um eine ausgefallene Saison zu überbrücken, da Gabis Eltern Zeit ihres Lebens gearbeitet, gespart und angeschafft hätten. „Wenn meine Eltern nicht ihr Leben lang so fleißig gewesen wären, würde es bei uns auch ganz anders aussehen.“ 

Zudem ärgere sie sich auch über die Aussagen einiger Politiker, wie zum Beispiel von Gesundheitsminister Jens Spahn, dessen Meinung nach Partys und Volksfeste das Letzte seien, was wieder stattfinden werde. „Für die Psyche der Leute ist es wichtig, auch einmal an etwas anderes als Corona zu denken.“ 

Außerdem zählen Volksfeste seit 1200 Jahren zum Kulturgut Bayerns. Und bei den Schaustellern sei das Thema Abstand halten nicht schwierig, das Problem seien die Bierzelte, bei denen die jeweiligen Veranstalter mit diesen Vorgaben zu kämpfen hätten. „Ich bin das erste Mal seit 59 Jahren im Sommer zuhause“, resümiert Gabi Rilke, die wie viele Mitglieder von Schaustellerfamilien die Hälfte des Jahres in ihrem Wohnwagen lebt. 

Zwar gebe es bereits Anfragen für 2021, aber zuzusagen falle einem schwer, weil man nicht wisse, wie die Corona-Auswirkungen im nächsten Jahr noch sein werden. „Man fühlt sich wie in einem schlechten Endzeit-Film“. Nun werde überlegt, wie die Zeit mit alternativen Maßnahmen überbrückt werden könne. 

Viele Ideen habe sie, die noch mit verschiedenen Ansprechpartnern abgestimmt werden müssten. Untätig Abwarten ist für Vollblut-Schaustellerin Gabi Rilke jedenfalls keine Option. „Denn ich lebe in meinem Beruf und habe nie etwas anderes gemacht. Und wichtig für die Schausteller sind neben den Einnahmen auch die Gespräche mit den Kollegen und vor allem der Kontakt zu den Besuchern der Volksfeste, die hoffentlich bald wieder stattfinden werden.“ - and

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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