Wildtier-Winterfütterung: Jäger landkreisweit im Einsatz

Jäger Lorenz Mesz und Revierinhaber Dr. Egon Lechner (re.) versorgten auf dem Ridinger Schirmberg die Wildtiere mit Futter. Mit dabei war Jagdhund Diana, ein bayerischer Gebirgsschweißhund
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Jäger Lorenz Mesz und Revierinhaber Dr. Egon Lechner (re.) versorgten auf dem Ridinger Schirmberg die Wildtiere mit Futter. Mit dabei war Jagdhund Diana, ein bayerischer Gebirgsschweißhund

Fraunberg – „Jetzt herrscht Notzeit, bei geschlossener Schneedecke und Frost, meist in ausgeräumter Landschaft und kaum noch mit Deckung, braucht‘s für unsere Wildtiere Überlebenshilfe und Ruhe, gerade zur Dämmerung“, sagt der Ehrenvorsitzende des Kreisjagdverbands, Dr. Egon Lechner.

Im Augenblick sind alle Jäger in den 110 Revieren des Landkreises mit Futtereimer und Heuhaufen zur Versorgung der ihnen gesetzlich zur Betreuung und zum Erhalt anvertrauter Kreaturen einschließlich der Vogelwelt unterwegs. „Füttern in Notzeit ist moralische Jägerpflicht, da braucht‘s kein Gesetz“, so Lechner. Seit fast 60 Jahren kennt der Erdinger Geschäftsmann als Jäger und Revierinhaber alles Wildvorkommen und jeden Winkel der an Brennpunkten per Kamera überwachten Fraunberger Flur. Unser Mitarbeiter Tom Obermeier war bei einer Wildtierfütterung auf dem Ridinger Schirmberg nahe der Hubertuskapelle mit dabei.

Lorenz Mesz, einer von Lechners sechs Jägern mit Jagdhunddame Diana, hatte für die Rehschütte einen nährstoffreichen Futterblock mitgebracht. Lechner selbst hatte für die Fasanschütte von einem befreundeten Bauern einen Bio- Körner-Getreide-Mais-Mix besorgt. Regelmäßig werden aktuell unsere vielen Futterstellen im 720 Hektar großem Revier kontrolliert und bei Bedarf sofort wieder aufgefüllt, erklären die Jäger.

Die Rehgeiß geht bereits dick mit Nachwuchs und der selten gewordene Fasan (seit drei Jahren wurde schon keiner mehr geschossen) braucht zur freien Sicht und zum Auslauf eine Fütterung am Rand des Waldes, Buchwerks oder Schilfs zum Schutz vor dem Habicht, der ebenfalls Not hat, oder dem Fuchs, der gerade zur Ranzzeit rumstreunt, sagt Lechner. Die Ente grundelt jetzt ihr gespendetes Korn am offenen Fließgewässer, bei sonst zugefrorenen Weihern. Der Feldhase kämpft sich, mehr schlecht als recht selbst durch und das fast schon verschwundene Rebhuhn bleibt des Jägers größtes Sorgenkind. „Früher gab es Rebhuhnketten mit bis zu 12 Stück“, meint der Naturfreund. „Durch den Klimawandel überwintern jetzt immer mehr kanadische Graugänse bei uns.“

Wie der Gartenbesitzer seine eigene Vögel, so versorgt die Jägerschaft ihr Wild, freiwillig und mit großem Einsatz. Die Zufütterung hat zudem Vorteile. Das heimatliche Hauptwild Reh wird bei dieser Betreuung kaum mehr Jungwaldtriebe verbeißen, es muss sich bewegen und bleibt eher gesund und widerstandsfähig gegen vielfältige Wildkrankheiten, so der Jagdexperte. Unsere Feld-Rehe mit meist wenig Einstandsfläche und Ruhezonen sind neben der Gefahr des Straßenverkehrs mit neuem traurigen Höchstrekord 2020 in Fraunberg mit 11 verkehrstoten Rehen (bisher acht) – das sind 25 Prozent der gesetzlichen Abschussquote – besonders störungsbelastet. Zudem werden die Wald-Rehe aktuell durch den steigenden Lockdown-Freizeitdruck stark bedrängt und vor allem auch wegen der unvermeidbaren Verminderung ihres Lebensraumes durch Verbiss-Schutzzäune, die häufig, wenn die Pflanzungen hochgekommen und „dem Äser entwachsen“ sind, nicht wieder abgebaut werden.

„Die Bevölkerung hier ist sehr einsichtig, wir haben keine streunenden Hunde und damit kein Probleme mit den Bürgern“, lobt Lechner. „Jagd hat heutzutage weniger mit Jagen und Schießen, eher gemeinsam mit einigen engagierten Mitjägern mit sich kümmern zu tun, das leisten wir Jäger landkreisdeckend“, so der Ehrenvorsitzende des Kreisjagdverbands, Dr. Egon Lechner. Anschließend gings weiter zur nächsten Futterstation. - to

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