Portrait

Mr. Woodland bringt das Street-Art-Festival nach Erding

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Daniel Westermeier alias Mr. Woodland

International hat Daniel Westermeier alias Mr. Woodland sich schon lange einen Namen gemacht und auch die Große Kreisstadt Erding zollt ihm Anerkennung. Haushohe Kunstwerke wie der „Globetrotter“ in der Ganghofer Straße oder die kürzlich entstandene Unterwasserwelt in der Unterführung der Anton-Bruckner-Straße machen von sich reden. Mit dem vom 10. bis 16. Juni stattfindenden Street-Art-Festival ArtDING bekommt die Stadt eine Freiluftgalerie, die von international renommierten Künsterln gestaltet werden wird.

Portrait über Daniel „Mr Woodland“ Westermeier, Street-Art Künstler aus Erding

Daniel, ist dir dieser Erfolg schon in die Wiege gelegt worden? 

In jedem Fall gab es ein paar glückliche Voraussetzungen. Meine Liebe zu Farben, meine Mutter, die gerne mit mir gebastelt hat, die bunten Bilder an der S-Bahnlinie, die Hip Hop Kultur, die mich schon als Teenager beeindruckt hat, der beste Freund meines älteren Bruders aus der Nachbarschaft, der in der Breakdance und Hip Hop Szene zuhause war und ein wohlwollendes Umfeld, das es mir ermöglichte, Graffiti in jungen Jahren legal auszuprobieren.

Wie jung? 

Ich war zwölf, als ich mein erstes Graffiti sprayen durfte und das war in der Herzog-Tassilo-Realschule. Mein Klavierlehrer hat mir sogar angeboten, eine Wand in seinem Musikzimmer zu gestalten. 

Ich glaube aber, dass er dieses Graffiti bald wieder übermalt hat. Das waren ja noch meine Anfänge, alle mit der Spraydose. Mein Kunstlehrer allerdings war der Meinung, dass er mir nichts beibringen könne und so habe ich mir das meiste autodidaktisch beigebracht.

Woran hast du dich in dieser Zeit orientiert?

Meine Eltern hatten einen guten Riecher und haben mir zwei Bücher zum Thema Graffiti geschenkt. Beide von der Legende Martha Cooper, deren Bücher heute wie Bibeln mit einem Wert von vier- bis fünf tausend Euro gehandelt werden. Das war das eine, das andere, einfach zu Tun und mich über dieses Tun weiter zu entwickeln.

Beruf und Kunst, ließ sich das gut vereinen? 

Tatsächlich habe ich vor sieben Jahren meinen Beruf als Einzelhandelskaufmann komplett an den Nagel gehängt, Grafikdesign studiert und mein Kreativbüro „Toxic Playground“ aufgebaut. Als Mediendesigner entwerfe ich u.a. Logos oder Illustrationen und werde einige Male im Monat für Graffiti gebucht. Ich bin sehr zufrieden, von dem was ich liebe zu tun, zusammen mit meiner Familie auch leben zu können.

Du bist deinen Weg sehr konsequent gegangen!

Mein Ziel war immer klar und mit dem Verdienst aus meiner früheren Tätigkeit, war es mir möglich, in all den Jahren meinen internationalen Bekanntheitsgrad zu fördern. Anders als heute, musste früher eine Menge Geld in die Hand genommen werden, um die eigenen Werke sichtbar zu machen. 

Anstelle der heutigen Möglichkeit, ein Fotos in Sekundenschnelle um die Welt zu schicken, galt es die Chance zu ergreifen, an Festivals teilzunehmen und Fotos bei den raren Graffiti-Magazinen einzureichen und zu hoffen, dass diese veröffentlicht würden.

 Reisen nach Albanien, Bulgarien, Dänemark, Holland, Italien, Kroatien, Schweiz, Slowenien, Spanien, Norwegen oder Österreich waren zu finanzieren und nicht zu vergessen, all die erforderlichen Arbeitsmaterialien. Zum Vergleich: für den „Globetrotter“ habe ich 8000 Euro eigen finanziert.

Was macht deine Kunst so besonders? 

Es ist das Arbeiten mit der Hebebühne in wirklich luftigen Höhen bis über 20 Metern, meine Mischtechnik mit Hilfe von Pinsel, Farbrolle und Spraydose. Letztere verwende ich heute nur noch, um harmonische Farbübergänge zu schaffen. 

Meine Kunst ist Urban Streetart, geschaffen aus einer Mischung von Jugendstil, realistischer Gestaltung, Illustration und graphische Fragmente. Inspiriert durch Altmeister wie Dürer, Klimt oder Van Gogh. Meine Landwand sind alte Plakatwände mit heruntergerissenen Postern, freigegebene Wände oder Hausfassaden.

Meine Intention, das Gegenteil von Schönfärberei. Alles in der Werbung ist darauf aus, Menschen und Gegebenheiten durch perfekte Retusche schön zu machen. Ich zeige den Menschen, wie er ist. Mit Augenringen, Buckel auf der Nase oder anderen „Schönheitsfehlern.“

„Mach, was du willst ...“ 

... denn ich möchte einen echten Mr. Woodland!“ Das höre ich natürlich gerne. Aber ganz gleich, ob ich mein Thema in der Gestaltung frei wählen kann oder ob ich einen gezielten Auftrag wie das Weltall, Dschungel, Mickey Mouse oder eine Unterwasserwelt ausführe, die Vorabeit bleibt die gleiche.

Im Vorfeld mache ich Fotos von meinem gestellten Motiv. Ist ein Tier vorgesehen, wird ein Stofftier mit eingesetzt und ich spiele in der Fotografie mit Licht und Schatten. Wenn ich mir sicher bin, wie das Motiv werden soll, skizziere ich dieses auf der Wand oder Fassade vor, bevor es an die Ausarbeitung geht.

Besondere Herausforderungen inklusive, richtig?

Ja genau! Bei zehn Metern Höhe auf der Hebebühne bin ich mittlerweile tiefenentspannt, aber ab zwölf, dreizehn Metern potenziert sich die Höhe. Stehe ich weit oben, atme ich ganz bewusst durch und mache mir klar, dass nichts passieren kann. Eine andere Herausforderung ist das Ausschwingen der Hebebühne, je mehr Wind, desto mehr Schwingung. 

Das muss in die Pinselführungen einbezogen werden. Mit den Arbeiten beginne ich in der Früh gegen halb neun bis zur Dämmerung. Meine Verpflegung besteht meist aus einem mitgebrachten Brot und natürlich ausreichend Getränken. Die Malsaison ist in der Regel zwischen März und November. Zumindest braucht es Temperaturen über zehn Grad.

Wie sind deine Pläne für dieses Jahr?

Im Juni haben wir das Street-Art-Festival ArtDING, vorher gestalte ich eine sechs Stockwerke hohe Fassade in der albanischen Hauptstadt Tirana, später stehen stehen noch Griechenland und Dänemark auf dem Programm und im November erwartet die Erdinger eine Ausstellung im Frauenkircherl. „Daily Sorrows“, Alltagssorgen. Das sind dann Gemälde auf Leinwand, Siebdrucke, echte Skizzen und Fotodrucke. Es wird ein tolles Jahr.

Das Interview führte Claudia Kruppa

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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