Getötet und vermarktet

Artenschutz: Freising vorn dabei bei der Wilderei

Artenschutzkriminalität in Bayern
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Die Polizei birgt einen Bussard.

Die Behörden gehen verstärkt gegen Vogel-Wilderei und illegalen Handel mit Trophäen und Federn vor - mehr als 185 registrierte Fälle seit 2010 werden gezählt.

Der Landkreis Freising ist dabei weit vorn in der Bilanz. Dabei handelte es sich 93 Mal um gezielte Vergiftung, 30 Mal um Abschuss, 27 Mal um Fang oder Nachstellen mit verbotenen Fallen und 35 Mal um sonstige Tatbestände wie illegaler Besitz und Verkauf von Vogel-Präparaten oder die mutwillige Zerstörung von Nestern. Getötet und vermarktet wurden dabei vor allem Greifvögel wie Rotmilane, Habichte und Bussarde, aber auch andere Arten wie Waldschnepfen, Reiherenten, Eichelhäher sowie Grau- und Silberreiher. „Das Dunkelfeld ist sehr hoch, wir gehen davon aus, dass höchstens zehn Prozent aller begangenen Taten auch bekannt werden“, so Biologe und Komiteesprecher Karl Heinz Kreutzer aus Augsburg.

Besonders stark betroffen sind die Landkreise Landshut (13 Fälle seit 2010), Dingolfing (elf Fälle), Straubing-Bogen (zehn Fälle) und Freising (acht Fälle). Im ersten Quartal 2021 wurden in Bayern bisher zwölf Fälle bekannt. Darunter auch eine mutmaßliche Vergiftungsserie im Landkreis Straubing-Bogen, wo die Polizei Ende März nach Hinweisen von Spaziergängern vier tote Bussarde, einen Silberreiher und verdächtige Köder sicherstellte. In der vergangenen Woche wurde bei Obersunzing von Mitarbeitern des Komitees gegen den Vogelmord ein weiterer toter Greifvogel entdeckt und von der Polizei geborgen. Die Vögel sollen von Experten der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München auf Giftrückstände untersucht werden.

Nach Angaben des Komitees haben Mitarbeiter des Verbandes in den letzten Monaten auch umfangreiche Beweise für den illegalen Handel mit geschossenen Waldschnepfen, Eichelhähern, Enten und anderen Vogelarten zusammengetragen. Betroffen sind insgesamt 14 Präparatoren und Jagdausrüster aus dem gesamten Bundesgebiet, darunter auch fünf Firmen aus Bayern. So ermitteln die Staatsanwaltschaften Deggendorf und Landshut gegen zwei Jäger, die unter Verletzung bestehender Vermarktungsverbote einen umfangreichen Handel mit gefrorenen Rabenvögeln und Enten betrieben haben. Bei Durchsuchungen der Wohn- und Geschäftsräume der Beschuldigten wurden Anfang des Jahres mehr als 150 gefrorene Vogelkadaver, Datenträger sowie Geschäftsunterlagen der vergangenen drei Jahre sichergestellt.

Zwei Trophäenhändler aus Nürnberg und dem Kreis Traunstein wurden von den Vogelschützern angezeigt, weil sie verschiedene besonders und streng geschützte Arten als Präparate im Internet zum Verkauf angeboten hatten. Unter den angebotenen Arten befanden sich auch ausgestopfte Greifvögel. Auch hier ermitteln nun die Behörden. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt aktuell gegen eine Firma für Trachtenmoden. Der Verdacht: Illegaler Handel mit Federn von Eichelhähern, die zu Hutschmuck verarbeitet wurden. Insgesamt geht es um mehr als 90 einzelne Verkäufe, deren Rechtmäßigkeit jetzt überprüft wird.

Im Falle einer Verurteilung erwarten die Beschuldigten wegen Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz und das Jagdrecht hohe Geldstrafen; der mögliche Strafrahmen reicht bis zu fünf Jahren Haft. Jägern droht zusätzlich der Entzug der Jagderlaubnis. Das Komitee ruft dazu auf, verdächtige Funde oder Verkaufsangebote entweder an die Polizei oder an die bundesweite Hotline „Greifvogelverfolgung“

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