Flüchtlinge im Landkreis

Die Prognose wird immer dramatischer

Haben alle Hände voll zu tun: Irmgard Eichelmann vom neu geschaffenen „Netzwerk Asyl“ und ihr Dienstherr, Landrat Josef Hauner.

Zurzeit sind im Landkreis Freising 620 Asylbewerber in 48 Unterkünften untergebracht. Nach der neuesten Prognose der Regierung von Oberbayern muss sich der Landkreis darauf einstellen, bis zum Ende des Jahres insgesamt 1314 Asylbewerber aufzunehmen, worüber sich Landrat Josef Hauner einige Sorgen macht. Seine Mitarbeiter sind mit der Betreuung vor Ort  reichlich ausgelastet.

620 Asylbewerber leben aktuell im Landkreis Freising, die Prognosen der Regierung von Oberbayern orakeln allerdings, dass bis Jahresende nochmal nahezu die doppelte Anzahl zugewiesen wird - eine Information, die Landrat Josef Hauner Sorgen bereitet. Doch die Landkreisverwaltung sitzt nicht tatenlos herum und harrt der Dinge, die da auf sie zukommt. Bei einem Pressegespräch betonte Landrat Hauner, dass die Mitarbeiter des Landratsamtes schon jetzt „völlig geräuschlos bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit arbeiten“, um die dem Landkreis zugewiesenen Asylbewerber menschenwürdig unterzubringen. Allerdings werde dieses von Monat zu Monat schwieriger, und nach wie vor sucht man geeigneten Wohnraum. „Vor allem benötigen wir dringend größere Projekte, wo 50 und mehr Asylbewerber untergebracht werden können“, unterstreicht Hauner. Es gebe zwar viele private Wohnungsangebote, die allerdings nicht dem geforderten Standard entsprechen oder viel zu klein sind. Auch die Bürgermeister der Landkreisgemeinden, denen er vor zehn Tagen einen Brief geschrieben habe, würden sich darüber Gedanken machen, wie und wo Wohnraum bereitgestellt werden könne, betonte Hauner. Um für die zukünftigen Zuweisungen von Asylbewerbern vorbereitet zu sein, hat man im Haushalt 2015 neun zusätzliche Stellen, darunter sechs Sozialpädagogen, geschaffen und damit die Anzahl des Personals verdoppelt. Zurzeit werden diese neuen Stellen ausgeschrieben und Landrat Hauner hofft, dass sich qualifizierte Bewerber melden. Im Landratsamt selbst wurde eine neue Stelle „Netzwerk Asyl“ geschaffen, die von Irmgard Eichelmann besetzt wurde. Dafür wurde sie von allen anderen Aufgaben freigestellt. Für sie ist es zunächst wichtig, ein Netzwerk mit dem Sozialamt, den Wohlfahrtsverbänden und allen Ehrenamtlichen aufzubauen und sich bezüglich der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge noch besser mit dem Amt für Jugend und Familie zu vernetzen. Zusätzlich sollen regelmäßige Treffen mit professionellen Helfern außerhalb des Landratsamtes, wie beispielsweise Donum Vitae oder dem Gesundheitsamt stattfinden. Darüber hinaus soll ein Runder Tisch als Vermittlungsorgan zwischen den ehrenamtlichen und den professionellen Helfern eingerichtet werden. „Diese Vernetzung ist wichtig, um über die Dinge Klarheit zu schaffen, die gesetzlich nicht geregelt sind“, so Irmgard Eichelmann. Auch der frühzeitige Kontakt mit den Gemeinden, in denen Asylbewerber untergebracht werden sollen, hält sie für dringend erforderlich. So sollen vor allem die Bürger frühzeitig über die zukünftige Unterbringung von Asylbewerbern informiert, Bürgerversammlungen abgehalten, Servicestellen eingerichtet und Beratungen schon im Vorfeld angeboten werden. Als ganz besonders wichtig erachtet sie es, im Bereich der Sprach- und Integrationsförderung Informationen über alle bestehenden Angebote zu sammeln und weiterzugeben, die Angebote laufend weiterzuentwickeln, den Kontakt zu berufsweiterbildenden Schulen zu suchen und sich auch mit dem Jobcenter zu vernetzen. Dies ist auch für Landrat Josef Hauner ein besonderes Anliegen, da immer wieder festgestellt wird, dass trotz der Sprachförderung in den Schulen und Kindergärten Lücken in den sprachlichen Leistungen der Asylbewerber bestehen. Deshalb hofft er auf einen baldigen Start des Projektes „Alphabetisierungskurse für Asylbewerber“. Landrat Josef Hauner berichtet auch, welche Leistungen der Landkreis bisher schon freiwillig erbracht hat. Dabei betont er aber auch, dass es oft langwierig ist, diese zu finanzieren, weil der Landkreis keine Ausgaben ohne Beschlüsse der zuständigen politischen Gremien tätigen darf. Um auf alle Fälle rund um die Uhr vorbereitet zu sein, gibt es im Landratsamt einen ständigen Bereitschaftsdienst für Neuankömmlinge und Notfälle, wofür ein Fahrzeug, Mobiltelefone und die notwendige EDV-Ausstattung beschafft worden sind. Im Landratsamt selbst wurde eine generalstabsmäßige Notfallplanung zur Unterbringung von Asylbewerbern in den Wintermonaten erarbeitet. Darüber hinaus erhalten die Wohlfahrtsverbände für die Asylsozialberatung einen Zuschuss von bis zu 63000 Euro jährlich. Landrat Hauner betont aber auch, dass trotz aller Anstrengungen, die das Landratsamt zur Unterbringung der zugewiesenen Asylbewerber unternimmt, auch das andere Klientel, für das das Landratsamt zuständig ist, nicht aus den Augen verloren wird. „Da soll kein falscher Eindruck entstehen“, so Hauner. Er appelliert gleichzeitig an Bund und Freistaat, mehr zu tun, um die Landkreise zu unterstützen. So müssten seiner Meinung nach die Anerkennungsverfahren verkürzt werden und vor allem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge personell aufgestockt werden. „Die bekommen ein paar Stellen mehr, während gleichzeitig der Zoll 1600 Stellen für die Überwachung der Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns bekommt“, äußert er und nennt diesv ein „Unding“. Auch müsste die Bundesregierung mehr Druck auf andere EU-Länder ausüben, die sich bei der Aufnahme von Asylbewerbern völlig verweigern. Vom Freistaat erhofft sich Hauner vor allem, dass dieser die Kosten für zusätzlich eingestelltes Personal voll übernimmt und auch mehr finanzielle Mittel zur Durchführung von Sprachkursen bereitstellt.

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