Vor allem die Chemie muss stimmen!

Behindertenassistenz gesucht: Unterstützung für Ingo Huck

Ingo Hucks Mutter Ria wohnt einen Stock weiter oben im selben Haus. Sie schaut täglich vorbei und ist mitverantwortlich für die gute Stimmung. Sie sagt: „Bei uns geht keiner zum Lachen in den Keller!“ Fotos (2): Wagner

Soziale Kontakte sind ihm sehr wichtig! Deshalb tippt Karina auf dem riesigen Bildschirm auch Whatsapp-Nachrichten an Ingo Hucks Freunde. Und er diktiert sie! Ingo liegt hinter Karina im Bett - er leidet seit seiner Geburt an Muskelatrophie. Das bedeutet, dass Nervenzellen absterben und dadurch seine Muskulatur verkümmert. Ingo Huck ist körperbehindert, er konnte noch nie gehen und mittlerweile auch nicht mehr selbstständig essen. Nachts muss er beatmet werden. 

Freising- Eine Erkältung kann für ihn dramatisch sein, denn seine Lunge kann nicht gut arbeiten, abhusten ist Schwerstarbeit, und Ingo droht zu ersticken, aber: „Für die Beatmung habe ich meine Maschine, da gab es in über 50 Jahren noch kein Problem. Ich bin nur behindert, alles andere passt“, sagt er. Dennoch ist er auf Hilfe angewiesen, hat fast rund um die Uhr Assistenten, die seine Versorgung übernehmen, aber längst auch gemeinsam mit ihm die Freizeit verbringen. 

Ein systemrelevanter Job

Für die Donnerstage von zehn bis 20 Uhr sucht Ingo Huck noch jemanden auf 450 Euro-Basis in Freising, und als Jobprofil sagt er: „Es ist ein cooler Job!“Waschen, Füttern, Hausarbeit - viel mehr ist es auch schon gar nicht, was Ingo Huck, der an Muskelatrophie leidet, von seinem Pflegeassistenten an Dienstleistung erwartet. Der Rest des Donnerstags besteht dann aus „Chillen. Netflixen, Facebooken, ins Kino oder in den Biergarten gehen!“ 

Der 51-Jährige bietet einen krisensicheren systemrelevanten 450 Euro-Job für zehn Stunden immer donnerstags. Seine Krankheit fesselt ihn zumeist ans Bett, dennoch sind gemeinsame Unternehmungen möglich: „Ich gehe gern ins Kino oder auf Konzerte, aber damit muss ich sehr haushalten, denn es ist wirklich anstrengend für mich. Nach längerem Sitzen bin ich immer ziemlich im Arsch!“ Kontakthemmungen hat der Freisinger keine, und das ist auch schon alles, was seine Behindertenassistenz mitbringen muss: „Es sind keine medizinischen Vorkenntnisse erforderlich. 

Hier passt die Chemie auf jeden Fall! Ingo Huck und seine Betreuerin Karina verstehen sich.

Er oder sie dürfen natürlich keine Angst haben, mich anzufassen oder zu waschen. Zuverlässigkeit ist das Wichtigste!“ Karina ist heute da und kümmert sich um Ingo - sie wird später von ihrem Mann abgelöst, der sie auch von dieser Aufgabe überzeugt hat. In Corona-Zeiten muss sie eine Maske tragen, wie fast überall. Ingo Huck findet, das verzerrt die Situation etwas, in seinem Zimmer wirke es dann so krankenhausmäßig steril, und so sei die Zusammenarbeit ja gar nicht. Karina nickt: „Ingo nimmt einem eigentlich alles ab. 

Er hat viel Geduld, eine große Klappe und viel Humor - ein guter Chef“, lacht sie. Sie ist seit Februar hier und hatte anfangs durchaus auch Respekt vor der Aufgabe, doch gerade Ingo Huck nahm ihr alle Schwellenängste. Die Chemie zwischen Ingo und ihr stimmt, „und das ist das Allerwichtigste“, sagt Huck. Geeignet ist die Aufgabe grundsätzlich für Jedermann, ob Studenten, Hausfrauen, Verkäuferinnen, Techniker - nach einer eingehenden Unterweisung klappt die Kooperation zwischen beiden in der Regel sehr gut. 

Noch bis vor kurzem war er besonders bei Studenten ein sehr beliebter Arbeitgeber: „Die haben mich regelrecht weitergereicht untereinander“, lacht er. Es werde schon zunehmend schwieriger, jemanden zu finden. Wer Interesse, absolute Zuverlässigkeit und gute Deutschkenntnisse mitbringt, schreibt einfach eine Mail an ingohuck@googlemail.com. Antwort kommt garantiert - verfasst von Ingo, getippt von Karina!

Quelle: freising-online

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