Neumaier: „Werden wir‘s schaffen?“

Corona- "Drive In": Der Fünf Minuten-Test in Zolling

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Nur einen Spalt ist das Beifahrerfenster geöffnet. Die Corona-Testung auf dem Zollinger Bauhof läuft auf Hochtouren.

„Hoffentlich läuft‘s einigermaßen geordnet!“ - so der Stoßseufzer von Max Riegler, Bürgermeister der Gemeinde Zolling, die seit gestern die erste „Corona“Teststelle im Landkreis Freising am dortigen Bauhof beheimatet. 

Zolling- Ganz unbegründet dürften Rieglers Bedenken nicht sein, denn hinter ihm stauen sich bereits die Autos, die weit vor ihren fixierten Terminen vor der Teststelle warten. Sicherheitspersonal in dicken gelben Schutzanzügen wachen über die Situation, Experten in weißen Anzügen und mit Mundschutz tummeln sich auf dem Gelände. Ausschließlich über das Freisinger Gesundheitsamt informierte Personen, die in Kontakt mit nachgewiesen Infizierten werden hierher einbestellt und melden sich mit einer Kennzahl an. 

Corona-Teststelle: Kein Termin- Keine Chance

Wer keinen Termin hat, hat auch keine Chance und läuft sogar Gefahr, sich einer Straftat schuldig zu machen, wie Landrat Josef Hauner von der Polizei ausrichten ließ. 

Oder wie es Georg Miedl, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Freising, plastisch ausdrückte: „Nur weil der Nachbar von einem Freund gehustet hat und der jetzt vermutet, dass dessen Tochter infiziert ist, kann die nicht einfach hierher kommen.“ Grund: Der Bedarf ist zu groß, Prioritäten müssen gesetzt werden. Täglich sollen rund 60 Tests durchgeführt werden.

Auf den Teststau folgt der Autostau - mit allen nötigen Vorkehrungen.

Der erste Schritt zur flächendeckenden Corona-Testung im Landkreis ist mit der Einrichtung des „Drive-Ins“ am Bauhof Zolling getan, allerdings ist es nur ein kleiner. Der dennoch lebensnotwendig ist, um die Infektionskurve in den Griff zu bekommen. Denn ebenfalls gestern verstarben die ersten beiden Infizierten im Landkreis: Eine 80-jährige Frau und ein 87-jähriger Mann! 

Entsprechend düster die Aussichten und Aussagen der Kreis-Verantwortlichen: „Die Lage ist ernst“, so Landrat Josef Hauner, dem Christine Setzepfandt vom Gesundheitsamt zur Seite springt: „Die Fallzahlen steigen jetzt exponentiell“. Markus Neumaier, Ärztlicher Leiter des Klinikums Freising, mit der Sinnfrage: „Wenn wir schaffen, dass sich die Infektionskurve jetzt verlangsamt - schaffen wir‘s dann?“ 

Freising: Klinikum für Corona- Infizierte bereit?

Sein Klinikum ist den Umständen entsprechend gut aufgestellt, hat Kapazitäten, die Intensivplätze bei Bedarf zu verdoppeln. Und vor allem die Reihentestung in Zolling soll sich positiv auswirken: „Wenn jetzt alle Maßnahmen ineinander greifen, wird sich die Lage entzerren“, sagt Hauner. 

Auf dem Bauhof herrscht Science Fiction-Atmosphäre: Mit gebührendem Abstand fahren die aufgerufenen Autos an die erste Haltstelle, bekommen dort ihr Testpaket durchs knapp geöffnete Seitenfenster von schutzbebrillten und -maskierten Mitarbeitern hereingereicht, nehmen an Station zwei den Abstrich aus der Mundhöhle und geben ihn den Assistenten zurück. 

„Mit einer Teststrecke assoziiert man eigentlich was Anderes“: Landrat Josef Hauner marschiert vor dem ersten terminierten Auto den Parcours ab. 

Abfahrt! Fünf Minuten soll das Einzel-Prozedere dauern, die Termine sind voll: 400 Proben sollen pro Woche genommen werden, an sieben Tagen. Es gilt, den Teststau abzubauen, betont Neumaier, eine Testung oder Terminierung erfolge ausschließlich über das Gesundheitsamt oder den Ärztlichen Kreisverband. Ausschließlich Kontaktpersonen der Ersten Kategorie mit entsprechenden Symptomen werden getestet. 

„Wir sind aktuell nicht in der Lage, darüber hinaus aktiv zu sein,“ betont Neumaier. Sein Kollege Georg Miedl gibt sich zuversichtlich: „Wir sind gespannt, was auf uns zukommt, aber auch zuversichtlich!“ Dabei nimmt erfreut zur Kenntnis, dass er Unterstützung von „Unruheständlern“, also emeritierten Kollegen erhält. Solidarität ist da, nun gilt es, den rapide ansteigenden Infektionszahlen - Miedl: „Die Lage wird sich verschlimmern“! . effektiv entgegen zu wirken.

Hilfe in der Not bietet auch Julien. Für die Attenkirchener Bürger geht er einkaufen. Wie das abläuft, erklärt er in unserem Video.

Quelle: freising-online

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