Ein "Quantensprung"

Feinstaubmessung: Umweltminister Thorsten Glauber zu Besuch beim Bürgerverein

Wolfgang Herrmann vom Bürgerverein erklärt Minister Glauber das Messgerät.

Als „Quantensprung“ bezeichnete Landrat Helmut Petz den Besuch des Bayerischen Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber (Freie Wähler), am Mittwoch in Massenhausen. Dort informierte sich Minister Glauber über die Ultrafeinstaub-Messungen des Bürgervereins Freising.

Mit seinem Besuch verleihe der Minister den Messungen des Bürgervereins das „amtliche Dienstsiegel“ zum Schutz der Bevölkerung, so Petz weiter. Er informierte den Minister darüber, dass der Landkreis auf Antrag von Kreisrat Benno Zierer (Freie Wähler) mit in die Messungen eingestiegen sei, um die „historische Zeit ohne Flugverkehr“ zu nutzen und aktuelle Werte über die Ultrafeinstaubbelastung zu erhalten, die dann einen Vergleich erlauben, wenn der Flugverkehr wieder zunehmen sollte. Wissenschaftlich würden die Messungen nun von der Helmholtz-Gesellschaft und der Universität Bayreuth begleitet, so Petz weiter, und diese würden das Projekt sehr engagiert begleiten.

Mit dem Ministerbesuch und dessen Wunsch, sich nun auch von staatlicher Seite an den Messungen zu beteiligen, sei etwas ins Rollen gekommen, von dem er sich Erkenntnisse über die Abwehr der gesundheitlichen Gefahrenlage für die Bevölkerung im Flughafenumland, über das im Übrigen die Flughafengesellschaft sehr wohl Bescheid wissen sollte, erhofft.

Startschuss für Messungen im Flughafenumland

Man wolle gemeinsam etwas für die bayerischen Bürgerinnen und Bürger tun, betonte Minister Thorsten Glauber zu Beginn seiner kurzen Stellungnahme. Er sei von seinem Parteifreund Benno Zierer immer wieder gedrängelt worden, bezüglich der Ultrafeinstaub-Messungen tätig zu werden; heute sei nun der Startschuss für die Messungen im Flughafenumland mit wissenschaftlicher Begleitung gefallen.

„Die Bayerische Staatsregierung geht ab heute das Thema an und setzt dieses auch um“, betonte er. Weiterhin wies er darauf hin, dass die Messungen des Bürgervereins nun auch mit anderen Aktionen verzahnt würde und gleichzeitig an insgesamt neun Stationen in Bayern die Belastung mit Ultrafeinstaub gemessen würde.

Bürgermeister Franz Heilmeier (Bündnis90/Die Grünen) erinnerte daran, dass es in der Bayerischen Staatsregierung jahrelang eine „Kultur der Missachtung der Arbeit des Bürgervereins“ gegeben habe und es ein langer Weg bis zum Heute gewesen sei. „Auch wenn die Flughafengesellschaft nach wie vor gegen Messungen ist, muss das Interesse da sein, den gesundheitlichen Gefahren des Ultrafeinstaubs nachzugehen“, betonte er.

 Dieses sei beispielsweise am Flughafen Frankfurt seit 2015 gang und gäbe und deshalb sei er sehr zuversichtlich, auch im Umland des Münchner Flughafens bald „hessische Verhältnisse“ zu haben. Wie die wissenschaftliche Begleitung der Messungen aussieht, erläuterten Professorin Anke Nölscher von der Universität Bayreuth und Dr. Josef Cyrys vom Helmholtz-Zentrum in München.

Minister Thorsten Glauber (3. v.r.) informierte sich über die Ultrafeinstaub-Messungen des Bürgervereins Freising.

Anke Nölscher lehrt und forscht auf dem Gebiet der atmosphärischen Chemie und führt seit langem Feldmessungen unter anderem im südamerikanischen Regenwald und in Peking durch. Nun wird sie und ihr Team im Auftrag des Bayerischen Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz an zwei Stationen in Freising und Hallbergmoos für die Dauer von drei Jahren mit wissenschaftlichen Methoden die Qualität der Luft und deren Belastung mit Ultrafeinstaub messen und erforschen, woher die Belastung stammt. „Mit vergleichenden Messungen werden wir in der Lage sein, dies festzustellen und eine wissenschaftliche Vergleichbarkeit schaffen“, betonte sie.

Das Institut für Epidemiologie des Helmholtz-Zentrums München betreibe mit seinen rund 150 Mitarbeitern seit 20 Jahren Forschungen in der Luftbelastung, erklärte Josef Cyrys. Dabei habe man festgestellt, dass zwar die Belastung der Luft mit Feinstaub abgenommen, gleichzeitig aber die Belastung mit Ultrafeinstaub zugenommen hätte. Da es auf gesundheitliche Auswirkungen noch zu wenig Studien gäbe, gäbe es auch noch keine Grenzwerte. 

Das Versprechen wurde eingehalten

Dazu wären vor allem Langzeitstudien notwendig und er hoffe, dass in zwei bis drei Jahren erste Ergebnisse präsentiert werden können. Reinhard Kendlbacher, der Vorsitzende des Bürgervereins, und seine Mitstreiter freuten sich natürlich besonders über den Besuch von Minister Glauber. „Sie haben im Gegensatz zu ihren Vorgängern ihr Versprechen eingehalten, uns zu besuchen“, betonte er und fuhr fort, dass der Besuch des Ministers für den Bürgerverein eine richtungsweisende Bedeutung habe. Darüber seien er und seine Mitstreiter sehr bewegt und ab heute sei es vorbei, nicht ernst genommen zu werden.

Als Beispiel nannte er ein Schreiben des Bayerischen Finanzministers und Vorsitzenden des Flughafen-Aufsichtsrats, in dem dieser die Messgeräte als nicht geeignet beschrieben hätte. Sein Stellvertreter, Wolfgang Herrmann, mahnt, dass die Messungen am Flughafen „unter den Nägeln brennt“ und hofft, dass es auch hier bald zu einem Ruck kommt. Bekanntlich weigert sich die Flughafengesellschaft, Messungen auf deren Gelände zuzulassen.

Weiterhin verwies er auf Empfehlungen des Umweltbundesamtes, wonach Ultrafeinstaub als gesundheitsgefährlich eingestuft wird und deshalb eingeschränkt werden sollte.

Quelle: freising-online

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