Stille ist eingekehrt

Flughafen München: Gespenstische Szenen am Terminal

Menschenleeres Airport-Center: Am Flughafen München herrscht gespenstische Atmosphäre.

Totale Depresse am Airport: Eine kleinere zweistellige Zahl von Flügen pro Tag, die Anzeigetafeln leer. So ungefähr stellt man sich die aktuelle Lage am Hauptstadtflughafen in Berlin vor. Der Unterschied: Hier wollen Menschen arbeiten. Sie können das aber nicht, weil bei einer Reduzierung des Flugbetriebs um 95 Prozent keine Arbeit da ist.

Flughafen- Geisterhaft die weibliche Computerstimme im Terminal zwei: „Lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt!“ Es gibt Angestellte an Serviceschaltern und Auskunftsstellen, die eine ganze Schicht herum sitzen und nicht einen einzigen Kundenkontakt hatten. So etwas frustriert ungemein. Am Lufthansa-Schalter sitzen gerade mal zwei Mitarbeiter. Warum, das wussten sie selber nicht, und darum wollten sie auch gegenüber der Presse nicht besonders deutlich werden. 

Flughafen München: Wenig los in den Terminals

Einsam ziehen Polizeistreifen ihre Runden durch diesen Geister-Airport. Und plötzlich gibt es das Geräusch eben doch: Rollen von Koffern auf dem gepflasterten riesigen Platz unter dem weißen Kunststoffdach. Dieser Lärm fällt regelrecht auf. Ein junges Paar sitzt dort, wo eigentlich mächtig Betrieb sein sollte: Am Biergarten am Rand dieser riesigen Freifläche. Sie drehen sich erstaunt um: „Oh, ein Fluggast!“ Tatsächlich muss eine Maschine gelandet sein. Es ist eine jener kleinen Regionalmaschinen, wie man sie derzeit ab und zu beobachten kann, wenn man etwa beim Autohaus Müller im Stadtteil Achering steht. 

Dort witzeln die Autoverkäufer schon: „An diese Ruhe kann man sich direkt gewöhnen.“ Im Parkhaus „P 20“, wo man am späten Nachmittag Probleme bekommen kann, überhaupt einen Parkplatz zu finden, herrscht gähnende Leere: Ein Luxus-Sportwagen hat ein halbes Stockwerk für sich. Aber die, die jetzt noch am Flughafen zumeist nur herum sitzen, die tun das wenigstens noch. Ein riesiger Teil der Belegschaft ist schlicht und ergreifend in Kurzarbeit geschickt worden. Hier liegen allerdings spannende Detailinformationen vor: Bei Kurzarbeit bleibt den Arbeitnehmern 90 Prozent ihres Nettogehalts.

In den unteren Lohngruppen, erfuhr die Redaktion bei der Flughafen-Seelsorge, werde sogar 95 Prozent des Nettogehalts ausbezahlt. Damit verhält sich der Flughafen insgesamt für einen Arbeitgeber mustergültig. Direkte soziale Not, verbunden mit der Sorge um die Wohnung – gerade in dieser Gegend ein zentrales Thema! – Gibt es also noch nicht. Und doch spüren die Menschen eine gewaltige Verunsicherung, denn niemand weiß, wie lange das jetzt noch so weitergehen soll. Die Gastronomie am Flughafen hat geschlossen. Die wenigen, die einen Straßenverkauf haben, haben auch nicht das Problem großer Warteschlangen. 

Ein Polizeibeamter, der seine Brotzeit bei einer dieser Theken erstehen wollte, war der einzige in dieser Zeit. Irgendwie aber muss der Betrieb aufrechterhalten werden. Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die auch nicht genannt werden wollten, berichteten, dass sie jetzt nicht 200 Passagiere pro Schicht zu kontrollieren haben, sondern nur noch 20, wenn es hoch kommt. Aber sie müssen eben da sein, weil Sicherheitsbelange an jedem Airport eine gewaltige Priorität genießen. Und es geht noch weniger: Erst vor wenigen Tagen hat die Flughafengesellschaft mitgeteilt, dass am Terminal 1 der Betrieb komplett eingestellt werde.

Quelle: freising-online

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