Neue Alltagsstruktur finden

Interview: Bärbel Schenk rät zum gemeinsame Träumen in der Krise

Die Krise als Chance nützen: Auch in den eigenen vier Wänden bietet sich die Gelegenheit, keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Die ersten Wochen der Zeit mit Ausgangsbeschränkungen liegen hinter uns. Wir alle stehen vor der Herausforderung, in diesem Ausnahmezustand eine neue Alltagsstruktur zu (er)finden. Für Eltern ist es eine andere Situation, die Kinder nun auch am Vormittag zu erleben, sie 24 Stunden ohne Unterstützung durch die Großeltern oder einen Babysitter zu betreuen.

Hinzu kommt eventuell eine Doppelbelastung von Kinderbetreuung und Arbeit im Homeoffice. Es braucht komplett neue Absprachen zwischen Elternteilen, die beide arbeiten müssen. Für Alleinerziehende stellt sich nochmal mehr die Anforderung, die eigenen Kapazität gut einzuteilen und mit den Kräften zu haushalten. Wie das klappt, erklärt Bärbel Schenk von der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche!

Bärbel Schenk von der Caritas-Beratungsstelle erklärt, wie Familien trotz Doppelbelastung den Alltag meistern können.

Wie kann das Leben in der Familie unter Ausgangsbeschränkungen funktionieren?

Bärbel Schenk: · „Geben Sie sich Zeit für die Umstellung! Wir empfehlen Ihnen, so viel Gewohntes wie möglich beizubehalten und eine klare Tagesstruktur mit festen Essens- und Schlafenszeiten zu planen – für die Kinder, und vergessen Sie dabei sich selbst nicht. Beispielsweise können Sie zusammen mit Ihren Kindern einen Tages- oder Wochenplan entwerfen und ihn beispielsweise visualisiert an der Küchentüre für alle sichtbar machen. 

Für Schulkinder könnte dieser so aussehen, sich am Vormittag auf die Schulsachen zu konzentrieren, den Nachmittag zu spielen und gelegentlich kleine Aufgaben im Haushalt, wie die Spülmaschine auszuräumen, zu übernehmen. Planen Sie auch feste Auszeiten für alle ein, bei denen sich jedes Familienmitglied in seinem Bereich aufhält. Für jüngere Kinder reichen oftmals 15 bis 30 Minuten, ältere Kinder genießen schon mal eine Stunde oder mehr für sich alleine. “

Aber alles in den eigenen vier Wänden? Da kommt der Lagerkoller...

Bärbel Schenk: · „Die sozialen Kontakte zu bewahren ist wichtig. Während Sie vielleicht zum Telefonhörer greifen, könnte Ihr Kind über Whatsapp einen Videoanruf mit seinen Freunden starten. Vielleicht würden sich die Großeltern besonders in diesen Zeiten auch mal wieder über einen handgeschriebenen Brief freuen? 

Tauschen Sie sich mit anderen Familien aus, denen es im Moment sehr ähnlich geht. Oftmals hilft das Gefühl bereits, dass man nicht allein mit all der Anstrengung und Frustration ist.“

So wird Langeweile vermieden?

Bärbel Schenk: · „Kinder und Jugendliche dürfen sich auch mal langweilen. Das fördert die Kreativität, da Langeweile das Gehirn anregt und daraus gute Ideen entstehen können.“

Und wenn dennoch miese Stimmung entsteht?

Bärbel Schenk: ·„Wichtig ist: Es gibt wieder eine Zeit nach Corona - in der die Schule, die Kita wieder aufhat, die Ausgangsbeschränkung aufgehoben ist, der normale familiäre Alltag wieder da ist. Das kann noch dauern, aber es kommt. Fokussieren Sie sich gemeinsam auf positive Zukunftsvisionen: ‚Was machen wir denn dann wieder alles?‘

 Es kommt der Sommer, wenn wir wieder baden gehen können und der nächste Urlaub kommt bestimmt. Fotos und Erinnerungen aus dem letzten Urlaub könnten ebenfalls hilfreich sein, um eine schöne Stimmung zu gestalten. Träumen Sie gemeinsam!“

Wo können Familien fachkundigen Rat erhalten? 

Bärbel Schenk · „Wenn Ihnen doch alles über den Kopf wächst, Sie all die Gedanken einmal loswerden wollen oder Sie gerne konkrete Ideen entwickeln wollen, wie Sie die kommende Zeit gut überstehen können, dann wenden Sie sich gerne an uns. 

Die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Caritas ist weiterhin für Sie da. Wir beraten Sie kostenfrei telefonisch unter 08161/5387930 - oder Sie können eine auf Wunsch auch anonyme Online-Beratung unter https://www.caritas.de/onlineberatung in Anspruch nehmen.“

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