Kein Kuschelpfarrer

Klaus Bösl: Pfarrer mit Verve.

„I

ch kenne nicht alle seine Schandtaten“, begann Moosburgs Bürgermeisterin Anita Meinelt ihre Laudatio zur Verleihung der Bürgermedaille der Stadt an den evangelischen Pfarrer Klaus Bösl. Der lächelte derweil verschmitzt, weiß sehr gut um seinen Ruf als wehrhafter Mann Gottes, der für seine Überzeugungen durchaus ungewöhnliche Wege gegangen ist in den vergangenen 28 Jahren. „Ihm war ein authentischs Wirken stets wichtig - Klaus ist kein Kuschelpfarrer“, wusste Anita Meinelt. Und das aus eigener Erfahrung, denn die beiden Töchter der Rathaus-Chefin hatten den Pfarrer als Lehrer genossen und berichteten von der ungewöhnlichen Bibelübersetzung, mit der Bösl den Jugendlichen den Glauben nahezubringen vermochte. „Der große Boss“, das ist die Bibel etwas anders, in humorvoller Form. Gerade die Jugendlichen in und um Moosburg lagen Bösl stets am Herzen, auch die Gründung des Jugendparlaments, dem nun mit Johannes Becher der erste Stadtrat entwachsen ist, geht auf sein Engagement zurück. Mit Dezember geht Klaus Bösl in den Ruhestand, ein Zustand, der dem Gottesmann bislang weitgehend unbekannt sein dürfte., denn Bösl ist ein Mann der originellen Wege. So gelang es ihm, sich als Ministrant des katholischen Pfarrers Markus Gottswinter in eine Papstaudienz zu schleichen, zu der er als Protestant andernfalls nur sehr schwer Zugang bekommen hätte. Er versah die Kirche zum Advent mit einem überdimensionalen aufblasbaren Weihnachtsmann. Oder aber Bösl lud sein gelbes Cabrio mit Verkehrsschildern voll, weil er die für eine besonders plastische Predigt benötigte. Auch das ist nämlich ein Charakterzug des scheidenden Moosburger Pfarrers: „Seine Predigten waren kraftvoll, mitreißend und tiefgründig. Mit manchmal drastischen Beispielen oder verblüffenden Effekten wollte er provozieren, die Leute zum Nachdenken bewegen oder auf Probleme hinweisen“, erinnerte sich Anita Meinelt. „Ich mache vieles jetzt zum letzten Mal“, sagte Bösl nicht ohne Wehmut, animierte aber besonders die Jugendlichen, sich weiter einzubringen: „Es wird viel über die Jugendlichen geredet, dabei sollen sie doch selbst zu Wort kommen.“ Und einen Gag hatte der scheidende Bösl auch noch auf Lager, wurden doch am selben Tag die Fußballnationalspieler und Bundescoach Joachim Löw mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet: „Aber das haben so viele - da möchte ich lieber die Moosburger Bürgermedaille, das ist wesentlich seltener.“

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