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Der Fall scheint klar

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Auf einem Floß fuhren vor wenigen Tagen Prüfer in die überdachte Moosach, um Bohrproben zu entnehmen. Ihr Ergebnis: Die Korrosion der Stahlbetonkonstruktion ist weit voran geschritten, so dass zum Thema Sanierung des Bachlaufs eine Öffnung die Optimallösung darstellt.

Unabhängig davon, wie die Freisinger Bürgerinnen und Bürger beim Bürgerentscheid zur Moosachöffnung abstimmen, eine Sanierung der Moosachabdeckung im Bereich Obere Hauptstraße in den kommenden Jahren ist unumgänglich. Abhängig vom Bürgerentscheid ist jedoch, wie teuer diese Sanierung für die Stadt und die Anlieger sein wird.Bei einem Pressegespräch im Rathaus erklärte Stadtdirektor Gerhard Koch, dass es sich bei der geschlossenen Moosach rechtlich gesehen um ein Brückenbauwerk handele, das zwar nur wenige Meter lang, dafür aber 225 Meter breit sei und deshalb alle drei Jahre auf seine Tragfähigkeit überprüft werden müsse. „Bei einer kürzlich erfolgten Untersuchung ist festgestellt worden, dass für den Erhalt der Tragfähigkeit ein nicht unerheblicher Handlungsbedarf mit größeren Kosten besteht“, so Koch.  Wolfgang Brandl und Martin Schubert vom Ingenieurbüro Brandl + Eltschig berichteten, dass an 22 Stellen Bohrproben aus der Stahlbetondecke entnommen worden sind.

Die Decke der unterirdisch fließenden Moosach in Freisings Innenstadt wurde einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Die Untersuchung der Bohrproben hätte ergeben, dass die Korrosion an der Stahlbetonkonstruktion gegenüber der letzten Untersuchung vor drei Jahren weiter vorangeschritten sei. Die Tragkraft sei zwar insgesamt noch gegeben, davon ausgenommen seien jedoch zwei Stellen jeweils am Beginn und am Ende der überbauten Moosach. „Der schwächste Teil einer Stahlbetonkonstruktion ist der Stahl als tragendes Element“, erklärt Wolfgang Brandl. Bei der Erneuerung der gesamten Moosachüberbauung im Jahre 1963 hätte man Stahlbetonfertigteile verwendet. Darüber sei dann eine Asphaltschicht aufgebracht worden, ohne diese jedoch nach unten abzudichten. Deshalb hätte durch Streusalz verursachtes Schmelzwasser in die Stahlbetondecke eindringen können, was zu den Korrosionsschäden am Baustahl geführt habe, was wiederum die Tragfähigkeit beeinflusse. 

Mit der Öffnung der Moosach wäre das Problem ein für allemal gelöst, so sein Fazit. Diese ist im Zuge der Innenstadtsanierung vom Stadtrat zwar bereits beschlossen und die Kosten dafür werden von Seiten der Stadtverwaltung auf rund 2,5 Millionen Euro geschätzt. Trotzdem werden die Freisinger Bürgerinnen und Bürger auf Initiative der CSU in einem Bürgerentscheid noch einmal darüber abstimmen. Sollte sich die Mehrheit bei diesem Entscheid gegen eine Öffnung der Moosach aussprechen, hat die Stadt drei Möglichkeiten: 1. Die Obere Hauptstraße wird im Zuge der Innenstadtsanierung neu gestaltet, ohne weitere Maßnahmen zum Erhalt der Moosachabdeckung zu treffen. Dies führt nach Einschätzung des Ingenieurbüros Brandl + Eltschig spätestens in fünfzehn Jahren dazu, dass die Tragfähigkeit der Abdeckung nicht mehr gegeben ist und dann eine Generalsanierung notwendig wird. Das würde bedeuten, dass die gesamte Abdeckung einschließlich der gerade erst durchgeführten Neugestaltung der Oberen Hauptstraße aufgerissen werden muss.

2. Die Moosachabdeckung wird nur teilsaniert und die Stahlbetondecke wird abgedichtet. Diese Maßnahme wird nach Schätzung des Ingenieurbüros Brandl + Eltschig einmalig etwa 500000 Euro kosten und zusätzliche Unterhaltskosten pro Jahr von rund 30000 bis 40000 Euro erforderlich machen. Allerdings müsse die Tragfähigkeit auf 30 Tonnen beschränkt werden, und spätestens in 20 bis 25 Jahren sei auch diese erschöpft und dann eine Generalsanierung notwendig. 3. Die Moosachabdeckung wird für Mehrkosten in Höhe von rund einer Million Euro generalsaniert und die Obere Hauptstraße im Zuge der Innenstadtsanierung neu gestaltet. Diese Variante wäre allerdings für die Anlieger die teuerste Lösung, darüber sind sich Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher und Stadtdirektor Gerhard Koch einig. Dieser erklärt, dass die Kosten für die Sanierung der Moosachabdeckung auf die Anwohner nicht umgelegt werden können, dafür aber die Kosten für die Abdeckung, da diese eine Verbesserung darstellen würden. „Je weniger Brücke, desto günstiger für den Anlieger“, so sein Fazit.

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