Ein offenes Ohr für die Jugendlichen

Kerstin Barth und „Hoover“ sind die ersten Ansprechpartner der Jugendlichen in Freising. Foto: Stockheim

(ks)

· Seit eineinhalb Jahren ist Kerstin Barth mit ihrer Hündin Hoover auf Freisings Straßen „auf Arbeit“. Das bedeutet Halbzeit für das Projekt Streetwork. Mit einem positiven Eindruck sowohl vom Umgang mit den Jugendlichen als auch in der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und den beteiligten Institutionen blickt die Sozialpädagogin auf die erste Zeit zurück. Ihre Tätigkeit umfasst die aufsuchende Arbeit, Szenearbeit mit Cliquen, Einzelfallhilfe und die Erfassung des sozialen Umfelds der Betroffenen. Das Angebot reicht von der Arbeitsplatzsuche über die Suchtmittelberatung bis hin zur Hilfe bei Rechtsfragen. „Ich stehe den Jugendlichen mit meiner Zeit, meinem Wissen und meinen Kontakten zur Verfügung. Das kann Unterstützung bei häuslichem Ärger sein, aber auch bei Unklarheiten, was den Nebenjob angeht, bei denen viele ausgenutzt und nicht bezahlt werden.“ Das A und O bei allem, was sie tut ist, der Vertrauensaufbau. Eine Beziehung zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen herzustellen, benötigt jedoch Zeit. „Die Jugendlichen sind viel mobiler geworden. Gab es noch vor zehn Jahren einen festen Treffpunkt, an dem sich eine Gruppe regelmäßig getroffen hat, ist es heute so, dass man sich mit dem Handy von unterwegs zusammenruft“, berichtet Kerstin Barth. Meist trifft sie ihre Schützlinge daher eher durch Zufall auf ihrer nächtlichen Runde durch Freising. Die Streetworkerin variiert dabei ihre Wege vorbei an den Jugendzentren, dem Bahnhof, dem Skaterplatz und dem Stadtzentrum. Das Stadtgebiet ist sehr groß, so dass sie nicht immer alle Orte zu Fuß aufsuchen kann. Fährt Kerstin Barth mit dem Fahrrad, hat sie die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen sie nur im Vorbeigehen grüßen, jedoch nicht anhalten. Daher lässt sie den Drahtesel meist in ihrem Büro in der Oberen Pfalzgrafstraße stehen. Für eine sinnvolle Ergänzung hält die Streetworkerin ein Dreirad Piaggio APE. „Für größere Entfernungen kann ich mir ein städtisches Auto leihen. Ein eigenes wäre für meine Arbeit unnütze, da ich meist über kleine Fußwege gehe. Eine Piaggio wäre praktisch und sehr auffallend. Ich würde sie ausschließlich für die Fahrtwege zwischen den Treffpunkten verwenden. Die Jugendlichen wüssten immer, dass ich gerade in der näheren Umgebung bin und Zeit für sie habe. Das spricht sich schnell herum.“ Neben dem Kontaktaufbau beteilig sich Kerstin Barth an verschiedenen Projekten. Der Arbeitskreis „Mädchen“ des Landkreises Freising plant derzeit einen Berufsbildungstag, der im Herbst stattfinden wird. Bei den Vorbereitungen ist vor allem die Mithilfe von Mädchen gefragt. In einem zweitägigen Training lernen die Mädchen, am Telefon zu reden, das Projekt vorzustellen und Aussteller zu werben. Nach den Trockenübungen soll dann die Praxis folgen. Gemeinsam mit dem Jugendzentrum sammelt sie Technik-Spenden, um ein Aufnahmestudio aufzubauen, in dem Freisinger Bands Demo-CDs aufnehmen können. Ein weiteres Projekt, für das sich die Streetworkerin ans Telefon hängt, ist ein eigener Verhütungskoffer mit Demo-Produkten. Diese erbittet sie als Spende von verschiedenen Pharmafirmen. „Meine Gespräche mit den Jugendlichen haben gezeigt, dass die Berührungsängste mit dem Thema draußen kleiner sind und gerade Jungs Fragen zur Verhütung haben.“ Für die nächsten eineinhalb Jahre wünscht sich die 35-jährige Sozialarbeiterin, dass die Kontakte zu den Kids auf der Straße weiter zunehmen und ihr Angebot noch stärker angenommen wird, so dass die Ergebnisse den Stadtrat von der Bedeutung des Projektes überzeugen und „Streetwork Freising“ im Juni 2012 verlängern. Über erste Resultate informierte Kerstin Barth den Kulturausschuss in einem Zwischenbericht.

Quelle: freising-online

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