Pallottihaus Freising

Ein Blick nach innen

Haben über mangelnde Akzeptanz ihrer Kurse nicht zu klagen: Pater Rolf Fuchs ist verantwortlich für die Gemeinschaft der Pater im Pallottihaus, Geschäftsführerin Barbara Engl-Schweiger stellt das Seminarprogramm zusammen.

Virginische Baumwachteln stammen aus Nordamerika und Westindien, Hühnervögel, die in Gemeinschaften von etwa zwei Dutzend leben und sich eine besondere Eigenschaft zur Gefahrenabwehr angeeignet haben: Sie legen sich nachts kreisförmig zur Ruhe, die Köpfe nach außen, um stets auf der Hut zu sein. Im Wachtelkreuz verfahren diese Tiere aber exakt andersherum: Sie blicken nach innen, zum gekreuzigten Christus, der mit ausgebreiteten Armen Friede und Sicherheit verspricht.

Dieses Kreuz gibt es auch in Freising rund 60 Mal - es ist ein Symbol des Pallottihauses in der Pallottinerstraße. Dort ist es in jedem Zimmer zu finden, überdimensional noch einmal in der hauseigenen Kapelle. Dieses aus dem Jahr 1930 stammende Gebäude ist eine Zuflucht für Menschen in Krisensituationen oder Sinnfragen. Und die Nöte sind weit verbreitet, wie Pater Rolf Fuchs jeden Tag aufs Neue erfährt. Er ist verantwortlich für die Hausgemeinschaft, betreut die Gottesdienstgemeinde im Pallottihaus - einer von rund zehn hier lebenden Brüdern. Fuchs weiß, dass die Angebote, die das Bildungszentrum unter Leitung von Geschäftsführerin Barbara Engl-Schweiger stellt, entsprechend nachgefragt werden.

„Hier wird der Mensch als Ganzes wahrgenommen. Wir wollen Antworten auf die Fragen geben, die die Leute beschäftigen“, sagt Pater Rolf Fuchs, der die Gottesdienstgemeinde im Freisinger Pallottihaus leitet. Und deshalb sei hier aus der Seel- auch die Menschensorge geworden. Das Haus in der Pallottistraße bietet Kurse und Seminare, die weit über Einkehrtage im Kloster hinaus gehen, dennoch aber zur persönlichen Besinnung auf das Wesentliche beitragen. Oft aber biete die Kirche Antworten, ohne die Fragen der Menschen überhaupt zu wissen. Mit dem Programm, das Geschäftsführerin Barbara Engl-Schweiger führend zusammen stellt, werden aktuell brennende Themen behandelt, etwa das „Burn-Out“, das es vor zehn Jahren gewiss auch schon gab, aber noch keine spezifische Begrifflichkeit hatte. „Früher nahmen die Menschen mal eine Auszeit oder ein Sabbatjahr“, erinnert sich Barbara Engl-Schweiger, heute werden die Themen konkreter, aber nicht zwingend einfacher: „Die Halbwertszeit von Themen ist heute sehr kurz“, hat Pater Fuchs festgestellt, dennoch sind die Seminare im Pallottihaus gut nachgefragt. Kalkulierbar ist eine Teilnehmerzahl indes nie. Ebenso wenig wie eine Teilnahme der Hausbewohner am Morgen- oder Mittagsgebet oder den Gottesdiensten. Fuchs gehört der Gemeinschaft der Pallottiner an, denn ein Orden seien sie nicht, wie er sagt: „Wir sind eine Gemeinschaft von Priestern, die hier lebt und gemeinsam arbeitet. Im Sinn von Vinzenz Pallotti bieten wir hier unsere Gastfreundschaft an.“ Der einfache Weltpriester aus Rom wurde im Jahr 1963 heilig gesprochen - da stand sein Pallottihaus in Freising schon gut 30 Jahre. Es wurde zur Ausbildung und Förderung junger Menschen für den Priester- und Missionsberuf von 1928 bis 1930 gebaut und als Schülerheimund Erzbischöflichs Studienseminar genützt. Seit der Schließung des zugehörigen Internats im Jahr 1988 - weil die längst entwickelte Mobilität einen dauerhaften Verbleib der Schüler nicht mehr erforderlich machte - dient es als Stätte für spirituelle Bildung. Und darüber hinaus, denn etwa drei Viertel der Nutzung geschieht über Verbände, Unternehmen oder Pfarreien, die Seminar- und Übernachtungsräume anmieten und ihre Referenten selbst mitbringen. Auch als nicht-zweckgebundene Übernachtungsmöglichkeit kann das Haus genützt werden. Das ist auch nötig, denn „kein Bildungshaus kann sich selber tragen“, wie Barbara Engl-Schweiger erklärt. „Wir haben das Haus zwar gut belegt, sind aber froh, dass wir auch die Wärmestube, das Caritas-Projekt Etappe oder die Montessori-Schule hier haben.“ Die Seel- oder „Menschen“sorge geht zurück auf Pater Dr. Jörg Müller, der die dreiwöchige Rückbesinnung „Heilende Gemeinschaft“ dereinst installiert hatte. Doch wer kann heute noh eine so lange Auszeit nehmen? Das Bedürfnis ist in unserer Zeit durchaus noch vorhanden. Menschen haben die Not, sich jemandem anzuvertrauen, wenns zwickt“, weiß Fuchs - allein: Die nötige Muße fehlt all zu oft. Auch die Religiosität als Basis scheint oft nicht mehr zeitgemäß, der Umbruch in der Gesellschaft favorisiere da eher Begrifflichkeiten wie Esoterik, die inhaltlich aber zumindest sehr ähnlich seien. So wird das Bildungsangebot im Pallottihaus gut angenommen, nur die Altersstruktur der zehn Padres macht Rolf Fuchs Sorgen. Das Durchschnittsalter beträgt 66 Jahre, „Nachwuchs wäre sehr willkommen, wir haben weder junge Pfarrer noch Ordensleute mehr.“

Quelle: freising-online

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