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Manfred Maurer macht mobil

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Manfred Maurer hat es geschafft: Doch er will, dass sein Weg auch anderen offen steht.

Heute geht es Manfred Maurer gut! Im Anton Henneka-Haus in Gelbersdorf bei Gammelsdorf hat er seine Heimat gefunden, lebt und arbeitet dort in der Obdachlosenunterkunft für erwachsene Männer mit insgesamt 62 Plätzen. Nach einem harten Kampf mit dem Alkohol ist Maurer heute „trocken“ und wieder sozialisiert. Tagsüber arbeitet er in der Schlosserei  der Einrichtung, er interessiert sich für Musik, Bücher, Internet und Sport. Sein Leben hätte ein anderes Ende genommen, wäre er nicht im Anton Henneka Haus gelandet:  „Das hier war meine letzte Chance, ich wurde aufgefangen“, ist sich der 60-Jährige sicher.  Diesen langen und steinigen Weg, den er gegangen ist, haben viele Obdachlose noch vor sich. Mit der Herberge in Freising, die wie das Anton Henneka Haus unter der Trägerschaft des katholischen Männerfürsorgevereins München steht,  gab es bisher auch für Obdachlose in Freising die nötige Unterstützung.  Exakt 56 Männer haben im Jahr 2013 das Angebot der Herberge in Anspruch genommen  - alle Hilfesuchenden waren in einer sozialen Notlage.  Doch wenn im kommenden Winter zitternde und halb erfrorene Männer die Einrichtung aufsuchen, werden die Türen verschlossen sein. Bereits Ende August soll die Herberge Geschichte sein. Maurer macht dagegen mobil, startet eine Petition.

Sein Einzelzimmer liegt im „trockenen“ Haus, wie Manfred Maurer es nennt. Es ist etwa 20 Quadratmeter groß und pragmatisch eingerichtet: Bett, Schrank, Schreibtisch,  eine kleine Couch, ein Tisch und ein Regal mit CDs und Büchern, darunter auch die Bibel.  Küche und Badezimmer teilt er sich mit drei anderen „trockenen“ Bewohnern. „Das hier ist mein Zuhause“, sagt er und zündet sich eine Zigarette an. „Sein Zuhause“ ist seit zwölf Jahren das Anton Henneka Haus in Gelbersdorf, eine Obdachlosenunterkunft für erwachsene Männer mit insgesamt 62 Plätzen. 

Neben den existenziellen Grundlagen wie einem Schlafplatz und der Nutzung einer kleinen Küche erhalten die aktuell 60 Bewohner  vor allem auch Unterstützung und Beratung durch Sozialpädagogen. Der Großteil der Männer ist alkoholabhängig. Auch Maurer war mal ganz unten, am Rande der Gesellschaft – und führte ein Leben auf der Straße. Alles beginnt mit dem Scheitern seiner Ehe, er gerät in die falschen Kreise, fängt an zu trinken und landet wegen Alkoholdelikten schließlich im Gefängnis. Nach seiner Entlassung steigt er wieder  in seinen Job als Schlosser ein, doch er verfällt ein weiteres Mal dem Alkohol, wird abhängig und landet auf der Straße. Eine Therapie bricht er bereits nach einem Jahr wieder ab.  „Ich dachte, das geht schon irgendwie und dass ich es auch ohne fremde Hilfe schaffen werde“, erzählt er. Der Alkohol wird zu seinem ständigen Begleiter: „Unter drei Promille bin ich gar nicht erst aufgestanden“, erinnert er sich.  

Bei dem ehemaligen Obdachlosen Manfred Maurer löst das  drohende Ende der Freisinger Herberge Fassungslosigkeit aus. Für ihn ist das ein Grund, ein klares Zeichen zu setzen und für nachfolgende Leidensgenossen zu kämpfen: „Ich habe selbst Jahre lang auf der Straße gelebt und weiß wie das ist. Wo sollen denn dann all die Obdachlosen hin, die im Winter am Bahnhof oder unter der Brücke liegen? Da war für mich klar, dass ich etwas tun muss“.  Und er wurde aktiv. Auf  www.change-org.de hat der frühere Obdachlose eine Online-Petition für den Erhalt der Herberge Freising gestartet und war selbst im Landkreis unterwegs, um Unterschriften zu sammeln - aktuell sind es knapp 600. Diese möchte er nun im nächsten Schritt Freisings Landrat Josef Hauner vorlegen. Zu einem persönlichen Gespräch sei es bislang noch nicht gekommen, wie Maurer erzählt: „Bisher wurde ich immer vertröstet und bekam zu hören, dass der Landrat gerade keine Zeit hätte. Ich gebe jedenfalls nicht auf und bleibe hartnäckig.“ Auch Volker Zacharias, Leiter der Einrichtung der Herberge Freising und des Anton Henneka Hauses, sieht den Landkreis Freising in der Pflicht: „Die Herberge Freising ist ein notwendiges und erfolgreiches Angebot im Landkreis, das wir auch weiterhin in Freising aufrechterhalten wollen. Deshalb muss in Zusammenarbeit mit dem Landkreis eine Lösung gefunden werden“.  Wie es mit der Herberge Freising in Zukunft weitergeht, und ob unter allen Beteiligten eine  sozialverträgliche Lösung gefunden werden kann, wird sich durch weitere Gespräche in den kommenden Wochen noch zeigen. Das FORUM wird weiter darüber berichten. 

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