Bürger melden sich zu Wort

Protestaktion: "Wir wollen endlich einen Radweg in Sünzhausen!"

„Auch wir sind Freisinger!“ Rund 30 Sünzhausener aller Altersgruppen versammelten sich kürzlich, um ihrem Ärger über den fehlenden Radweg Luft zu machen.

Mit einer Protestaktion machen die Bürger vom Freisinger Ortsteil Sünzhausen auf den fehlenden Radweg nach Freising aufmerksam. So versammelten sich kürzlich rund 30 Bürger aller Altersgruppen mit ihren Fahrrrädern an der Einmündung der Straße aus Sünzhausen in die Staatsstraße 2339 Giggenhausen/Freising.

Das Thema stößt den Sünzhauser Bürger sauer auf, wie Andrea Hofmann erklärt: „Da ist immer von der Fahrradstadt Freising die Rede und das Thema ist seit Monaten auf der Tagesordnung. Sowohl im Stadtrat als auch in der Öffentlichkeit (Radentscheid) oder der täglichen Presse. Dass es bei uns noch immer keinen Fahrradweg gibt und auch nichts getan wird, ärgert uns richtig.“ Und deshalb machen sie ihrem Ärger jetzt auch Luft - „Sicher nach Freising“, „Endlich Radlweg“ oder „Auch wir sind Freisinger“ ist auf großen Plakaten zu lesen. Bereits vor 20 Jahren wurden dem Ortsteil Sünzhausen ein Radweg entlang der Staatsstraße 2339 versprochen und auch die Planung dafür wurde laut Bürger schon vor einigen Jahren innerhalb eines EU-LEADER-Projekts erstellt und liegt seither in den Schubladen der Baubehörde.

 „Seit 17 Jahren ist das Thema Radweg Tagesordnungspunkt bei der jährlichen Bürgerversammlung in Sünzhausen. Schon von OB Thalhammer, dann von OB Eschenbacher wurde jedes Jahr aufs Neue kein echter Fortschritt verkündet, sondern nur weiter in Aussicht gestellt. Wir wollen aber Fortschritte und kein Vertrösten mehr“, so die Forderung der Sünzhausener.

Familien, Jugendliche, ältere Bürger, Berufstätige, Studenten und Freizeitradler: Von zwei bis 72 Jahren waren bei der Protestaktion alle Altersgruppen vertreten.

Vor zwei Wochen haben sich auf Initiative von Andrea Hofmann und Luise Eidel in kürzester Zeit etwa 30 Bewohner mit ihren Fahrrädern und Plakaten an die Einmündung in die Staatsstraße begeben, an der der Radweg Richtung Vötting rechtsseitig verlaufen soll. Die Enttäuschung darüber, dass es im Ortsteil Sünzhausen noch immer keinen Radweg gibt, ist bei den Betroffenen groß: „Die im Mobilitätskonzept der Stadt Freising ist Sünzhausen im Erschließungsnetz, der Anbindung der ländlichen Ortsteile, gerankt. Unter Anlage 2 ist aber die Maßnahme des Radwegebaus mit der Priorität 3 vermerkt! Das nehmen wir nicht hin! Diese letzte Rangfolge bei den vielen anderen Maßnahmen würde praktisch bedeuten, dass das Projekt wieder über viele Jahre nicht angefasst wird. Deshalb fordern wir eine hohe Priorität für den Radwegebau!“

Als einziger Ortsteil ohne Radweg

Sünzhausen mit Haxthausen, Lageltshausen, Pellhausen, Pallhausen ist mit rund 800 Einwohnern ein relevanter Wohnort für Freising, mit rund 50 Studenten, vielen jungen Familien, einer aktiven Jugend. Trotzdem ist Sünzhausen als einziger Ortsteil von Freising nicht mit einem Radweg versorgt.

„Im Juni 2019 war die erste und einzige Veranstaltung beim Radwegprojekt, bei der die betroffenen Grundstückseigentümer eingeladen waren und die Planung einsehen konnten. Seitdem ist nichts passiert. Obwohl im Herbst 2019 bei der Bürgerversammlung erneut von Oberbürgermeister Eschenbacher versprochen wurde, dass man nun in die Verhandlungen mit den Eigentümern gehen würde, haben diese bisher weder Angaben über die benötigten Flächen oder Preisangebote oder zumindest eine Abfrage erhalten, wie sie zum Verkauf stehen. Es ist anzunehmen, dass nicht jeder Wiesenbesitzer dem Verkauf positiv gegenüber steht, aber das kann kein Grund sein, seitens der Stadt untätig zu bleiben und das auf dem Rücken der Sünzhauser Bürger auszusitzen“, finden die Protestbürger aus Sünzhausen.

Das sagen die Bürger

Fridolin Hofmann (9): „Ich will den Radweg, damit ich, wenn ich bald in Freising in die Schule gehe, auch mit dem Rad fahren kann.“

Sein Bruder Nepomuk (11) sagt: „ Ohne Radweg ist es viel zu gefährlich auf dieser Straße und wir dürfen nicht alleine fahren. Aber wir wollen doch auch mal zur Schule oder in den Ferien nach Freising fahren, und nicht nur, wenn unsere Eltern dabei sind.“

Kilian Fetsch (19) und Josef Rattenhuber (22) vertreten die Landjugend von Sünzhausen. „Sünzhausen hat eine optimale Distanz zu Freising, um mit dem Rad zu fahren und es wäre eine echte Alternative zum Auto. Wir sind ja selber Autofahrer und sehen, dass es auf dieser Straße für Landmaschinen, Autos und Fahrräder oft zu eng ist. Ohne räumliche Trennung von Straße und Radweg ist das hier zu gefährlich.“ Aus dem Kreis der vielen jungen Familien, die sich der Aktion angeschlossen haben, kommen folgende Äußerungen: „Wir haben Angst um unsere Kinder und lassen sie deshalb nicht alleine fahren.“ „Wir würden oft und gerne auf das Auto und die „Eltern-Taxi-Fahrten“ verzichten, aber ohne Radweg geht es nicht.“ „Schon in unserer Jugend hat man von einem Radweg nach Freising gesprochen, wenigstens unsere Kinder sollen ihn bald nutzen können.“

Luise Eidel (57) kritisiert: „Ein Mobilitätskonzept einer Stadt muss auch die Mobilität seiner Bürger in den Ortsteilen berücksichtigen, denn hier werden die Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt. Mit der Eingemeindung von Sünzhausen 1972 ist die Stadt Freising schließlich auch eine Verpflichtung eingegangen. Wir spüren aber nicht, dass unsere Anbindung an die Stadt, unsere Interessen wirklich gesehen werden.“ Veronika Kimmelmann meint: „Unsere Jugend engagiert sich für FridaysForFuture und möchte ökologisch bewusst leben. Aber hier können sie nicht selbstbestimmt mit dem Rad fahren“ und die sechsjährige Rubina sagt: „Ich will auch mal meine Cousine in Giggenhausen besuchen und mit dem Rad zu ihr fahren“.

Quelle: freising-online

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