Rudolf Goerge ist nicht mehr Kreisheimatspfleger

Er kennt jede Kapelle im Landkreis

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Auf Wiedersehen! Rudolf Goerge (links) zusammen mit Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler und Landrat Josef Hauner. 

Einen Mohren aus Porzellan hat Rudolf Goerge vor wenigen Tagen aus den Händen von Landrat Josef Hauner entgegen genommen - sein Abschiedsgeschenk vom Landkreis Freising. Goerge war 45 Jahre lang Kreisheimatpfleger und wurde nun in den Ruhestand geleitet.

45 Jahre war Rudolf Goerge Kreisheimatpfleger des Landkreises Freising; vor kurzem wurde er im Rahmen eines Festaktes von Landrat Josef Hauner in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. 1974 hätte für diese Aufgabe der damalige Landrat Josef Schrittenloher mit Rudolf Goerge die Idealbesetzung gefunden, betonte Hauner bei seiner Ansprache und wies darauf hin, dass Heimatpflege in der Verfassung des Freistaates Bayern verankert sei. Er fuhr fort, dass Rudolf Goerge zunächst ehrenamtlich als Kreisheimatpfleger tätig gewesen sei und 1990 diese Tätigkeit dann bis 2007 hauptamtlich ausgeführt habe. „Nachdem er 2007 offiziell in den Ruhestand gegangen ist, hat er sich bis zum heutigen Tage wieder ehrenamtlich als Kreisheimatpfleger engagiert“, so Hauner weiter. 

Seine Produktivität mache sprachlos und eine Suche nach dem Autoren Rudolf Goerge im Verbundkatalog der Bayerischen Bibliotheken hätten fast 200 Treffer ergeben. Seit 1985 habe er 23 Hefte zu Beiträgen zur Geschichte, Kultur und Heimatpflege im Landkreis Freising erstellt sowie viele Artikel über Brauchtum, Ortsentwicklung, Volksfrömmigkeit aber auch biographische Werke wie beispielsweise einen Beitrag über den früheren Papst Benedikt XVI. und sein Leben in Freising geschrieben. Dazu kämen noch zahllose Ausstellungen und musikalische Aufführungen die er organisiert, aufgebaut und durchgeführt habe. Immer wieder sei er auch als Musiker und Sänger aufgetreten und habe gemeinsam mit seinen Brüdern den Kleinen Kreis Freising gegründet und damit einen wichtigen überregionalen Beitrag zur Wiederentdeckung der alten Musik geleistet. „Von Anfang an saß Rudolf Goerge in der Jury, die seit 1982 den Kulturpreis an verdiente Mitbürger und Gruppen vergibt, die sich künstlerisch oder kulturell besonders verdient gemacht haben“, lobte Hauner das Wirken von Goerge weiter und dankte ihm zum Schluss seiner Ansprache für ein enormes Wissen, das für die Nachwelt erhalten bleibt.

„Es ist eine Regel der Klugen, die Dinge zu verlassen, ehe sie uns verlassen“; mit diesem Zitat des spanischen Schriftstellers und Jesuiten Baltasar Bracián y Morales begann Rudolf Goerge seine Abschiedsrede. Eigentlich sei er kein gebürtiger Bayer, gestand er und ergänzte, dass er als Zweieinhalbjähriger zusammen mit seiner schwangeren Mutter und acht Geschwistern bei bitterer Kälte vor der anrückenden Roten Armee fliehen musste: „Gottes Fügung führte uns nach Freising, und diese Stadt wurde mir zur Heimat“. Als ihn damals Landrat Schrittenloher gefragt habe, ob er sich vorstellen könne, ehrenamtlich als Kreisheimatpfleger tätig zu sein, habe er sich eine kurze Bedenkzeit erbeten, sich mit seiner Familie zu beraten und schließlich zugesagt. „Wie man ausgerechnet auf mich kam, weiß ich bis heute noch nicht“, so sein Fazit. Bald hätte er im Landkreis jedes Dorf und jeden Weiler, jede Kirche und Kapelle, jeden Bürgermeister und jeden Pfarrer, jeden Mesner und jede Mesnerin gekannt und die Leute hätten auch ihn gekannt; es seien Begegnungen mit Menschen gewesen, die das Leben lebenswert gemacht hätten. 

Dann berichtete er weiter über die vielen Vorträge, Führungen, Tage des Offenen Denkmals, Ausstellungen, Volksmusik- und Volkstanzveranstaltungen, klassische Konzerte, die Arbeiten mit Kindern, Kulturpreise und Heimatforschungen, die er durchgeführt habe. Zu jedem Thema erzählte er zur Erheiterung der vielen Gäste besondere Anekdoten. Zum Schluss bedankte er sich für die tatkräftige Hilfe bei allen, die ihn in den vergangenen 45 Jahren unterstützt haben und übergab an Landrat Hauner noch Geschenke: Alte Fotos aus den 50er und 60er Jahren über den Landkreis und seine Diasammlung mit über 3000 Dias. Auch Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler war voll des Lobes für Rudolf Goerge. Der Name Goerge sei in allen Landkreisen des Bezirks Oberbayern bekannt und bei vielen Organisationen und Einrichtungen eine Institution. Er bemängelte, dass es im ganzen Bezirk Oberbayern nur fünf hauptamtliche Kreisheimatpfleger gäbe. „Wenn es Heimatpflege nicht gäbe, müsste man sie erfinden“, betonte er und begründete dieses damit, dass die Heimatpflege vor großen Herausforderungen stünde, weil gerade der Begriff „Heimat“ kritisch betrachtet würde. „Wir dürfen diesen Begriff nicht aufgeben, müssen aber darauf achten, dass er nicht missbraucht wird“, fordert er und ergänzte, dass nicht überall Heimat drin ist, wo Heimat draufsteht. Eine der Zukunftsaufgaben der Heimatpflege sieht er vor allem darin, überkommenen Werte neue hinzuzufügen.

Quelle: freising-online

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