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Kreisverkehr oder Kreuzung?

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Entspannung tut Not: Das Nadelöhr am südlichen Freisinger Ortseingang soll entzerrt werden.

Mit der Erweiterung des Einkaufszentrums auf dem Schlütergelände und der Eröffnung des dort geplanten Kinos wird der Verkehr auf der B11 sowohl stadtein- als auch stadtauswärts stark zunehmen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Verkehrsplanungsbüros Prof. Dr. Kurzack, die am letzten Donnerstag den Mitgliedern des Planungsausschusses vorgestellt wurde.

Grundlage dafür ist eine Verkehrszählung, die am 8. November 2012 durchgeführt wurde. Demnach betrug das Verkehrsaufkommen an diesem Tag an der Bahnüberführung rund 26400 Fahrzeuge und an der Abzweigung B11/FS 44 rund 21500 Fahrzeuge. Im Bereich des Schlütergeländes wurden rund 7000 Fahrzeuge gezählt, worauf rund 3600 Fahrzeuge auf das Fachmarktzentrum, 2800 Fahrzeuge auf die Tankstelle und rund 600 Fahrzeuge auf den Elektrogroßhandel Hartl entfielen. Mit der Erweiterung des Fachmarktzentrums und Eröffnung des Kinos wird eine Zunahme um rund 5700 Fahrzeuge erwartet, und noch einmal 1600 Fahrzeuge zusätzlich, wenn das geplante Baugebiet „Sailerbrücklwiesen“ fertiggestellt ist. Während das Verkehrsaufkommen morgens noch befriedigend bewältigt werden kann, ist es in den Abendstunden problematisch und kann gerade noch ausreichend bewältigt werden. Sollte jedoch die Verkehrsanbindung des Schlütergeländes, so wie von einigen Mitgliedern des Planungsausschuss in der letzten Sitzung gefordert, statt einer ampelgeregelt Kreuzung über einen Kreisverkehr angebunden werden, wäre die B11 in diesem Bereich innerhalb kürzester Zeit überlastet. Rückstaus bis über die Bahnhofskreuzung auf der einen Seite und die Kreuzung B11/FS44 auf der anderen Seite wären die Folge.

Dies demonstrierte Christian Grunwald von der PVT Essen GmbH anhand einer Simulation, in der beide Situationen durchgespielt wurden. Die Ausschussmitglieder konnten sich eindrucksvoll davon überzeugen, dass die vorher gemachten Aussagen nicht nur „heiße Luft“ waren. Grunwald erläuterte zusätzlich, dass die Verlustzeiten bei einer Kreisverkehrsregelung etwa dreimal so hoch seien, wie bei einer Ampellösung. Dies würden die Autofahrer subjektiv so aber gar nicht zur Kenntnis nehmen, weil sie sich – wenn auch nur in Schrittgeschwindigkeit – ständig mit ihrem Auto bewegen würden. Die Ampeln würden, da sie untereinander vernetzt sind, das Verkehrsaufkommen besser dosieren und jeweils blockweise an die nächste Ampel weitergeben. Allerdings seien hier noch Nachbesserungen in der Ampelsteuerung beim Bahnhof, an der Gartenstraße und an der Karlwirt-Kreuzung notwendig. Darüber hinaus müsse die Steuerung der Ampeln in Zukunft noch detaillierter auf den Spitzenverkehr eingestellt werden. Aber auch das falsche Verhalten der Verkehrsteilnehmer würde die intelligente Ampelsteuerung immer wieder negativ beeinflussen. Birgit Großkopf (SPD) ergänzte es so: „Der Eine telefoniert, der Andere zündet sich eine Zigarette an und dem Dritten ist gerade die Leberkässemmel heruntergefallen“.

Dass es nicht so einfach sei, die mit Ampelsteuerung geplante Anbindung des Schlütergeländes in einen Kreisverkehr umzuwandeln, betonte noch einmal Stadtdirektor Gerhard Koch. Er wies darauf hin, dass sich die B11 noch in der Straßenbaulast des Bundes befände und deshalb das Straßenbauamt einem Kreisverkehr nicht zustimmen würde.

Trotz allen Argumenten sprachen sich Josef Krimmer (CSU), der nicht mehr glauben will, was die Ingenieure sagen, und Karl-Heinz Freitag für eine Regelung mittels Kreisverkehr aus. Freitag forderte sogar, dass alle drei Knotenpunkte bei den Schlüterhallen einen Kreisverkehr erhalten sollten. Er begründete dieses mit der Feststellung, dass „die Zahlen und Erkenntnisse sich nicht mit dem decken, was die Autofahrer empfinden“. Auch die Aussage des Vertreters vom Verkehrsplanungsbüro Kurzack, dass die Westtangente vermutlich eine Entlastung von 9000 Fahrzeugen pro Tag bringen wird, kam nicht an. Benno Zierer (Freie Wähler) äußerte, dass die Entlastung vermutlich nicht so groß sein werde, da jede neue Straße auch zusätzlichen Verkehr mit sich bringen würde. Manfred Drobny (Grüne) ergänzte die Aussage von Zierer dahingehen, dass dieser Fall zeigen würde, dass das Konzept mit immer neuen Straßen nicht aufgeht und schlichtweg gescheitert sei.

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