Den Schritt ins Handwerk nicht bereut

Im idyllischen Bergmühle holt sich Marina Gruber bei ihrer Familie, fünf Hunden und diversen Katzen den Ausgleich für ihr Berufsleben. Links Seniorin „Traudl“.

Eige

ntlich war der Qualifizierende Hauptschulabschluss gar nicht mehr so wichtig, denn schon vor Abschluss ihrer Schulzeit hatte die heute 19-jährige Marina Gruber aus Bergmühle bei Tegernbach ihren Ausbildungsplatz in einer Elektrofirma in der Tasche. Doch der hatte sich urplötzlich zerschlagen, so dass sie vor einer ungewissen Zukunft stand. Die kommenden drei Jahre und der Beruf der Bürokauffrau waren plötzlich in Frage gestellt - „dabei wollte ich unbedingt ins Büro.“ Aber warum, das weiß Marina Gruber heute selbst nicht mehr. Am Samstag, 11. September, erhält Marina Gruber ihren Gesellenbrief, sie ist nun ausgebildete Metzgereifachverkäuferin. Sie musste nach dieser unerfreulichen Entwicklung ein Jahr in der Berufsschule für Jugendliche ohne Ausbildungsstelle (JoA) und auf Jobsuche verbringen. Und auch ihre Eltern begannen zu drängeln - „ich wusste, ich muss mir bald was suchen“. Mit Erfolg! „In einer Metzgerei zu arbeiten konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, das war sicher nicht mein Traumjob“, erinnert sie sich. Mit einem Kopfschütteln, denn die aufgeweckte junge Frau bereut ihren Schritt in die Lebensmittelbranche nicht. Im Gegenteil – zwar wurde sie zunächst von einer Freundin auf die Idee gebracht und ließ sich zu einem Praktikum erst überreden, doch ab hier nimmt die Entwicklung richtig Fahrt auf. Nach nur einer Woche Praktikum in der Metzgerei Oberloher in Mauern bekam sie einen Ausbildungsplatz angeboten. Und da hat sie zugegriffen, auch weil das Betriebsklima prima war. „Ich wurde freundlich aufgenommen, und die Chefs haben mir sehr geholfen.“ Wenngleich der Ton zwischen den gestandenen Metzgern hinten in der Kühlung bisweilen burschikos ist – da konnte Marina Gruber schon auch mithalten. Mittlerweile wurde sie in ein Angestelltenverhältnis übernommen und ist glücklich darüber: „Auch wenn's mal später wird, tagaus tagein im Büro vorm Computer zu sitzen, das wäre wirklich nichts für mich. Hier taugt's mir.“ Ihre Aufgaben als Fachverkäuferin reichen weit über das hinaus, was sie sich noch vor drei Jahren darunter vorgestellt hatte: Der Kontakt mit Kunden (schon im Praktikum wurde sie gefragt, ob sie aber schon da bleibe), die Kreativität, wenn es mal gilt, eine kalte Platte vorzubereiten oder für den betriebseigenen Partyservice Geschenkkörbe basteln – und dafür auch Lob von der Chefin und auch der Kunden erhalten. Wenn im September die Azubis wieder ihre Lehren beginnen, werden im Landkreis Freising heuer zahlreiche Stellen offen bleiben – gerade im Handwerk. Das nur mäßig attraktive Bild dieses Berufszweigs sei indes völlig falsch, wie Kreishandwerksmeister Martin Reiter unzufrieden klarstellt: „Natürlich wirst Du auf dem Bau mal dreckig – oder es ist kalt oder heiß, vergleichbare Nachteile gibt es in anderen Berufen auch“. Dagegen werde in anderen Ausbildungsberufen in der Lehre oft nicht so gut bezahlt. Auch Elfriede Moser, Marinas Berufsschul-Leiterin versteht die Zurückhaltung nicht, erinnert sich auch an das fachspezifische Geschick, mit dem ihre einstige Schülerin vor deren Ausbildungsbeginn bei einer Abschlussfeier die 50 Gäste mit einer hübsch dekorierten Platte bewirtet hat: „Das ist toll gelungen und hat ihr auch Spaß gemacht. Marina ist in diesem Beruf bestens aufgehoben.“ Na klar – es gab auch gewöhnungsbedürftige Facetten im Handwerk als Fleischereifachverkäuferin, so hatte sie zeitweise Probleme mit den Händen, oder wenn sie in die Kühlung geht, „dann hängt da halt vielleicht eine halbe Sau“. Auch gab es angenehmere Situationen als in der überbetrieblichen Ausbildung in München bei einem Besuch im Schlachthof: „Das war schon hart, da hab ich am Abend nichts mehr gegessen“. Auch wenn bei Oberloher noch selbst geschlachtet wird, das kriegt Marina Gruber nicht mit, entkräftet sie auch dieses gängige Vorurteil. „Wirklich – mittlerweile verstehe ich nicht mehr, warum viele sich das so unangenehm vorstellen. Der Metzgereihandel macht Spaß,“ sagt sie und belegt plastisch den sprichwörtlich goldenen Boden des Handwerks.

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