Die Stadt packt es an

So sollte es sein - auch in Freising. Udo Naujocks präsentiert den frei zugänglichen Defibrillator in der Kirchdorfer Freisinger Bank-Filiale. Haus- und Schlüsselherrin Melanie Fackler hat das Gerät mal rausgenommen.

Udo

Naujocks aus Kirchdorf hat im Jahr 2005 in Freising die erste „Defi-Selbsthilfegruppe“ in Süddeutschland gegründet - ein Beispiel, dem mittlerweile viele weitere gefolgt sind. Naujocks ist selbst herzkranker Patient, und ihn beschäftigt seit fast einem halben Jahr die Frage: „Warum gibt es in Freising keinen einzigen öffentlichen Laiendefibrillator? Der Markt Nandlstadt hat derer sogar drei, in Attenkirchen ist einer öffentlich zugänglich, das THW bekommt einen gespendet, aber die Kreisstadt verfügt über keinen? Es kann jeden treffen - was aber passiert, wenn ein Passant auf dem Freisinger Marienplatz zusammenbricht?“ Zu diesem brisanten Thema hatte Naujocks mit der „Defi-Selbsthilfegruppe“ Vertreter der Stadt zu einem Gespräch geladen, Freisings Hauptamtsleiter Rupert Widmann sagte aber ab. Dabei sollte er sich die Bedenken der Selbsthilfegruppe anhören und Vorschläge über eine Installation, Finanzierung und Wartung machen. Dass dies nicht zu Stande kam, bedauert Naujocks natürlich. Die Nachfrage bei Widmann erbringt aber erfreuliche Neuigkeiten. „Ich hatte leider kurzfristig eine dringlichen Termin“, sagt Freisings Hauptamtsleiter Rupert Widmann auf FORUM-Nachfrage, warum er als Vertereter der Stadt dem Treffen am vergangenen Montag, dem neben der „Defi-Selbsthilfegruppe Freising“ auch die praktizierenden Freisinger Kardiologen und der Geschäftsführer des Roten Kreuzes Freising, Albert Söhl, fern blieb. Auf jeden Fall glaubwürdig, denn die Kunde, die Widmann mitgebracht hätte, ist positiv und bereits weit gediehen: „Wir haben das Thema mit dem Kreisärzteverband diskutiert und uns verantwortungsbewusst informiert. Es gibt verschiedene Beschaffungsmöglichkeiten, denn dass Defibrillatoren angeschafft werden sollen, steht außer Frage.“ Im Plural - also gleich mehrere. Zwei „Defis“ sind in Planung, und zwar hochwertige, denn hier gibt es qualitative Unterschiede, wie Udo Naujocks, Gründer der Freisinger „Defi Selbsthilfegruppe“, weiß: „Zwischen 800 und 4000 Euro kostet so ein Gerät. Spender müssten da doch zu finden sein, denn das Thema ist wirklich dringend, und es geht auch nicht um blinden Aktionismus à la ‘nur weil andere so was haben, will ich das auch’“. Naujocks liefert Fakten: 2009 waren es allein in den Münchner U-Bahnhöfen, wo 50 „Defis“ installiert sind, zehn Menschen, die auf diese Weise einen Lebensretter fanden. Erst im vergangenen Dezember wurde einer älteren Dame am Flughafen, durch Einsatz eines externen Laiendefibrillator das Leben gerettet. „Es kann jeden von uns treffen und das zu jeder Zeit, aber was, wenn es mir in Freising am Marienplatz passiert? Albert Söhl kann von Fällen berichten, in denen Menschen hätten überleben können. Denn es ist wichtig zu wissen: Nach fünf Minuten herzstillstand sind irreparable Schäden unvermeidbar, nach zehn Minuten ist der Patient tot. Als geeignete Orte könnte ich mir den Marienplatz, den Bahnhof oder die Luitpoldanlage vorstellen, dennoch bleibt die Frage: Wer übernimmt Schulungen und Wartungen?“ Wobei: Söhl hat bereits versprochen, dass bei der Anschaffung des ersten „Defis“ das BRK eine kostenlose Schulung durchführen werde. Die Antwort: Der Hersteller, das hat Widmann bereits abgeklärt. Die Planungen sind weit gediehen: Zwei „Defis“ werden angeschafft und zunächst städtische Mitarbeiter geschult, denn „auch ich wüsste nicht, wie ich so ein Gerät anwende. Es gilt hier auch, eine Hemmschwelle zu überwinden, denn wenn das Gerät hängt und keiner es verwendet, hat auch niemand was davon. Und die Wartung wird auch von der Firma übernommen.“ Die Obergrenze von 4000 Euro pro Defibrillator will die Stadt investieren - wenn das Geld verfügbar ist, denn die Stadt übernimmt die Anschaffung, sobald die nötigen Finanzmittel frei sind. Und wann wird das sein? „Ich habe in diesem Zusammenhang noch keinen Überblick, kann keinen Zeitraum definieren“, so Widmann. Als mögliche Installationsorte gibt er das Bürgerbüro, den Lindenkeller, die Luitpoldhalle oder den Asamsaal an. Die Möglichkeit, dass mit völlig frei zugänglichen Geräten dann „Jux und Tollerei getrieben“ werde, deutet aktuell darauf hin, dass die „Defis“ nicht plakativ in der Öffentlichkeit prangen, sondern mit genauen Hinweisen in städtischen Gebäuden zu finden sein werden. „Ich will hier keinen Missbrauch haben, es geht schließlich um Leben und Tod. Und das im Wortsinn“, so Widmann abschließend.

Quelle: freising-online

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