Das Turbo-Abi geht in den Endspurt

Für

Oberstudiendirektor Peter Spanrad, Schulleiter am Camerloher-Gymnasium Freising, ist die Schulreform derzeit noch Stückwerk und die 400 Gymnasien in Bayern eigentlich Versuchsschulen. Mit den Schülern der Q 11 –Klassen (Q=Qualifizierungsphase) hat er schon viel Zeit in Umfragen und Verbesserungsvorschlägen investiert und arbeitet er daran, die Belastung für die Kinder vor allem nach dem Unterricht zu Hause möglichst gering zu halten. „Wir sind auf einem guten Weg und werden auch diese Hürde meistern, allerdings besteht noch erheblicher Nachbesserungsbedarf bei der Schulreform“. Das Abitur nach zwölf Jahren – auch achtjähriges Gymnasium, G 8 oder Gy8 - ist die in Deutschland in allen Ländern eingeführte Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von dreizehn auf zwölf Jahre. Als Hauptargument für die Einführung wird die in Deutschland vergleichsweise lange Dauer der Schulzeit angeführt. Die Schüler könnten nach dem neuen System, so die Befürworter, ein Jahr früher als bisher in Beruf oder Studium einsteigen. Aufgrund der Kulturhoheit der Länder existieren aber bei der zeitlichen und inhaltlichen Umsetzung des Konzepts von Land zu Land große Unterschiede. Da in der DDR das Abitur nach zwölf Jahren abgelegt worden ist, führten die Länder Sachsen und Thüringen das dreizehnjährige Abitur nie ein. In den anderen neuen Bundesländern ist die (Wieder-)Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren inzwischen größtenteils abgeschlossen. In den alten Bundesländern dauert die Einführung immer noch an und ist umstritten. Im Rahmen der Einführung des achtjährigen Gymnasiums (verkürzter Bildungsgang) in Bayern wird auch die gymnasiale Oberstufe neu geregelt. Dabei sollen – einem bundesweiten Trend folgend – die Spezialisierungs- und (Ab-) Wahlmöglichkeiten zugunsten einer gestärkten Allgemeinbildung der Schüler eingeschränkt werden, insbesondere in den Bereichen Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen. Die wichtigste Neuerung gegenüber der bisherigen Kollegstufe besteht in der Abschaffung der Differenzierung zwischen Grund- und Leistungskursen. Ergänzend wählen die Schüler zwei Seminare, durch die Teilaspekte der bisherigen Leistungskurse wie die Anfertigung einer Facharbeit, abgedeckt werden. Im Vorfeld der Umstellung wurde gefordert, dass die kürzere Schulzeit nicht zur Qualitätsminderung des Abiturs führen dürfe. Die Kultusministerkonferenz trug dieser Forderung Rechnung indem sie insgesamt 265 Wochenstunden für acht Schuljahre auf dem Weg zum Abitur festlegte. Die Folge war eine Erhöhung der Wochenstundenzahlen. Eltern-, Lehrer- und Schülerorganisationen aus den westlichen Ländern übten an dieser Regelung heftige Kritik. Für das neunstufige Gymnasium bedeuten die festgelegten 265 Wochenstunden für den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife eine Verteilung auf 30 Wochenstunden, die Schüler der achtstufigen Gymnasien müssen aber durchschnittlich 33 Stunden belegen. Den Schulen ist es freigestellt, wie sie die 265 Wochenstunden auf die Jahrgangsstufen verteilen. Um jüngeren Schülern eine zu große Stundenzahl zu ersparen, werden die Stunden oftmals so aufgeteilt, dass Schüler der älteren Jahrgänge mehr als 33 Wochenstunden Unterricht haben mit teilweisen Stundentafeln bis zu 36 Stunden. Vom „Verband Bildung und Erziehung“ Niedersachen wird vor allem die Umsetzung der Schulreform als „undurchdacht und konzeptionslos“ kritisiert. Während die Ausdehnung des Unterrichts auf den Samstag - wie von der Hamburger Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig vorgeschlagen - kontrovers diskutiert wird, bezeichnet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft diesen Vorschlag als „familienfeindlichen Unsinn“. Kritisiert wird auch, dass durch die Straffung der Lehrpläne wichtige Inhalte ausgedünnt werden. Das größte Problem, dass durch die Umstellung zwei verschiedene Jahrgänge gleichzeitig ihr Abitur ablegen, wurde nicht rechtzeitig erkannt und daher kaum Vorsorge getroffen. 2011 und 2012 wird es in den großen Ländern doppelte Abiturlehrgänge geben mit entsprechenden Auswirkungen auf die Universitäten und Ausbildungsplätze.

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