Weltwald

Oberberghausen lebt wieder!

Herbert Rudolf erklärt das Konzept, das sich Johannes Gehrlach und Sophie Neustifter erdacht haben. Die zehnköpfige Klasse (im Hintergrund) hat das Modell in der Folge entstehen lassen. Rechts Bildhauer und Lehrer Martin Karghuber.

Es ist exakt 133 Jahre her! 1883 war das Schicksalsjahr für den kleinen Weiler Oberberghausen etwa auf halbem Weg zwischen Freising und Kranzberg. Vier Bauernhöfe und ein Kirchlein bildeten schon den ganzen Ort, und alle Höfe waren heillos überschuldet. Nur ein Verkauf konnte die nackten Existenzen retten. Das Königlich-bayerische Forstärar erwarb den gesamten bäuerlichen Grundbesitz und riss die Bauernhöfe ab. Allein das Kirchlein St.Clemens konnte wegen der Interventionen der Bürger, aus denen sich der heutige Verein zur Erhaltung der Waldkirche entwickelt hat. Seit Mitte der Woche stehen alle Höfe in direkter Nachbarschaft von St.Clemens wieder - wenn auch in abstrakter Form. Die Skulpturtage 2016 erinnern an diese Geschichte: Eine Klasse der Städtischen Meisterschule für Holzbildhauerhandwerk München hat das Örtchen unter dem Titel „Denk mal!“ wieder errichtet. Vier Holzkonstrukte aus Douglasie stellen jetzt das neue Oberberghausen dar.

Die Bauern konnten ihre Höfe schlichtweg nicht mehr halten und mussten verkaufen! Ende des 19. Jahrhunderts war es der Bayerische Forst, der ganz Oberberghausen - im heutigen Kranzberger Forst, dem Weltwald - aufkaufte und dann den Ochsenhanshof, den Meserhof, den Maierhof und den Kelhamerhof abriss. Weidenproduktion und Baumschulen nahmen ihren Platz ein. So wurde Oberberghausen mit Ausnahme des Kirchleins St.Clemens zur Geisterstadt. Der wurde nun wieder Leben eingehaucht: Fünf mal zwei Schüler aus der Münchner Meisterschule für Holzbildhauerhandwerk hatten die Aufgabe, Modelle zu erstellen, die das Örtchen im Rahmen der Skulpturtage 2016 am Originalschauplatz kunstvoll wieder auferstehen lassen. Sophie Neustifter und Johannes Gehrlach bekamen den Zuschlag. Ihr Projekt stellt nun die vier Höfe und die Kapelle in etwa der historischen Anordnung dar. Während St.Clemens ein kleines Türmchen besitzt und ansonsten glatt gehobelt ist, besitzen alle weiteren Skulpturen Aussparungen, die überdies den Grundriss der Gehöfte darstellen. Den Entwurf machten sich alle zehn Schüler zueigen und ließen das „Denkmal für Oberberghausen“ zu einem Gemeinschaftswerk werden, das nun „für Jahrzehnte“ zu bewundern sein wird, wie Herbert Rudolf, Leiter des Arboretums im Weltwald, betonte. Da die fünfteilige Skulptur an einer sehr exponierten Stelle im Weltwald entstanden ist, werden auch viele Besucher das Ergebnis bestaunen können, wie Dr. Alfred Fuchs, Freisings Forstbetriebsleiter, weiß und lobt: „Diese Art Kunst passt zum Wald und ist optimal integriert“.

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