„Bruch in der Biographie – was dann?“

SV Zukunft: Handicap als Chance  

+
Birgit Mooser-Niefanger (l.) und Anne Klein, Vorsitzende des SV Zukunft, hatten Wolfgang Sacher als leuchtendes Beispiel zu Gast.

Seit seiner Gründung im Dezember 2007 durch Birgit Mooser-Niefanger gibt der Verein „SV Zukunft“ Handlungshilfen an Schüler und leisten damit einen wertvollen Beitrag zu deren Persönlichkeitsentwicklung.

Dabei will der Verein die Jugendlichen unterstützen, bewegen, motivieren und begeistern und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, die zeigen, dass es sich lohnt, für Träume zu kämpfen.

Zur Seite stehen dem Verein dabei viele Spitzensportler, die den Jugendlichen aus ihrem Leben und ihrer sportlichen Karriere berichten und ihnen aufzeigen, wie man mit Disziplin, Fleiß, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit sich selbst gesteckte Ziele erreichen kann. Unter dem Motto „Bruch in der Biographie – was dann?“ präsentierte Birgit Mooser-Niefanger mit Wolfgang Sacher aus Penzberg einen Radrennfahrer, der es trotz seiner Behinderung zum Weltmeister und Olympiasieger im Radrennsport gebracht hat. Noch während seiner Ausbildung zum Maschinenschlosser hat Wolfgang Sacher als 16-Jähriger bei einem tragischen Unfall seinen linken Arm und mehrere Zehen verloren. „Ich fiel in ein tiefes Loch und habe keinen Sinn mehr in meinem Leben gesehen“, berichtete er.

Als Folge dieser Perspektivlosigkeit verfiel er dem Alkohol und nahm fast 50 Kilogramm an Körpergewicht zu. Halt im Leben fand er erst wieder, als er seine spätere Frau kennenlernte.

Wolfgang Sacher bei SV Zukunft

Wolfgang Sacher aus Penzberg, Radrennfahrer, Weltmeister und Olympiasiege, war vor kurzem zu Gast beim SV Zukunft in Freising. Wieder ein schillerndes Beispiel, dass ein Handicap überwunden werden kann - denn noch während seiner Ausbildung zum Maschinenschlosser hat Wolfgang Sacher als 16-jähriger bei einem tragischen Unfall seinen linken Arm und mehrere Zehen verloren. Erst seiner Frau zuliebe legte er sich wieder einen gesünderen Lebenswandel zu und begann bei der Stadt Penzberg die Ausbildung zum Verwaltungsangestellten.

Als Vater sei er mit seinen Kindern immer wieder mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, auch wenn ihm dies mit nur einem Arm oft sehr schwer fiel. 1997 begann sein Weg in den Leistungssport, als er mit seinem Bruder bei der Pfaffenwinkel-Radrundfahrt teilnahm und die insgesamt 170 Kilometer ohne größere Vorbereitung schaffte. Sein Ehrgeiz sei damit geweckt gewesen und deshalb habe er dann jährlich bei Wettkämpfen teilgenommen, berichtet er weiter. 2004 wurde er in den Landeskader Radsport des Behinderten- und Versehrtensportverbandes Bayern aufgenommen, weil er sieben Siege und weitere gute Ergebnisse bei normalen Rennen für sich verbuchen konnte.

Gold bei den Paralympischen Spielen

Im Alter von bereits 38 Jahren trainierte er dann ab 2005 gezielt unter den Anweisungen eines Trainers und schon ein Jahr wurde er nicht nur Deutscher Meister, sondern wurde auch Weltmeister im Straßenrennen und holte darüber hinaus Silber im Einzelzeitfahren und Bronze in der Verfolgung. Einen kompletten Medaillensatz holte er sich auch zwei Jahre später bei den Paralympic-Spielen in Peking, nämlich Gold im Einzelzeitfahren auf der Straße, Silber in der Verfolgung und Bronze beim 1000-Meter-Zeitfahren auf der Bahn. „Ein Erfolg an den selbst ich nicht geglaubt habe“, so Wolfgang Sacher. „Da Behinderte selbst im Spitzensport kaum Sponsoren finden, musste ich meine Ausrüstung anfangs selbst bezahlen“, berichtete Sacher weiter.

Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft wurde jedoch ein Penzberger Unternehmer auf ihn aufmerksam und hat mit ihm einen Sponsorenvertrag abgeschlossen. Als er nach dem Gewinn der Goldmedaille bei den Paralympischen Spielen in Peking hoffte, ebenfalls die dafür von der Sporthilfe ausgelobte Prämie in Höhe von 20000 Euro zu erhalten, musste er sich belehren lassen, dass es diese Prämie im Behindertenleistungssport nicht gibt.

 „Damit gab ich mich nicht zufrieden und bin über die Presse an die Öffentlichkeit gegangen“, berichtete er weiter und fuhr fort, dass er deswegen fast aus dem Nationalkader geflogen sei. Aber er habe damit erreicht, dass seit 2012 auch behinderte Spitzensportler diese Prämie erhalten. Doch selbst als heute 53-jähriger will Wolfgang Sacher den Radrennsport noch nicht an den Nagel hängen. „Erst vor kurzem habe ich wieder die Lizenz erhalten und hoffe, bei den nächsten Weltmeisterschaften und Paralympischen Spielen wieder mit dabei zu sein“, berichtet er zum Schluss.

Quelle: freising-online

Auch interessant:

Kommentare