"Jetzt red i - Europa" live aus Au

Hat die Politik endgültig versagt?

Vor Beginn der Sendung begrüßte BR-Moderator Tilmann Schöberl seine Gäste im voll besetzten Sudhaus.

Was in der Europäischen Union nach Meinung der Bürger alles schief läuft, versucht der Bayerische Rundfunk (BR) einmal monatlich mit dem Bürgerforum „Jetzt red i - Europa“ zu ergründen. Am vergangenen Mittwoch war die beliebte Sendung zu Gast in der Marktgemeinde Au.

Bereits in der vergangenen Woche haben sich Bürger mit dem BR-Produzententeam im Rathaus getroffen, um die Fragen für die Sendung festzulegen (wir berichteten ausführlich). Kurz vor Beginn der Sendung herrschte im Schlossbräukeller noch reges Treiben: Während Karl Ecker, Bürgermeister von Au, noch mit einer Gruppe von Asylbewerbern plauderte, wurden ein letztes Mal Kameraeinstellungen überprüft und die letzten freie Plätze besetzt. Moderator Tilmann Schöberl machte die rund 80 Gäste noch einmal darauf merksam: „Hier handelt es sich um eine Live-Sendung. Also während der 45 Minuten wenn möglich bitte nicht schlafen, essen oder ratschen“. Pünktlich um 20.15 Uhr war es dann so weit: Tilmann Schöberl meldete sich mit Blick in die Kamera live aus dem voll besetzten Sudhaus und stieg mit einem zweiminütigen Beitrag gleich in das zentrale Thema der Sendung ein: „Große Beschlüsse ohne Folgen - Scheitert Europa an der Flüchtlingskrise?“ Bundesumweltminister Klaus Töpfer und Markus Rinderspacher, Fraktionsvorsitzender der SPD im Bayerischen Landtag, standen den Auer Bürgern dabei Rede und Antwort. Den Anfang machten Franz Asbeck, Sprecher der Bürgerinitiative Asyl in Au: „In der Flüchtlingskrise hat die Politik versagt. Das zeigt sich auch daran, dass die AfD immer mehr Stimmen erhält. Es hilft uns nichts, wenn man in Berlin sagt ´Wir schaffen das´, wenn wir hier vor Ort merken, dass wir das eben nicht schaffen. Wenn dieses Jahr wieder so viele Flüchtlinge zu uns kommen, können wir das einfach nicht mehr leisten.“ Dass die Politik jetzt schnell handeln muss, machte auch Markus Rinderspacher klar: „Ich bin dafür, dass die Außengrenzen gesichert werden. Wir müssen genau überprüfen, wer in unser Land kommt. Allerdings halte ich nichts davon, die Grenzen jetzt dicht zu machen. Schengen muss in seiner Freizügigkeit beibehalten werden. Wir brauchen eine gemeinsame, europäische Lösung. Sofort!“ Als ein richtiges Ärgernis nannte Ursula Seiler vom Helferkreis Au die viel zu langen Asylverfahren in Deutschland: „Da geht in den Ämtern einfach nichts voran. Es kann nicht sein, dass eine Familie zwei Jahre warten muss, bis ihr Antrag geprüft wurde. Das ist für diese Menschen zermürbend und niederschmetternd“. „Der helle Wahnsinn“, findet auch Markus Rinderspacher. Doch die Behörden seien bei der Bearbeitung schlicht und einfach überfordert: „Auf den Schreibtischen stapeln sich Akten und Anträge. Die Asylverfahren sind kaum mehr abzuarbeiten“, so Rinderspacher weiter. Klaus Töpfer, Umweltminister und ehemaliger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, sprach im Zuge der vielen Flüchtlinge auch das Thema Fremdenhass und die oft damit verbundenen Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte an. Nach Ablauf der 45 Minuten richtete Rinderspacher seine Worte an zwei Gruppen von Asylbewerbern, die ebenfalls zur Sendung geladen waren: „Haben Sie keine Angst, Sie können sich hier sicher fühlen, denn man wird sie gut behandeln“. Nach einer kurzen Schalte zu seiner Kollegin Ursula Heller, Moderation der anschließenden Sendung „Kontrovers“, verabschiedete sich Tilmann Schöberl von dem Auer Publikum, das sich umgekehrt mit entsprechendem Beifall bedankte.

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