„Der Bau ist eine Branche mit Zukunft“

IG  BAU-Bezirkssekretär Richard Fischer (am Rednerpult) bei seinem Referat im Bierstüberl der Stadthalle, wo zuvor Ortsvorsitzender Helmut Gürster (links) die gut besuchte Bauarbeiterversammlung eröffnet hatte. Foto: Mader

(ma)

· Überdurchschnittlich gut war in diesem Jahr der Besuch der traditionellen Bauarbeiterversammlung, zu der IG BAU-Ortsvorsitzender Helmut Gürster am Mittwoch neben den Rentnern auch viele aktive Kollegen aus der Bau-, Gartenbau- und Forstwirtschaftsbranche im Bierstüberl der Mainburger Stadthalle begrüßen konnte. In seinen einführenden Worten kam Gürster gleich zur Sache: „Die Gewerkschaften haben zu wenig erreicht“, kritisierte er die letztjährigen Tarifabschlüsse und schoss zudem eine volle Breitseite gegen die von der Bundesregierung beschlossene „Rente mit 67“. In dieselbe Kerbe schlug dann der Hauptredner des Nachmittags, IG BAU-Bezirkssekretär Richard Fischer: „Bauarbeiter müssen in ihrem Beruf ein Leben lang schwer arbeiten. Nur etwa zehn Prozent von ihnen sind mit 62 oder 63 Jahren körperlich überhaupt noch in der Lage, ihren Beruf auszuüben.“ Der Vorschlag von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, älteren Arbeitnehmern in der Baubranche einen „Schreibtischjob“ zu geben, bezeichnete Fischer als „ein Unding und völlig unrealistisch“, denn: „Wir haben überwiegend mittelständische Firmen oder Kleinbetriebe, die solche Büro-Arbeitsplätze gar nicht zur Verfügung stellen können.“ Um in Zeiten der Finanzkrise die Arbeitsplätze nicht aufs Spiel zu setzen, habe sich die Gewerkschaft im Vorjahr mit den Arbeitgebern auf moderate Tarifabschlüsse verständigt. „Nun aber sind die Auftragsbücher wieder voll und die Arbeitnehmer wollen ihren gerechten Anteil am Aufschwung. Deshalb fordern wir in der Tarifrunde 2011 einen kräftigen Lohnabschluss“, kündigte Fischer an. Es gehe auch um Kaufkraft (Fischer: „Die ist bei uns heute nur so hoch wie vor zehn Jahren“) und darum, die Bauberufe wieder attraktiver zu machen. Schon jetzt fehlten allein in Bayern 12.000 Facharbeiter. 20 Prozent der Lehrlinge würden ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen oder sie erst gar nicht antreten. Dabei sei der Bau eine Branche mit Zukunft. Es gelte, das Image der Bauberufe zu verbessern, denn „wir brauchen junge Menschen mit Perspektive.“ Strikt sprach sich Richard Fischer in diesem Zusammenhang gegen eine Verkürzung der Ausbildungszeit aus und kritisierte die Praxis vieler Firmen, qualifizierte Mitarbeiter auszustellen und sie durch billigere Leiharbeiter zu ersetzen. Zu Beginn seines Referats hatte Richard Fischer auch zur Reform der Krankenversicherung sowie zur Steuerpolitik klar Stellung bezogen und sie als „sozial unausgewogen“ gebrandmarkt. Vor allem das Gesundheitswesen sei mit Einführung der Kopfpauschale unterwegs in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. „Das altbewährte System einer Bürgerversicherung, wie sie auch die Gewerkschaften forderten, ist damit praktisch passé“, resümierte Richard Fischer, der seit 40 Jahren bei der IG BAU engagiert ist und damit ebenso wie sein Mainburger Kollege Helmut Gürster als echtes „Gewerkschafts-Urgestein“ gilt.

Auch interessant:

Meistgelesen

Abstrichzentren in Kelheim und Mainburg: Corona-Termin-Check
Abstrichzentren in Kelheim und Mainburg: Corona-Termin-Check

Kommentare