Der harte Tarifkampf am Bau lohnte sich

Ein Buch über die Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegug schenkte Referent Richard Fischer (r.) dem Ortsvorsitzenden Helmut Gürster. Der revanchierte sich mit einem Hopfensiegel. F.: ma

(ma)

· Für Helmut Gürster könnte es am am Mittwoch im „Bierstüberl“ der Stadthalle die letzte Bauarbeiterversammlung gewesen sein, die er als Vorsitzender des IG BAU-Ortsverbandes eröffnete. Denn bei den im Herbst anstehenden Neuwahlen kündigte der 75-Jährige an, nicht noch einmal für den Vorsitz zu kandidieren. So nutzte er die Zusammenkunft vor Wochenfrist, um noch einmal auf seine nun bald 50 Jahre ehrenamtliche Gewerkschaftsarbeit zurückzublicken. Gürster erinnerte an die Auftritte der früheren Bundesvorsitzenden der damaligen IG Bau-Steine Erden, Rudi Sperner und Konrad Carl, die er ebenso in Mainburg begrüßen konnte wie deren Nachfolger Klaus Wiesehügel. Seiner Einladung folgten genauso der DGB-Bundesvorsitzende Heinz-Werner Meyer, die stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende Ursula Engelen-Kefer oder das IG BAU-Vorstandsmitglied Irmgard Mayer. Aber auch die Gäste aus der Politik, die er in die Hopfenstadt locken konnte, waren durchaus prominent, so wie unter anderem die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Weiter betonte der IG BAU-Chef seinen Kampf um den Erhalt von Unternehmen und deren Arbeitsplätze. Genauso engagiert habe er sich um die Zukunft so mancher Behörde vor Ort, betonte Gürster und nannte die AOK-Zweigstelle oder zuletzt die Außenstelle des Arbeitsamtes als Beispiele. Nun wünscht sich der bald scheidende Chef der Bauarbeitergewerkschaft für die Neuwahl im Herbst Kollegen, die diese Arbeit erfolgreich fortsetzen. „Die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe, der Gebäudereinigung und der Baustoffindustrie erhalten mehr Geld.“ Das war die frohe Botschaft, die Richard Fischer wenige Tage nach Weihnachten mit nach Mainburg gebracht hatte. Doch trotz boomender Wirtschaft sei dieses Ergebnis „nur nach einem harten Ringen möglich“ gewesen. In der Bauwirtschaft seien die Fronten so verhärtet gewesen, dass die Arbeitgeber erst nach dem Einschreiten von Schlichter Wolfgang Clement zu einem aus Sicht der Arbeitnehmerseite vernünftigen Lohnplus bereit waren. Mit diesem Erfolg habe sich der Bau - noch vor den Kollegen aus der Metallindustrie - an die Spitze der Lohnentwicklung gestellt, betonte Fischer. Dennoch macht den IG BAU-Funktionär das Einkommensgefüge in Deutschland Sorgen. „Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer“, warnte er und forderte mehr Geld in den Lohntüten der Arbeitnehmer, um die Binnenkonjunktur wirksam anzukurbeln. Dies sei um so wichtiger, um im Zuge der Euro-Krise durchaus mögliche Einbrüche im Export auszugleichen. Obwohl seit 1. Januar dieses Jahres geltendes Recht, kündigte Fischer weiteren Widerstand der Gewerkschaften gegen die „Rente mit 67“ an. „Für uns ist diese Rentenkürzung nicht haltbar“, so der IG BAU-Funktionär, „das ist nicht mehr sozial und macht die soziale Kälte in unserem Land deutlich sichtbar.“ Hart ins Gericht ging Fischer in diesem Zusammenhang mit der FDP, in deren Reihen „einige schon mit der Rente mit 69 liebäugeln“. Aber auch eine andere Entwicklung verfolgt der Arbeitnehmervertreter Fischer mit zunehmender Sorge: „Deutschland ist zu einem Niedriglohnland geworden.“ Immer mehr Menschen seien auf zusätzliche 400-Euro-Jobs angewiesen, um über die Runden zu kommen. Die Zahl dieser Mini-Jobber habe sich seit 1999 auf 7,4 Millionen verdoppelt. Die Schuld an dieser in den Augen des IG BAU-Sekretärs besorgniserregenden Entwicklung gibt er der Politik, die dem Billiglohn in vielen Branchen Tür und Tor geöffnet habe. Als einzigen Ausweg sieht Fischer daher die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes, wie ihn bereits viele Nachbarn in Europa hätten. Denn, so warnte der Gewerkschaftssprecher: „Der Niedriglohn von heute ist die Altersarmut von morgen.“

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