Warnsignal an Politik und Gesellschaft

Karl Ecker verlässt das sinkende Schiff 

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Karl Ecker gibt nach und nach seinen Abschied. Unser Archivbild entstand bei einem Neujahrsempfang. 

Für Bürgermeister Karl Ecker von Au war es die letzte Bürgerversammlung, Grund und Anlass zu ein paar grundsätzlichen Bemerkungen, die aufhorchen lassen. Ein knappes viertel Jahrhundert hat er die Geschicke der Marktgemeinde gelenkt, davor war er zwölf Jahre, also zwei Perioden, Marktgemeinderat, und er nutzte nun die Gelegenheit, zunächst ein paar üble Gerüchte über die Gründe für seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur zu bekämpfen.

Es sei nicht so, dass er nicht mehr wolle. Es gebe vielmehr andere Gründe, und die sprach er nach der Versammlung gegenüber dem FORUM mit einer geradezu beklemmenden Deutlichkeit an: „Ich kann einfach nicht mehr.“ Im Klartext: Er hat sich aufgearbeitet für seine Marktgemeinde, hat sie dahin geführt, wo sie jetzt steht: Mit einer Ortsumfahrung, einem Marktplatz, einer Realschule, Gewerbegebieten, und vielem mehr. In der Bürgerversammlung wurde er wohl auch mit Blick auf den anlaufenden Kommunalwahlkampf deutlich: „Sorge bereitet mir für die Zukunft, dass sich immer mehr Parteipolitik in die kommunalpolitischen Gremien einschleicht und breit macht. In unseren überschaubaren Gremien soll ausschließlich der Mensch zählen und nicht die Ideologie einer Partei, die für uns oft nur lähmend wirkt.“ Er bezeichnete es als ein „Warnsignal an die Politik und die Gesellschaft“, dass so viele Bürgermeister aufhören. Hier laufe etwas schief. Später, gegenüber dem FORUM, wurde er bei anderer Gelegenheit geradezu drastisch: „Wir haben bei dieser Kommunalwahl so viele Bürgermeister, die aufhören, wie noch nie.“ 

Das habe mit Sicherheit mit der ständig steigenden Arbeitsbelastung zu tun, die von Bürgermeistern kaum noch bewältigt werden könne. Ecker wittert dahinter vor allem die Tendenz, immer mehr Aufgaben auf die kommunale Ebene zu verlagern, die Staatsregierung auf diese Weise zu entlasten. Was Ecker sagte korrespondiert mit einer anderen Tendenz: Noch nie haben Gemeinden in dieser Zahl beschlossen, dass das Bürgermeisteramt künftig hauptberuflich auszuüben ist. Selbst Gemeinden mit 3000 Einwohnern sehen sich zunehmend nicht mehr in der Lage, mit ehrenamtlichen Bürgermeistern zu arbeiten. Darauf angesprochen kommentierte Ecker: „Das sehe ich ganz genau so, das kann nicht ausbleiben.“ Aufgabenverlagerung, kombiniert mit Vorschriftenflut, führt aber auch zu einer Aufblähung des Verwaltungsapparats mit der weiteren Folge eines Investitionsbedarfs in Rathaus, Personal. Damit werden letztlich keine Steuergelder gespart, sondern nur die Ausgaben verlagert auf die Ebene, die sich am wenigsten wehren kann nach dem Motto „Den letzten beißen die Hunde.“ Ecker hat das erkannt, und so konnte nicht ausbleiben, dass er zum Thema „Verwaltungsgemeinschaft mit Rudelzhausen“ mit einigen kritischen Bemerkungen Stellung bezog: Au würde als die größere Gemeinde zwangsläufig Sitz einer solchen VG, aber das Rathaus wäre dafür viel zu klein, mit allen Folgen für den Investitionsbedarf. Und so wird es wohl nach seinen Worten bei einer engeren Zusammenarbeit bleiben, etwa auf dem Gebiet der EdV.

Quelle: freising-online

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