Kein Konsens über artgerechte Haltung

Dieses - ausgestopfte - Huhn hat’s ja durchaus gemütlich auf seinem Quadratmeter Lebenraum. Moderator Tilman Schöberl stellte allerdings die Frage, wie es denn dann aussieht, wenn es 25 Tiere werden - wie geplant. Fotos: Wagner

(dj)

· „Ich würd’s nicht machen, wenn’s keine glücklichen Hühner wären“. Diese Aussage von Franziska Huber blieb am vergangenen Mittwoch im Auer Schlossbräukeller nicht ohne Reaktionen im Publikum. Das Bayerische Fernsehen war gekommen und hatte zur Live-Diskussion über die geplanten Hühnerfarmen im benachbarten Rohregg und in Moos bei Zolling geladen. Franziska Huber ist die Antragstellerin, die die Kükenfarm nur wenige hundert Meter des Markts Au entfernt errichten will. Die Aussichten auf Erfolg sind durchaus gegeben. Bei Einhaltung aller Auflagen wird die Farm mit zwei Hallen mit je 100 Meter Länge gebaut. BR-Moderator Tilman Schöberl hatte zuvor einen grünen Quadratmeter ausgelegt. Auf exakt dieser Fläche werden bis zu 25 Hühner leben müssen. Zwar nur kurz - bis zur Schlachtreife, die in etwa einem Monat bereits erreicht ist -, dennoch sei dies kein lebenswertes Umfeld, kritisieren die Gegner. Der Unterschied zwischen den Anlagen in Rohregg und Moos liegt darin, dass die Familie Huber eine Bio-Junghennen-Aufzucht (Aufenthalt 18 Wochen) plant, wogegen der Zollinger Landwirt Martin Felsner eine industrielle Hühnerfarm plant. Beide Betriebe sollen knapp 40000 Tiere beheimaten. Grünen-Kreisrat Toni Wollschläger, selbst Bio-Bauer, bezweifelte vor laufender Kamera dieses Bio-Siegel: „Sie sind noch nicht Mitglied in einem Bio-Verband. Beim strengsten, ‘Bioland’, kämen Sie auch nicht rein. Sie haben doch auch als landwirtschaftlicher Unternehmer eine Verantwortung den Lebewesen gegenüber.“ Auch Gefährdungen der Luft und des Grundwassers werden durch die Ausdünstungen von den Anwohnern befürchtet. Speziell vertreten wurden die durch Margarete Reuschlein aus Rohregg und Tanja Rübelmann aus Moos. Noch immer laufen die Prüfungen, ob die Gesetze in dieser Hinsicht eingehalten werden können, die ethischen Schwierigkeiten standen am vergangenen Mittwoch im Vordergrund. „So hält man einfach keine Tiere“, fasste Margarete Reuschlein plakativ zusammen, und Tanja Rübelmann foderte: „Fleisch sollte aus artgerechter Haltung sein.“ Dass dies in beiden geplanten Betrieben exakt so kommen werde, erklärte Dr. Josef Bachmeier, der zum wiederholten Mal vor laufender Kamera Stellung nahm und die Recht- und Gesetzmäßigkeit auch vehement vertrat. Dr. Bachmeier vertritt den Wiesenhof-Konzern, der beiden geplanten Anlagen die Hühner abnehmen würde: „Wir stellen uns den hohen Ansprüchen des Verbraucherschutzes“, worauf Wollschläger allerdings deutlich erwiderte: „Wenn de Menschen wüssten, wie Wiesenhof produziert, würden sie umdenken.“ Martin Felsner dagegen hält die Lebensmittel für hochwertig: „Wir haben die strengsten Gesetze einzuhalten und sollten lieber unter diesen Voraussetzungen in der Region produzieren als aus dem Ausland zu importieren.“ Dem Vorsitzenden des Freisinger Tierschutzvereins, Josef Popp, der die Zuchtlinien kritisierte („möglichst viel Fleisch, wenig Platz, viel Profit“), hielt Felsner entgegen: „Auch Sie haben Hunde und führen ja keinen Wolf spazieren. Der Hund ist auch eine Züchtung.“ Erwartungsgemäß kamen beide Parteien zu keinem Konsens, zumindest machen sich alle Betroffenen und Interessierten Gedanken zum Thema. Und das nicht nur, wenn das Fernsehen da ist!

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