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Landkreis: Notfallversorgung ist nicht optimal- Die Bürgermeister schlagen Alarm

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Von: Lena Hepting

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In einer Pressekonferenz im Mainburger Rathaus forderten die Notärzte Andreas Harrieder und Dr. Dominik Treffer, sowie die Bürgermeister Helmut Fichtner (Mainburg), Alfred Holzner (Rottenburg/Laaber) und Gerhard Betz (Nandlstadt) eine strukturelle Neuaufstellung des Notfalldienstes.
In einer Pressekonferenz im Mainburger Rathaus forderten die Notärzte Andreas Harrieder und Dr. Dominik Treffer, sowie die Bürgermeister Helmut Fichtner (Mainburg), Alfred Holzner (Rottenburg/Laaber) und Gerhard Betz (Nandlstadt) eine strukturelle Neuaufstellung des Notfalldienstes. © harrieder

Die Notfallversorgung in Mainburg ist nicht optimal. Bürgermeister Helmut Fichtner sowie Sprecher der Notärzte warnen vor der besorgniserregenden Entwicklung.

Die 299 bayerischen Notarzt-Standorte sind laut Statistik zu 94 Prozent besetzt, in Mainburg beläuft sich die Quote gerade mal auf 82,4 Prozent, in Geisenfeld auf 82 Prozent und in Freising lediglich auf 77,6 Prozent. Im Klartext heißt dies, dass Mainburg an einem von fünf Tagen nicht besetzt ist und in Freising ist dies sogar jeder vierte Tag.

Notarztversorgung: Kommunalpolitiker schreiben offenen Brief an Joachim Herrmann

Mainburgs Bürgermeister Helmut Fichtner sowie der Sprecher der Notärzte in Mainburg Dr. Dominik Treffer und Notarzt Andreas Harrieder sprechen von einer besorgniserregenden Entwicklung. Die örtlichen Kommunalpolitiker schlagen jetzt Alarm und fordern in einem offenen Brief an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann eine „nachhaltige und flächendeckende Notarztversorgung“.

Im Mai vergangenen Jahres berichtete das FORUM groß über die Unzufriedenheit der Notärzte, über schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Honorierung und vor allem über unbesetzte Notarztstandorte im ländlichen Raum. Ein Schreiben an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann brachte seinerzeit nicht viel Zählbares. Angesichts der dramatischen Lage, „schließlich geht es hier um Menschenleben“, so Bürgermeister Helmut Fichtner aus der Hopfenstadt, wenden sich die örtlichen Rathausspitzen erneut schriftlich an den zuständigen bayerischen Staatsminister.

Notarztversorgung: Kommunen aus der Hallertau unterzeichnen „Brandbrief“

Mitunterzeichner des „Brandbriefes“ an Joachim Herrmann sind die Bürgermeister der Nachbarkommunen: Gerhard Betz aus Nandlstadt, Alfred Holzner aus Rottenburg an der Laaber und Paul Weber aus Geisenfeld. „Die ohnehin niedrige Besetzungsquote in Mainburg schaffen wir nur dadurch, dass durch das Rettungsdienstgesetz die Klinik zur Mitwirkung verpflichtet wurde und somit Notärzte in hauptamtlicher Anstellung stellt.

Sorgenkind: Hilfe im Notfall - wie soll es weitergehen?
Sorgenkind: Hilfe im Notfall - wie soll es weitergehen? © Harrieder

Wäre das nicht der Fall, wäre die Notarztbesetzung in Mainburg katastrophal niedrig“, so Dr. Dominik Treffer, der Sprecher der Mainburger Notärzte, gegenüber der Presse. Fakt ist, dass die Ärzte ein breites Feld von medizinischen Notfällen abdecken müssen, was die Mediziner sehr stark fordert. Gleichzeitig fehlt es an Anerkennung für den Beruf.

Notarztversorgung: Tätigkeit wird wenig gewürdigt

Die Ausbildung muss in der Regel in der Freizeit und auf eigene Kosten erbracht werden und die Vergütung im Notarztdienst liegt deutlich unter der Vergütung in anderen Bundesländern oder auch im Vergleich zum kassenärztlichen Notdienst in Bayern. Andreas Harrieder, Leiter der Notaufnahme der Ilmtalklinik in Mainburg, bedauert, dass der Idealismus der Notärzte, angesichts der alles andere als üppigen Entschädigung, in der Gesellschaft viel zu wenig gewürdigt werde.

Für eine normale Schicht erhält ein Notarzt eine Grundpauschale von 25 Euro pro Stunde, dazu kommt ein Nachtzuschlag von 2,50 Euro, fünf Euro an Wochenenden und Feiertagen. Im Falle eines Einsatzes beträgt die Vergütung 86,25 Euro, wobei dann die Bereitschaftspauschale abgezogen wird.

Ein vom bayerischen Innenministerium in Auftrag gegebenes Gutachten von Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität könnte Licht ins Dunkel der Notfallversorgung in Bayern bringen. Leider hält Innenminister Joachim Herrmann das Papier, das seit Oktober letzten Jahres vorliegt, immer noch unter Verschluss. Warum wohl? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Dr. Dominik Treffer dazu: „Die Bedarfslage der Notarztversorgung in Bayern belichtet mit wissenschaftlichen Methoden, wäre die beste Grundlage um weitere Entscheidungen zu treffen.“

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