Handballer werden in der Krise kreativ

TSV Mainburg: Vorzeitiger Meister bereits gekürt

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Neuzugang Henry Claussen (am Ball) freut sich auf „Handball nach Mainburger Art“. 

Aufgrund der aktuellen Situation war es auch um die Handballabteilung des TSV Mainburg in den vergangenen Wochen und Monaten sehr ruhig geworden. Doch was wären die sportverrückten Mainburger, wenn sie nicht auch aus dieser Situation das Beste machen würden: Kreativität war der Schlüssel für einen, zumindest körperlich, „unbeschadeten“ Weg aus der Krise.

Mainburg- „Aufgrund der aktuellen Situation“ war es auch um die Handballabteilung des TSV Mainburg in den vergangenen Wochen und Monaten sehr ruhig geworden. „Der Handballbetrieb in Mainburg kam durch die Corona-Krise fast vollständig zum Erliegen, eine völlig ungewohnte Situation für uns als Offizielle und noch viel mehr für all unsere handballbegeisterten Spieler und Fans. 

Wenn man, so wie die meisten hier im Verein, für den Handballsport lebt, ist das, was wir in der letzten Zeit mitmachen mussten, der absolute Super-GAU.“, blickt Abteilungs-Vize Martin Möser wehmütig auf die für die gesamte Gesellschaft sehr belastende, Zeit der Ausgangsbeschränkungen zurück. Doch was wären die sportverrückten Mainburger, wenn sie nicht auch aus dieser Situation das Beste machen würden: Kreativität war der Schlüssel für einen, zumindest körperlich, „unbeschadeten“ Weg aus der Krise. Cheftrainer der Handballdamen und „Motivationsmonster“, Bertram Pfaller zum Beispiel, stellte seinen Mädels Woche für Woche zwei vollwertige Individual-Trainingseinheiten via Whatsapp zur Verfügung, die das Team dann allein und später auch in Zweiergruppen, bewältigen konnte. 

Und auch bei den Herren konnte von sportlichem Stillstand nicht die Rede sein: Trainer Hadzidulbic suchte zusammen mit dem Kapitän der ersten Herrenmannschaft, Marius May, nach einer digitalen Plattform, die seine Mannen zum einen fit halten und zum anderen auch, trotz der fehlenden persönlichen Kontakte, zusammenhalten sollte. Nach kurzer Zeit war eine App gefunden, die genau das bot: Trainingspläne, die allen zur Verfügung gestellt wurden und parallel ein Aktivitäten-Protokoll, in dem jeder Spieler seine Erfolge „posten“ konnte.

„Dass das ganze so eskaliert, hätte ich nie gedacht, es ist unfassbar, was die Jungs in dieser schweren Zeit sportlich geleistet haben.“, so der völlig überwältigte Chefcoach. Er spielt damit auf die individuellen Erfolge seiner Schützlinge an, allein im April spulte das Team Laufeinheiten mit einer Gesamtstrecke von fast 1000 Kilometer ab, freiwillig und ohne ein genaues Ziel – da nach wie vor kein offizieller Termin für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs bestätigt wurde. Vor allem Alexander Rieder war es, der mit seinen, teilweise unglaublichen, Leistungen (wöchentliche 30-Kilometer-Läufe waren keine Seltenheit), auch dem gemütlichsten Mitspieler ein schlechtes Gewissen gemacht hatte.

Saison 2019/20 vorzeitig beendet 

Die Frage nach den Auf- und Absteigern der Saison 2019/20 hat sich bereits vor einiger Zeit geklärt, so hat der DHB entschieden, den aktuell (nach Punkte-/Spieltagsverhältnis) Führenden der Tabelle vorzeitig zum Meister zu küren, was den Handballmädels des TSV zu Gute gekommen ist – der Aufstieg in die Bezirksoberliga ist somit auch offiziell „in trockenen Tüchern“. 

Im Herrenbereich war der Saisonabbruch weniger interessant, da sowohl nach oben als auch nach unten nicht mehr viel passiert wäre. Wer jetzt vermutet hat, dass dieses Szenario bei den Absteigern ähnlich gehandhabt worden wäre, wird nun eines Besseren belehrt, denn der DHB hat weiter entschieden, dass die abgebrochene Spielzeit keine Absteiger kennt. 

Das bedeutet, dass nur ein Team die Liga verlässt (Aufsteiger), doch es rücken zeitgleich auch mehrere Teams von den unteren Ligen nach. In der Landesliga bedeutet dies theoretisch eine Erweiterung der Liga um zwei Mannschaften, was zur Folge hätte, dass sich die Saison um vier Spieltage verlängert. Doch im genannten Szenario bleibt es wirklich nur bei der Theorie, da bereits jetzt bekannt ist, dass sowohl die HSG Freising Neufahrn (freiwilliger Abstieg), als auch der MTV Ingolstadt (Auflösung des Landesligateams) trotz erhaltener „Wildcard“ nächstes Jahr nicht mehr in der zweithöchsten bayrischen Spielklasse zu finden sind.

Weiterhin großes Fragezeichen über Start der Saison 2020/21

Wie es allgemein mit dem Ligabetrieb in ganz Handball-Deutschland weitergeht, steht bis zum aktuellen Zeitpunkt nach wie vor in den Sternen. Der reguläre Beginn der Handallsaison in Bayern wäre für Mitte September angesetzt, allerdings sind mittlerweile von Verbandsseite schon mehrere Alternativ-Szenarien in Erwägung gezogen worden, die einen verschobenen Saisonstart oder gar einen Ausfall des gesamten Spielzeit 20/21 nicht ausschließen.

Problematisch ist das nicht nur für die Planung der Saison inklusive Heimspielen, Events und Pausen, sondern eben auch für die – im Normalfall – demnächst startende Vorbereitungsphase. Semir Hadzidulbic, sportlicher Leiter und bereits erwähnter Cheftrainer des Herrenteams, setzt auf einen Start in mehreren Schritten, so beginnen seine Schützlinge Mitte Juni damit, sich körperlich auf den Handballsport perfekt einzustellen. Ein reines Kraft- und Ausdauertraining im Outdoorbereich in Verbindung mit handballspezifischen Stabilisationsübungen sollen der Grundstein für eine, hoffentlich stattfindende, starke Saison 2020/21 sein.

 Nach dieser vierwöchigen Phase und hoffentlich weiterreichenden Lockerungen bezüglich der Kontakt- und Nutzungsbeschränkungen in den Sporthallen steht dann hoffentlich alles auf Zeichen: „Ab an die Bälle!“. „Alles Weitere können wir aktuell einfach nicht planen, dafür fehlen uns klare Ansagen von Seiten der Regierung und des Handballsportverbands.“, so Hadzidulbic. „Sollte es zu einem verzögerten Saisonstart kommen, würden die Mainburger die Pausen zwischen den verschiedenen Vorbereitungsphasen einfach verlängern“, so Hadzidulbic weiter.

Auch positive Neuigkeiten im Kader des Landesligisten

In all dem Wirbel um die Pandemie gibt es trotzdem auch etwas Positives im Landesligateam zu berichten: Mit Henry Claussen kommt endlich wieder ein schmerzlich vermisster Linkshänder in die Hallertau. Den 1,90 Meter großen Claussen haben zwei Dinge in die Hopfenstadt gelockt: „Ich wollte unbedingt wieder Landesliga spielen und kannte die Mainburger bereits aus der Vergangenheit, die Art und Weise, wie das Team auf und neben dem Platz auftritt, hat mir schon immer zugesagt. 

Und wer einmal in der Hallertauer Mittelschulturnhalle bei einem Heimspiel vor prall gefüllten Rängen dabei war, der kriegt richtig Lust, selbst Teil der Mannschaft zu werden.“, so der gebürtige Bremer. Der Kontakt kam über den, ebenfalls als „Linksbratzler“ bekannten Trainer der Mainburger, Semir Hadzidulbic, zustande: „Henry ist das fehlende Puzzleteil, das wir in den vergangenen Jahren gesucht haben. Mit ihm kommt ein vielseitig einsetzbarer und körperlich robuster Spieler nach Mainburg, der nicht nur sportlich, sondern auch persönlich sehr gut zu uns passt.“ 

Der 29-Jährige, der zuvor bereits unter anderem in Indersdorf, Landshut und Allach gespielt hatte, ist heiß auf die Landesliga und will definitiv „ganz oben mitspielen“. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir allein durch unsere sportlichen Leistungen und unsere unvergleichbarer Fankultur Spieler so von uns begeistern können, dass diese den Weg nach Mainburg einschlagen.“, so das Mainburger Handball-Urgestein Martin Möser. 

Neben Neuzugang Claussen gibt es auch innerhalb des Teams eine Nachricht, die sowohl Mannschaft, als auch Fans von Herzen freuen dürfte: Jan Klaus, den das Verletzungspech im letzten Jahr so arg verfolgt hat, meldete sich zur Vorbereitung fit und hofft, dass das operierte Kreuzband hält. Nun bleibt nur zu hoffen, dass bald eine klare Ansage bezüglich der anstehende Saison folgt, sodass es in Mainburg bald wieder heißen kann: „Auf geht’s in die „Hölle Hallertau“!“.

Quelle: freising-online

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