Interview

So kämpfte sich Max wieder zurück ins Leben

Alles ist möglich! Max blickt positiv in seine Zukunft.

Am Nachmittag des 19. Oktober 1994 sollte sich das Leben von Maximilian Schwarzhuber (26) aus Wolnzach für immer verändern. Nach einem Mittagsschlaf wacht der zweijährige Junge gelähmt auf und kann seine Füße nicht mehr bewegen. Statt wie andere Kinder Fußball zu spielen oder einfach nur herumzutoben, verbringt Max viele Monate in verschiedenen Krankenhäusern - immer mit der Hoffnung, dass sich bald alles zum Guten wendet. Doch all die unzähligen Operationen und Behandlungen verschafften nur für kurze Zeit eine Verbesserung.

Um endlich ein Leben ohne Schmerzen führen zu können, trifft der Wolnzacher eine schwerwiegende Entscheidung: im Winter 2017 lässt er sich beide Unterschenkel amputieren - er nimmt sein Schicksal in die Hand und es geht ihm besser denn je. Sport ist zu einem wichtigen Bestandteil seines Lebens geworden: Am 1. Mai startet er mit dem Bike von München aus nach Venedig. Seine ganze unglaubliche Geschichte erzählt er im FORUM-Interview.

 

Du warst gerade einmal zwei Jahre alt, als du plötzlich deine Beine nicht mehr bewegen kannst. Fußball spielen oder einfach nur toben waren von da an nicht mehr möglich. Wie hast Du Dich gefühlt, als Du von einem Tag auf den nächsten nicht mehr mit Deinen Freunden mitrennen konntest? 

Maximilian Schwarzhuber: „Tatsächlich habe ich aus dieser Zeit keinerlei Erinnerungen mehr. Darum bin ich auch durchaus froh. In erster Linie war das für meine Familie, allen voran meine Eltern, eine sehr große Belastung. Ich bin das erste von drei Kindern und meine Mutter war damals gerade mit meinem Bruder schwanger. Für mich selber wurde es dann später in der Schule erst ein Problem. Als ich mir eingestehen musste, dass ich sportlich mit meinen Mitschülern und Freunden nicht mehr mithalten kann. Das war natürlich eine sehr harte Zeit. Vor allem dann, wenn ich im Sommer nicht mit raus zum Spielen durfte, weil ich gerade wieder meine Füße schonen musste. Das war die reinste Folter damals. Dazu kam noch, dass ich in der Schule immer wieder gemobbt wurde. Keine schöne Zeit."

Nach einer langen Leidensgeschichte hast Du Dich mit 24 Jahren dazu entschieden, beide Unterschenkel amputieren zu lassen. Wie ging es Dir von diesem Zeitpunkt an?

Maximilian Schwarzhuber: „Erstaunlicherweise ging es mir von Anfang an gleich richtig gut. Ich erinnere mich noch daran, dass ich nach der Amputation im Aufwachraum sofort sehen wollte, ob meine Füße jetzt auch wirklich weg sind. Ich war richtig froh, dass dieses lange Kapitel voller Leiden und Schmerz jetzt endlich abgeschlossen war. Da wusste ich aber noch überhaupt nicht, wie und ob ich mit Prothesen wieder gehen werden kann."

Wie hast du gerade in der Anfangszeit Deinen Alltag gemeistert? Und inwiefern bist Du heute noch auf fremde Hilfe angewiesen?"

"Die ersten sechs Wochen hatte ic h noch keine Prothesen und somit war ich noch sehr stark auf fremde Hilfe angewiesen. Vom Rollstuhl unfallfrei in die Dusche zu kommen ist anfangs schon eine Herausforderung. Heute bin ich im Alltag auf keine fremde Hilfe mehr angewiesen. Natürlich bin ich aber auf meine Prothesen und damit meine Orthopädie-Techniker angewiesen.“

Du hast dein Schicksal in die Hand genommen und bist gerade einmal 136 Tage danach beim Lauf10 nach nur 68 Minuten und zehn Kilometern ins Ziel gerannt. Wie hast du dich darauf vorbereitet?   

Maximilian Schwarzhuber: „Auf Reha habe ich in kürzester Zeit riesige Fortschritte gemacht und dann bereits (heimlich) mit dem Laufen begonnen. Anfangs noch schmerzhaft und nach zwei Kilometern völlig am Ende. Später dann aber immer häufiger und weiter. Meine ersten Prothesen waren noch ziemlich schlecht und somit war das Laufen für mich ein wahrer Kraftakt. Drei mal sind mir bis zum Lauf10! die Prothesen gebrochen. Neben dem Lauftraining habe ich auch viel mit dem Fahrrad trainiert. Und ein bisschen Krafttraining um die Knie zu stabilisieren.“

Heute hältst du Vorträge und Seminare, um Deine Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen und gibst Tipps, wie sie ihre Ziele erreichen können. Was kannst Du anderen Betroffenen und Nicht-Betroffenen mitteilen?

Maximilian Schwarzhuber· „Ein erster Schritt, um mit seiner Situation klar zu kommen ist sicherlich erst einmal, das zu akzeptieren, was ist. Es ist sehr selbstzerstörerisch ständig damit zu hadern, in welch schlechter Lebenssituation man gerade steckt. Ein weiterer, wichtiger Punkt ist Eigenverantwortung zu übernehmen. Viele neigen dazu, und bei mir war das nicht anders, die Schuld bei anderen Menschen, Umständen, Firmen und sogar Gott zu suchen. Der sichere Weg in die Opferrolle. Erst wenn wir wieder Verantwortung für unser Leben übernehmen, können wir bestärkt in die Zukunft blicken."  

Am 1. Mai überquerst du mit dem Rad die Alpen. Welche Ziele und Träume möchtest du in der Zukunft noch verwirklichen?

Maximilian Schwarzhuber· „Ich möchte den Menschen helfen, ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Dafür möchte ich in Zukunft noch viele Menschen erreichen und in meinen Seminaren und Vorträgen mein Wissen und Erfahrungen teilen. Dieses Jahr möchte ich den München-Marathon laufen und meinen ersten Triathlon in Ingolstadt absolvieren. Als ein ganz großes, sportliches Ziel steht bei unter anderem mir der Ironman auf Hawaii ganz oben auf meiner Liste.“ 

Welchen Rat gibst du Menschen, die durch ein schlimm es Schicksal ihren Lebensmut verloren haben? Was ist Dein Lebensmotto? 

Maximilian Schwarzhuber· „Ich glaube fest daran, dass ein noch so schlimmer Schicksalsschlag auch immer etwas Gutes in sich bringt. Einen tieferen Sinn hat, den man vielleicht aber erst sehr viel später erkennt. Das Leben geht trotzdem weiter und auch das hat einen Grund. Jeder hat immer die Wahl: Entweder in Selbstmitleid und Opferdasein sich selbst zerstören oder das Beste aus der eigenen Situation machen und dadurch oftmals wahre Wunder bewirken. Alles ist möglich! Denn wirklich sicher können wir uns nie sein, dass etwas nicht möglich ist. Also warum nicht einfach davon ausgehen, dass tatsächlich alles möglich ist? Aus dieser Geisteshaltung heraus sind schon die größten Erfindungen und Errungenschaften der Menschheit entstanden. Dann nutze ich diese Einstellung doch gerne für die Errungenschaften meines ganz persönlichen Lebens."

 

Max liebt es, mit seinem Bike unterwegs zu sein. Am 1. Mai überquert er damit die Alpen.

Quelle: freising-online

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