"Seid freundlich"

Nachbarschaftshilfe engagiert sich für Flüchtlinge

Wilfried Inderst (stehend) von der Nachbarschaftshilfe Volkenschwand und Bürgermeister Albert Morasch (rechts) appellierten an ihre Mitbürger, die Asylbewerber in der Gemeinde freundlich aufzunehmen.

In Volkenschwand wurde vom Staat das von einem Investor neu renovierte, ehemalige Rathaus an der Neuhauser Straße angemietet, um dort zwei bis drei Flüchtlingsfamilien mit bis zu 15 Personen unterzubringen. Wann die Asylbewerber eintreffen und aus welchem Land respektive aus welchem Kulturkreis sie kommen, konnte bei einer Informationsveranstaltung der Gemeinde im Gasthaus Riederer von den Verantwortlichen des Landratsamtes Kelheim noch nicht gesagt werden.

Eines aber steht jetzt bereits fest: Die meisten Volkenschwander wollen diesen Menschen offen und vorurteilsfrei gegenüber treten und ihnen helfen. Die von der Gemeinde getragene Nachbarschaftshilfe („Nahi“) ist bereits tätig geworden. Eine von Projektleiterin Irene Heine initiierte Liste, in der sich ehrenamtliche Helfer eintragen konnten, machte die Runde und füllte sich schnell. „Das habe ich von meinen Volkenschwandern auch nicht anders erwartet. Helf' ma z'samm und seien wir freundlich zu diesen Leuten“, so „Nahi“-Vorsitzender Wilfried Inderst. Dass diese Hilfsbereitschaft in anderen Kommunen keineswegs selbstverständlich sei, bestätigte Gabi Schmid, die Ehrenamtsbeauftragte des Landratsamtes Kelheim.

Die Ehrenamtsbeauftragte des Landratsamtes engagiert sich in ihrer Heimatgemeinde Ihrlerstein seit zwei Jahren in ihrer Freizeit für 40 Asylbewerber und berichtete über ihre überwiegend positiven Erfahrungen. "Das sind oft traumatisierte Menschen, die über Hilfe dankbar sind", so Gabi Schmid. Möglichkeiten zur Unterstützung gebe es viele, zum Beispiel in Form von Fahrdiensten, Begleitung bei Arzt- oder Behördengängen, Sachspenden, Deutsch lernen, gemeinsame Freizeitaktivitäten usw. Die Grundversorgung hingegen sei vom Staat gewährleistet. In sämtlichen Unterkünften im Landkreis Kelheim werden Geldleistungen für den Einkauf von Lebensmitteln und Getränken zusammen mit dem Taschengeld an die Asylbewerber ausbezahlt.

Was bekommen Asylbewerber? Wie viel, ist in einem vom Landratsamt herausgegebenen Leitfaden nachzulesen: So erhält ein alleinstehender oder allein erziehender Asylbewerber monatlich ein Verpflegungs- und Taschengeld in Höhe von 285,49 Euro, Erwachsene in Partnerschaft lebend 257,05 Euro, Kinder und Jugendliche je nach Alter zwischen 171 und 221,12 Euro. Wertgutscheine für Bekleidung und Schuhe, mit denen die Asylbewerber ihren Bedarf in Geschäften des Landkreises Kelheim abdecken können, fallen ab 1. April weg und der monatliche Anteil wird dann ebenfalls bar ausbezahlt. Der Freistaat Bayern stellt außerdem den mit allen notwendigen Möbeln und Haushaltsgegenständen ausgestatteten Wohnraum kostenfrei zur Verfügung und trägt auch die Kosten für Heizung und Strom. Asylbewerber erhalten bei Bedarf Krankenbehandlungsscheine bei akuten Erkrankungen und sind von der Zuzahlungspflicht für Medikamente befreit.

Immer mehr Flüchtlinge Wie die Integrationsbeauftragte des Landratsamtes, Monica Brandl, sagte, steigen die Asylbewerberzahlen seit Ende 2012 stetig. Nach der Erstaufnahme in Sammelunterkünften werden die Flüchtlinge anteilsmäßig auf die einzelnen Regierungsbezirke und Landkreise verteilt. Derzeit leben im Landkreis Kelheim 400 Asylbewerber. Das Asyl-Anerkennungsverfahren ziehe sich meist jahrelang hin, weil die zuständigen Behörden personell unterbesetzt seien. Asylbewerber dürfen für 1,05 Euro die Stunde bei staatlichen, kommunalen und gemeinnützigen Trägern Tätigkeiten übernehmen. Nach drei Monaten können sie bei der Bundesagentur für Arbeit einen sogenannten "nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt" beantragen lassen. Darin muss der Arbeitgeber ausdrücken, dass er eine bestimmte Person für eine bestimmte Arbeit braucht. Nach vier Jahren Aufenthalt ist die Arbeitsaufnahme in der Regel ohne Zustimmung der Ausländerbehörde erlaubt. Ist das Asylverfahren positiv abgeschlossen, kann der Betroffene nicht mehr weiter in der Asylbewerberunterkunft wohnen und muss sich eine eigene Unterkunft suchen.

Quelle: freising-online

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