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Neues Angebot schreckt den Markt Au

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Der Laden des Anstoßes: Der „Revolution Store“ in Au erhitzt die Gemüter.

Fast unbemerkt hat sich im Markt Au/Hallertau ein Laden etabliert, der die Bewohner der Gemeinde gleichermaßen erschreckt und spaltet: In direkter Nachbarschaft der Gemeindebücherei. die gerade für ihr ausgedehntes Kinderprogramm so beliebt ist, hat der „Revolution Store“ eröffnet, ein Geschäft, das in erster Linie Produkte der Marke „Thor Steinar“ führt. Und die wiederum ist eine der charakteristischen für die rechtsextreme Szene in Deutschland.

Raus aus der Tür der Gemeindebücherei und nach links geblickt - er fällt gar nicht unbedingt auf, der Szeneladen, der im Forum Au vor bereits vier Monaten  eröffnet hat und „Revolution Store“ heißt. 

Der Inhaber, laut Gästebuch mit Spitznamen „Mutze“, stammt ursprünglich aus Sachsen und führt als exponierte Marke Produkte der Reihe „Thor Steinar“. Und die sind nicht überall in Deutschland gern gesehen - etwa in  der Münchner Allianz Arena wird Besuchern, die so gekleidet erscheinen, der Zutritt verweigert. Der Grund: „Thor Steinar“ ist die Kultmarke der rechtsextremen Szene in Deutschland - deshalb verstärken sich in Au nun zusehends die Befürchtungen, dass sich im beschaulichen Markt eine solche bilden könnte. Oder aber, dass das Geschäft ungebetene Besucher rechtsextremer Gesinnung anzieht, denn in Bayern sind die Einkaufsmöglichkeiten von „Thor Steinar“- Produkten sehr begrenzt. In Murnau hat ein  vergleichbares Geschäft Kameraden aus der Naziszene angelockt, und in Nürnberg musste vor gut einem Jahr ein weiteres auf Grund erheblicher Anwohnerproblemen schließen.

Zum Start der Internetpräsenz des „Revolution Stores" schrieben gleich mehrere bekannte Neonazis aus dem „Freien Netz Süd" in dessen Gästebuch. Nur eine Woche nach der Eröffnung des Ladens hatte dessen (zwischenzeitlich abgeschalteter) facebook-Account erschreckend viele, nämlich über 650 Freundinnen und Freunde. Die damalige Freundesliste war illuster und verfügte in den Profilbildern über eindeutige Devotionalien.

Andy Mion, Leiterin der benachbarten Gemeindebücherei - der Mieter ist übrigens die Marktgemeinde Au -, muss lange überlegen, ehe sie sich äußert, hat trotz der bereits viermonatigen Existenz des „Revolution Stores“ nicht wirklich etwas von den Produkten und dem Klientel geahnt: „Bislang ist mir nur aufgefallen, dass da ein Laden eröffnet hat, der wenig geöffnet hat, etwas Genaueres weiß ich auch nicht.“ Wie gut eine Gemeindebücherei und ein Geschäft mit einschlägig rechtsextremen Produkten und dem damit verbundenen Klientel sich vertragen, dazu möchte sie noch nichts sagen: „Das muss ich mir erst mal durch den Kopf gehen lassen.“  

Denselben strengt auch Marktoberhaupt Karl Ecker nun intensiv an, und er holt sich die Experten vor Ort: „Ich habe mich sofort ans Innenministerium gewandt und um Hilfe ersucht.“ Die ist mittlerweile auch in einem ersten Schritt erfolgt - nach Redaktionsschluss waren bereits zwei Vertreter des Innenministeriums vor Ort, um eine Einschätzung vorzunehmen. Eins ist klar - noch ist nichts vorgefallen: „Aber die Hinweise gehen eindeutig in eine bestimmte Richtung, die wir in Au nicht möchten, und wir müssen bereits den Anfängen wehren. Wir müssen erst mal viel Aufklärungsarbeit leisten.“ Die diskutierte Marke „Thor Steinar“ ist ja nicht verboten: „Auch wenn viele Bürger jetzt fordern, den Laden einfach zu schließen, ist das nicht so einfach, denn bei uns ist ein Einzelhandel für Damen- und Herrenmode eingetragen“, so Ecker weiter.

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