Rechtsextreme Fußballfans 

Fan-Betreuerinnen berichten am HGW

Andrea Sailer (links) vom Fanprojekt der Arbeiterwohlfahrt München berichtete über ihre Arbeit.

Rechtsextremismus im Allgemeinen und Rechtsextremismus im Fußball im Besonderen - dies waren die beiden Schwerpunkte einer Veranstaltung für die neunten Klassen des Hallertau-Gymnasiums Wolnzach (HGW) im Rahmen der Reihe mit historischen bzw. sozialkundlichen Themen in diesem Schuljahr. 

Rechtsextremismus im Allgemeinen und Rechtsextremismus im Fußball im Besonderen - dies waren die beiden Schwerpunkte einer Veranstaltung für die neunten Klassen des Hallertau-Gymnasiums Wolnzach (HGW) im Rahmen der Reihe mit historischen beziehungsweise sozialkundlichen Themen in diesem Schuljahr.

Keine Glatzen und Bomberjacken mehr

In jeweils zwei Schulstunden für jeweils zwei neunte Klassen gab zunächst Dr. Helmut Volk von der Schulberatungsstelle Oberbayern-West einen allgemeinen Überblick über das Thema „Rechtsextremismus“. Dabei stellte er neue Strategien der rechtsextremistischen Szene in den Vordergrund, weg von einem Image der Glatzen, Bomberjacken und Springerstiefel, stattdessen die äußerliche Angleichung an andere Jugendkulturen und die Übernahme ehemals linker Symbole wie des Palästinensertuches. Sehr deutlich wurde jedoch, dass scheinbar harmlos klingenden Zielen, wie „Freizeit“, „Spaß“ und „Kameradschaft“, gleichzeitig Gewaltbereitschaft gegenüber Minderheiten, Antisemitismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit gegenüberstehen. 

Seit 1990 seien mindestens 150 Menschen von Tätern mit rechtsextremistischem Hintergrund ermordet worden: Ausländer, Asylbewerber, Menschen mit Migrationshintergrund, Behinderte, Obdachlose. An Beispielen aus der rechten Musikszene (Rechtsrock, „NS-Hatecore“, „NS-Black-Metal“) wird klar, wie durch extrem aggressive Musik Einfluss auf Jugendliche genommen werden soll. Aber auch Volkslieder, Schlager etc. werden umgetextet. Unter einem fröhlichen Deckmäntelchen werden rechtsextreme Inhalte transportiert. So hat die „Nordseeküste“ plötzlich keinen „plattdeutschen“, sondern einen „arischen Strand“.

Andrea Sailer und Stephanie Dilba vom Fan-Projekt München des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sind für die Fans des TSV 1860 München zuständig und betreuen sie insbesondere bei Auswärtsspielen. An Beispielen wie Alemannia Aachen, Borussia Dortmund, Eintracht Braunschweig, Energie Cottbus und Dynamo Dresden wurde aufgezeigt, wie rechtsextremistische Gruppen versuchen, Einfluss auf die jeweilige Fanszene und Fankultur zu nehmen. Besondere Probleme können sich bei Auswärtsspielen ergeben, wenn unterschiedliche Fangruppen aufeinandertreffen. 

Rechtsextreme unterwandern Fangruppen

An vielen Beispielen wird klar, wie sich Rechtsextremisten durch bestimmte Symbole, Dresscodes, Buttons, Tattoos usw. zum einen gegenseitig erkennen und zum anderen in den jeweiligen Fangruppen positionieren und versuchen, diese zu unterwandern. Arten und Formen der Diskriminierung seien vielfältig.

Anhand eines Ausschnitts aus dem Dokumentarfilm „Kick it like Kurt“ wurde deutlich, wie historische Traditionen sich bis heute auswirken. Kurt Landauer war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts jahrzehntelang Präsident des FC Bayern München (auch im Jahr der ersten deutschen Meisterschaft 1932) und prägte das Profil des Vereins als offen für ausländische Trainer und Spieler, für Freundschaftsspiele mit Vereinen aus aller Welt und für die problemlose Integration von Spielern jüdischen Glaubens. Wenige Wochen nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler verlor Landauer seine Stelle bei den Münchner Neuesten Nachrichten, musste das Amt des Bayern-Präsidenten aufgeben und wurde als Jude politisch verfolgt.

„Mehrheit sind Fans im besten Sinne“

Sailer und Dilba stellten nun die gegenwärtige Fanszene des TSV 1860 vor, wobei sie sich als überzeugte Anhängerinnen und Fans des Vereins bezeichneten. Sie berichteten über ihre konkrete Arbeit und betonten, dass die überwältigende Mehrheit der 60er-Fans Fußball-Fans im besten Sinne seien, die für ihren Verein leben und keine Gewaltbereitschaft erkennen ließen. Immer wieder würden aber rechtsextremistische Gruppierungen versuchen, Einfluss zu nehmen. Probleme ergäben sich insbesondere bei Auswärtsspielen, wo unterschiedliche Fangruppen aufeinanderprallen und die Fans der Auswärtsmannschaft in der Minderheit seien. Hier komme es durchaus vor, dass Spieler mit Migrationshintergrund angepöbelt würden und es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen komme. Schwierigkeiten gebe es beispielsweise auch bei Champions League-Spielen deutscher Vereine im Ausland. Auch in anderen Ländern seien rechtsextremistische Einstellungen verbreitet. Insgesamt sei die Problematik aus Sicht der Fan-Beauftragten überschaubar, es müsse aber ständig daran gearbeitet werden, dass Diskriminierung jeglicher Art so weit wie möglich bekämpft werde.

Die Schülerinnen und Schüler bedankten sich für zwei interessante und abwechslungsreiche Stunden mit einem großen Applaus.

Quelle: freising-online

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