Tattoo-Künstler aus Au reicht Klage ein

Trotz hohen Hygienestandards: Tattoo-Studios leiden unter zweitem Lockdown

Ein Tätowierer mit Stirnlampe bei der Arbeit
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Tom Kohout – hier bei einer Convention – klagt gegen die Zwangsschließung seines Tattoo-Studios, und er ist nicht allein..

Der „Lockdown Light“ zwingt nicht nur die Gastronomie in die Knie. Jetzt klagt ein Tattoo-Künstler aus Au/Hallertau gegen die Schließungsanordnungen aus Berlin.

Tom Kohout, der zusammen mit seiner Ehefrau Michaela Kohout-Kves ein mehrfach preisgekröntes Studio an der Ortsdurchfahrt in Au betreibt, klagt zusammen mit 400 anderen, darunter Gastronomen, Kosmetik-Studios und natürlich weiteren Tattoo-Künstlern. 

Die Kläger sehen einen großen Vorteil für sich, weil bereits zwei Bundesländer bei der sogenannten Bundesregelung ausgeschert sind: Thüringen und Sachsen-Anhalt. Parallel dazu kursiert ein Urteil, das die Beschränkungen schon deshalb aufhebt, weil sie ohne Beteiligung der Parlamente und damit nicht verfassungskonform zustande gekommen seien.

„Die Hygienestandards in Tattoo-Studios sind denen beim Hausarzt überlegen“.

Tom Kohout

Kohout zweifelt zudem die Begründung insgesamt an, die nach seinen Informationen wesentlich darauf aufbaut, dass die Künstler die Abstände nicht einhalten können. Nur: Das können Friseure auch nicht. Aber die sollen weiter machen dürfen, obwohl die Hygienekonzepte der Tattoo-Künstler von Haus aus deutlich höher angesiedelt sind. Mehr noch: Er und seine Frau arbeiten im Schichtbetrieb, das heißt: Es ist nur ein Künstler mit einem Kunden im Studio, Begleitpersonen sind auch nicht mehr zugelassen. Kohout schätzt, dass die Hygienestandards in den Tattoo-Studios sogar denen beim Hausarzt überlegen seien. Dass das keine Übertreibung ist, wird sichtbar bei dem Aufwand, der getrieben werden muss, wenn eine Tattoo-Convention organisiert werden muss. Erst kommt das Gesundheitsamt, dann die Künstler, und dann erst die Kunden.

Die Zwangs-Schließung ist verbunden mit einem Hilfsangebot des Bundes, aber das nennt Kohout einen Tropfen auf den heißen Stein. Erstens kommen diese Mittel, wenn überhaupt, mit einer gewaltigen Verspätung, zweitens sind 70 Prozent einfach zu wenig. Tatsächlich hat das Ehepaar ein Kind, das auch Hunger hat. In Attenkirchen begnügen sich die Leute von „Crown Scull Tattoos“ noch damit, Termine zu verschieben, in Moosburg werden Durchhalteparolen ausgegeben: „Keine Angst, das Studio bleibt bestehen.“ Dass es auch anders kommen kann ist an einer Reaktion auf die Klage-Mitteilung der Auer Künstler abzulesen: „Uns haben sie schon in die Knie gezwungen“.

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