Pandemie hat die Lage des MAN-Unternehmens verschärft

Der Vorstandsvorsitzende verteidigt Personalabbau bei der MAN Hauptversammlung

Der Hauptversammlung im MAN-Gebäude in Ludwigsfeld: Vorstandschef Andreas Tostmann, Finanzvorstand Christian Schenk, Aufsichtsratsvorsitzender Matthias Gründler und ein Notar
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Nur vier Personen befanden sich während der Hauptversammlung im MAN-Gebäude in Ludwigsfeld: Vorstandschef Andreas Tostmann, Finanzvorstand Christian Schenk, Aufsichtsratsvorsitzender Matthias Gründler und ein Notar. Links: Vor einigen Wochen hat MAN ein Corona-Diagnostikfahrzeug vorgestellt. Dieses rollende Labor ermöglicht schnelle Testergebnisse, mehr als 500 am Tag.

Mit klaren Worten hat Andreas Tostmann, der Vorstandsvorsitzende der MAN SE, die Notwendigkeit von Kostensenkungen und den damit verbundenen Personalabbau auf der Hauptversammlung des Konzerns verteidigt. Diese fand am Mittwoch erstmals virtuell statt.

Tostmann bezeichnete dabei die Maßnahmen, die mit dem Abbau von Arbeitsplätzen verbunden sind, als „eine der schwierigsten Aufgaben meiner beruflichen Laufbahn“. Zuvor betonte er, dass er es verstehe, dass sich „die Kolleginnen und Kollegen Sorgen machen“. Deswegen, so Tostmann, seien konstruktive Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern nötig. Er freue sich, dass diese zeitnah fortgesetzt würden.

Die Pandemie hat die Lage dramatisch verschärft

Tostmann betonte in seiner Rede vor den Aktionären auch, dass dem Vorstand schon vor der Corona-Krise klar war, dass das Jahr 2020 für MAN nicht einfach werden würde. Die Pandemie habe jedoch „die Lage dramatisch verschärft.“ So werde das operative Ergebnis der MAN Gruppe in 2020 voraussichtlich im Bereich zwischen minus 550 und minus 750 Millionen Euro liegen. Entsprechend werde sich auch die Operative Rendite im Vergleich zum Vorjahr drastisch verschlechtern. Weil die Lage „extrem volatil“ bleibe, „achten wir strikt auf unsere Kosten.“ MAN stehe vor einem tiefgreifenden Wandel, so der MAN-Chef. Elektrifizierte Nutzfahrzeuge würden die Straßen erobern, der Gesetzgeber fordere für Lkw über 16 Tonnen bis 2030 eine CO2-Reduzierung von 30 Prozent im Vergleich zum aktuellen Niveau. Immer häufiger könnten die Fahrer automatisierte Fahrfunktionen nutzen. Und die Wertschöpfung verschiebe sich mit der Digitalisierung hin zu den Dienstleistungen. Um diesen Wandel stemmen zu können, seien erhebliche finanzielle Mittel erforderlich. Deswegen möchte MAN das operative Ergebnis bis 2023 um 1,8 Milliarden Euro verbessern und dann eine Operative Rendite von 8 Prozent über den Zyklus erreichen. Nur so bekomme der Konzern „den finanziellen Spielraum, um unser Potenzial zu entfalten.“ Dazu gehöre „ein Abbau von Arbeitsplätzen bei MAN Truck & Bus.“ Auf eine Frage eines Aktionärs, ob MAN in der Übergangsphase, in der mehrere Antriebstechniken parallel produziert und nachgefragt würden, antwortete der MAN-Chef: „Auch die Übergangsphase lässt sich mit einer reduzierten Mannschaft bewältigen“.

Tostmann hatte auch Erfreuliches zu berichten. Mit der neuen Truck Generation habe MAN heuer herausragende Produkte auf den Markt gebracht. Der TGX, das neue Flagschiff, erhielt vor zwei Wochen sogar den „Oscar der Nutzfahrzeugbranche“: Er ist International Truck of the Year 2021.

MAN hatte im September angekündigt, mehr als 3000 Arbeitsplätze in München-Ludwigsfeld und Dachau abbauen zu wollen. 2600 MAN-Beschäftigte leben im Landkreis Dachau.

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