MAN-Werk im Landkreis Dachau

MAN-Erfolg zu früh gefeiert?

MAN-Werk in Karlsfeld
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Ist die Nachricht, dass das MAN-Werk in Karlsfeld als weltweite Unternehmenszentrale gerettet sei, nur ein vorläufiger Erfolg?

Auf den ersten Blick sind es gute Nachrichten, die der Vorstand der MAN Bus & Truck, der MAN-Gesamtbetriebsrat und die IG Metall am 26. Januar verkündeten: In einem gemeinsam vereinbarten Eckpunktepapier haben sich die Parteien darauf verständigt, dass der Standort München die weltweite Unternehmenszentrale von MAN Truck & Bus bleibt. 

München ist auch weiterhin das Hauptproduktionswerk für Lkw mit Fahrerhausausstattung und Montage sowie das Zentrum der MAN-Entwicklung. Ende 2022 sollen 7.500 unbefristete Stammmitarbeiter am Standort beschäftigt sein, momentan sind es über 9.000 Mitarbeiter.

Doch sieht man genauer hin, zeigt sich, dass vieles vorläufig ist, was bereits als großer Erfolg gefeiert wird: Das Eckpunktepapier soll als Grundlage für einen noch zu verhandelnden Tarifvertrag dienen, der eine Neuausrichtung des Unternehmens zum Ziel hat (die DACHAUER RUNDSCHAU berichtete).

Bereits besprochen ist, dass in Deutschland zwar nicht wie ursprünglich geplant, 9.500 Stellen, aber immerhin noch rund 3.500 Stellen über alle Beschäftigungsgruppen sozialverträglich abgebaut werden. Auf Nachfrage teilte ein MAN-Sprecher mit, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau feststehe, wieviel Stellen in den einzelnen Standorten abgebaut werden. Details müssten erst verhandelt werden.

In Verhandlungen, die in einem Zukunftstarifvertrag münden sollen, müsste ein Interessensausgleich gefunden werden. Auf die Frage, ob die Klage des Betriebsrats vor dem Arbeitsgericht München wegen der Aufkündigung der Beschäftigungsgarantie durch die Unternehmensleitung durch die Vereinbarung der Eckpunkte vom Tisch sei, wollte der Sprecher nicht antworten. Er wies darauf hin, dass MAN Truck & Bus weiter eine durchschnittliche operative Umsatzrendite von acht Prozent anstrebe.

Zahlreiche Mitarbeiter bangen um ihren Arbeitsplatz

Dies bedeute, dass das Ergebnis des Unternehmens um 1,7 Milliarden Euro pro Jahr verbessert werden müsse. Es sei die Voraussetzung dafür, dass MAN mittelfristig weiter in wichtige Zukunftstechnologien investieren könne. Das Unternehmen plane jetzt, 550 Millionen pro Jahr bei Personal- und Sachkosten einzusparen. Durch „zusätzliche Vertriebsleistungen“ sollen jährlich rund 450 Millionen Euro zusätzlich erwirtschaftet werden, hinzu kommen geplante Einsparungen auf der Materialkostenseite in Höhe von rund 700 Millionen Euro pro Jahr. Gerade diese Zielvorgaben sind es, die bei den Mitarbeitern des Unternehmens nicht nur Freude über die vorläufige Verständigung von Vorstand und Betriebsrat auslösen. Es gebe zahlreiche Kollegen, die weiterhin Sorgen um ihren Arbeitsplatz haben, berichtet eine langjährige MAN-Mitarbeiterin. So seien betriebsbedingte Kündigungen vorläufig nur bis Ende September nicht möglich, ein weiterer Ausschluss solcher Kündigungen müsse erst noch in dem noch zu verhandelnden Zukunftstarifvertrag detailliert geregelt werden. Auch ein Abbau von etwa 1.500 Jobs am Standort München sei ein Einschnitt, auch wenn ursprünglich von einem Abbau von 3.000 Jobs die Rede war. Die Mitarbeiterin fragte auch, was passiere, wenn sich zu wenige Arbeitnehmer freiwillig für Abfindungs- oder Vorruhestandsprogramme finden würden.

Weitaus zufriedener zeigt sich dagegen Andreas Tostmann, Vorsitzender des Vorstands der MAN Truck & Bus SE: „Wir freuen uns, dass wir nach intensiven Gesprächen mit diesem Eckpunktepapier eine gemeinsame Basis gefunden haben. Jetzt haben wir die Möglichkeit, MAN wirtschaftlich robust, innovativ und zukunftsfähig neu aufzustellen. Gemeinsam werden wir die Neuausrichtung von MAN konsequent umsetzen und in die Zukunftsfelder Digitalisierung, alternative Antriebe und Automatisierung sowie in die Qualifizierung unserer Mitarbeiter investieren“, sagt der Vorstandchef. Auch die lokale Politik zeigte sich erleichtert (die DACHAUER RUNDSCHAU berichtete). Mit dieser Lösung seien schlimmste Befürchtungen weitestgehend abgewendet worden.

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