Anonyme Alkoholiker Markt Schwaben

„Alkoholsucht ist eine Familienkrankheit“

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Die Anonymen Alkoholiker sind eine Gemeinschaft, die Erfahrungen gegen den gemeinsamen Feind teilt: die Alkoholabhängigkeit

Die Anonymen Alkoholiker sind eine Gemeinschaft, die Erfahrungen gegen den gemeinsamen Feind teilt: die Alkoholabhängigkeit

Markt Schwaben – Am letzten Dienstag im Monat treffen sich in Markt Schwaben Angehörige von Alkoholikern und die Betroffenen selbst zu einem gemeinsamen Meeting. Was alle gemeinsam haben, außer dass Alkohol ihr Leben mitbestimmt?
Sie haben alle den Wunsch frei zu sein, von der Sucht, von der Abhängigkeit, auch von der Co-Abhängigkeit, von den Ängsten, vom Alleinsein, vom Schweigen, von der zwischenmenschlichen Sprachlosigkeit, die der Konsum mit sich bringt. Und natürlich auch von den körperlichen Symptomen.
Glaubt man neuesten Statistiken, dann ist Deutschland in Europa das Land, in dem am meisten getrunken wird. Es ist nicht nur immer der Obdachlose am Rande der Gesellschaft, der Alkoholkrank ist.
Die von den Deutschen so geliebte Substanz ist in allen Schichten zu Hause. Da kann man vom Hochschulprofessor lesen, der in der monatlich erscheinenden Zeitung der AA (Anonymen Alkoholiker) beschreibt, wie lange er gebraucht hat, um überhaupt zu akzeptieren, dass er eben nicht nur „manchmal ein bisschen zu viel getrunken hat“.

„Ich dachte immer, der müsste doch nur mit dem Saufen aufhören“

Das kleine Magazin ist voll von solchen Geschichten – es sind Mutacher für diejenigen, die den Weg weg vom Alkohol noch vor sich haben. Es scheint, dass es einen gewissen Leidensdruck geben muss, bevor die „Einsicht“ kommt, dass man krank ist. Das Delirium – eine vorübergehende Störung des Bewusstseins –, ist wohl eine der gefürchtetsten „Nebenwirkungen“, übermäßigen Alkoholkonsums. Aber es sind nicht nur die Konsumenten betroffen, im Meeting hört man den Ausdruck: „Alkoholsucht ist eine Familienkrankheit“. Da erzählt Marianne, wie lange sie gebraucht hat, um zu erkennen, dass die Krankheit ihres Mannes sie genauso beeinträchtigt: „schlicht und ergreifend kommt mit dieser Krankheit das ganze Familiensystem durcheinander“. Wichtig sind diese gemeinsamen Treffen vor allem, weil Betroffene und Angehörige sich zuhören müssen. „Zu Hause würde das schon wieder in eine Diskussion ausarten.“

Erika erzählt, dass sie anfänglich ihren Mann in seiner Sucht gar nicht verstanden hätte: „Ich dachte immer, der müsste doch nur mit dem Saufen aufhören.“ So wichtig diese gemeinsamen Treffen auch sind, so notwendig ist es auch für die Betroffenen selbst, alleine unter sich sein zu können. „Da gab es bei mir ganz viele Dinge, die ich am Anfang niemals hätte vor meiner Frau aussprechen wollen, da war viel zu viel Scham da“, erzählt Hans von seiner Anfangszeit bei den AA. Und Franz ergänzt: „Dass ich jemanden mit meiner Sucht hätte verletzen können, verstand ich erst bei den offenen Meetings.“
Als Halt durch die Sucht gibt es bei den AA ein 12-Schritte-Programm, das auch für die Gruppe der Al-Anon (Angehörigen) herangezogen wird. Und bei jedem Treffen wird die Präambel der Anonymen Alkoholiker vorgelesen.

Wichtigster Satz: Der Wunsch mit dem Trinken aufzuhören ist die einzige Voraussetzung, um hier dabei sein zu dürfen. Statt trinken, hört man an diesem Abend, sehr oft das Wort „Saufen“. Als jemand, der vom Thema nicht betroffen ist, erschrickt man sogar ein wenig darüber. Aber mit der Anzahl der Geschichten, die erzählt werden, beginnt man zu verstehen, warum die Menschen in der Runde diesen Ausdruck verwenden. Das Wort saufen, ist so brutal, wie der Alkoholismus an sich. Die Sucht ist übergriffig, zieht erst einmal alles und jeden in ihren Bann. Und es scheint die Gemeinschaft zu sein, die als einziges Gegengift wirkt. Betroffene können sich gerne bei den Anonymen Alkoholikern melden unter Tel. (089) 55 56 96 oder einfach dienstags, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum (Martin-Luther-Straße 15, Markt Schwaben) zur Gruppe dazukommen. - tt

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