Großes Interesse

Auftaktveranstaltung: Gemeinde mit Courage

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Großes Interesse gab es bei der Auftaktveranstaltung „Poing, Gemeinde mit Courage“.

Ein Zeichen gegen Religionshass, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus: Die Auftaktveranstaltung zu "Eine Gemeinde mit Courage" in Poing stieß auf großes Interesse

Poing - „Eine Gemeinde mit Courage“ – eine Aussage, die Bürger sicherlich aufhorchen lässt. Und zirka 70 kamen  in die Poinger Dominik-Brunner-Realschule zur Auftaktveranstaltung „Entwicklung eines Leitbilds für Poing“ . Vorausgegangen war der einstimmige Gemeinderatsbeschluss vom 25. Oktober zum SPD-Konzept „Eine Gemeinde mit Courage – Gemeinde gegen Religionshass, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus“ mit der Vorgabe, ein deutliches Zeichen gegen die wachsende Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit zu setzen und als „Eine Gemeinde mit Courage“ durch Projekte und Veranstaltungen die Bevölkerung zu sensibilisieren sowie den Zusammenhalt in der Gemeinde zu stärken. 

Bei seiner Begrüßung erwähnte Bürgermeister Albert Hingerl nochmals seine Vorgangsweise gegen die fremdenfeindliche Wahlwerbung („Islamfreie Schule“) einer Partei, von der er eine Dienstaufsichtsbeschwerde bekam. „Das wird es in meiner Gemeinde nicht geben“ verteidigte Hingerl seine Aktion und wollte damit „klare Kante“ zeigen. Ebenso stellte er klar, dass die Bezeichnung „Eine Gemeinde mit Courage“ für ihn keine Priorität habe, zumal es dafür gar kein Zertifikat gibt. Vorbild sind für ihn die Dominik-Brunner-Realschule und die Seerosenschule, die beide die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ tragen. Matthias Wabner, Schulleiter der Dominik-Brunner-Mittelschule, sprach nochmals über die Hakenkreuz- Schmierereien, die damals spontan Lehrer und Schüler vereinte und in kurzer Zeit in das europäische Netzwerk der "Schulen ohne Rassismus - Schulen mit Courage" aufgenommen wurden. Doch die blieb nicht alleine. „Ich habe mich gefreut, dass sich meine Schüler/innen ebenfalls zur Toleranz bekannten“ sagte Schulleiter Jörn Bülck, und versprach, „dass die gesamte Schule die Gemeinde in ihren Vorhaben unterstützen wird.“ Weiters meinte Bülck, dass „seine Schüler/innen noch mehr Courage brauchen als andere. Wir stehen im Fokus. Und wenn mal was passiert, müssen wir uns fragen, was wir falsch gemacht haben.“ 

Poing agiert statt zu reagieren

Wabner gab zu, dass Mobbing in einer Schule mit Zertifikat keinesfalls auszuschließen ist. Beide Lehrer betonten, dass die Gemeinde nicht alles richtig machen kann. Das sah auch Nicola Hieke, Leiterin der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus im Bayerischen Jugendring, möchte das Projekt begleiten. „Es gibt wenige Gemeinden, die sich über dieses Thema Gedanken machen und vorausschauen“ lobte sie die Anwesenden, „denn Poing agiert statt zu reagieren – und wartet nicht, bis fremdenfeindliche Gruppen auf den Straßen demonstrieren und die Gemeinde unterwandern“. Klingt alles einleuchtend – aber reicht ein Zertifikat oder eine Absichtserklärung? Nein! Man braucht eine kompetente Steuerung, die Beteiligungen klärt, Ehrenamtliche koordiniert, Inhalte zusammenführt und Plattformen schafft, wo alles zusammenläuft.

 „Das wollen wir mit einer Gründung einer Initiative schaffen“ erklärte Michael Krach (Referat Kinder, Jugend, Familie, Senioren, Schule und Bildung) und wies auf eine ausgelegte Liste hin, in die man sich eintragen könnte. Daraus wird eine Arbeitsgruppe gebildet, die den Prozess weiterentwickeln soll. „Die wird nicht von der Verwaltung bestimmt“ erklärte Hingerl die Auswahl. Es gab auch kritische Stimmen. Für Dieter Finkhäuser vom Asyl-Helferkreis ist das Ganze eine Nummer zu groß: „Unser Verein macht seit Jahren im Stillen und warum muss man jetzt noch was Zusätzliches ins Leben rufen. Werden wir nicht mehr gebraucht?“ stellte er die Frage. „Es geht nicht nur um Flüchtlinge, sondern um Ausgrenzung“ antwortete Bärbel Kellendorfer-Schmid, SPD-Gemeinderätin und Vorstandsmitglied des Familienzentrums. „Wir müssen Helferkreis und Familienzentrum einbinden und vor allem auch sozial schwache Poinger – egal, welcher Herkunft – auffangen. Man muss nicht in einem Verein sein, um sich zu engagieren.“

 SPD-Gemeinderat und Initiator Omid Atai möchte eine Kerngruppe installieren, die als eine „Begegnungsstätte für Vertrauen" fungiert. Gemeinderat Reiner Koch (SPD), Präsident des Bayerischen Fußballverbandes und Vize des Deutschen Fußballbund, „möchte in Poing kein Chemnitz erleben“ und es „dürfen auf keinen Fall die Werte verloren gehen.“ Einen leidenschaftlichen Appell richtete Peter Stöckl vom Poinger Helferkreis an das Gremium: „Wir müssen aufstehen und versuchen, dass eine große Mehrheit lauter ist als eine extreme Minderheit.“ Vielleicht passt dazu der Vorschlag, auf dem Kreisel an der OMV-Tankstelle für den Slogan „Poing, Gemeinde mit Courage“ zu werben.

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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