Über 100 Tage im Amt

Die Corona-Krise bestimmte die ersten Monate des Poinger Bürgermeisters Thomas Stark

Bürgermeister Thomas Stark am Schreibtisch im Rathaus in Poing
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Bürgermeister Thomas Stark freut sich auf eine „normale“ Zeit ohne Pandemie in seiner Gemeinde

„„Ich möchte mehr persönliche Begegnungen mit den Bürgern“: Die Corona-Krise bestimmte die ersten Monate des Poinger Bürgermeisters Thomas Stark

Poing – Das war eine echte Überraschung, als am 19. Juni 2019 die Poinger CSU den parteilosen Thomas Stark als ihren Bürgermeisterkandidaten vorstellte. Seit 2016 ist der gebürtige Oberfranke als Geschäftsleiter in der Verwaltung tätig, die der scheidenden Bürgermeister Albert Hingerl noch bis Ende April als Bürgermeister vorstand. Bei der Kommunalwahl am 29. März 2020 setzte sich Thomas Stark in einer Stichwahl gegen seinen Konkurrenten Reinhard Tonollo (SPD) durch.

Bereits am 1. Mai ging Thomas Stark (55) in sein „neues“ Büro. Sein erster Gedanke: „Jetzt bin ich hier der Chef und habe Verantwortung für 160 Mitarbeiter und 16.700 Bürger“. Er ließ die Stille des Raumes auf sich wirken, die am 4. Mai sicherlich eine andere sein würde.

Er war sich sicher: Die Covid-19-Krise brauchte weiterhin seine volle Aufmerksamkeit. Am ersten Arbeitstag standen Fachbereichsleiter-Besprechungen an, in der er die weitere Zusammenarbeit und Abläufe konkretisierte, und führte außerdem Einzelgespräche mit den meisten seiner Mitarbeiter. Auch die neue Geschäftsstellenleiterin, Dr. Muriel Brodbeck, die in seinem „alten“ Zimmer residiert, machte er im Rathaus bekannt.

Im Büro seines Vorgängers Albert Hingerl hat er kaum was verändert. An der Wand hängt ein Bild eines Schachbretts – sonst ist alles weiße Fläche. Die Möbel sind noch die gleichen. Das hat seinen Grund: Im kommenden Jahr zieht Stark mit Sekretariat und Geschäftsleitung in den zweiten Stock. Im Zuge des Rathaus-Umbaus wird in den jetzigen Bürgermeister- und Geschäftsführungsräumen ein barrierefreies Bürgerbüro und Standesamt entstehen.

Jetzt, über 100 Tage später, bestimmt unter anderem Corona noch immer seinen Amts-Alltag und auch das politische Geschäft. Er installierte eine Corona-Hotline, die er am Wochenende oft selbst betreute. Leider wurde durch die Pandemie sein „erster“ öffentliche Auftritt, das Maibaum-Aufstellen, verhindert. Dem Stillstand des sozialen Umfelds fiel auch das Straßenfest und der Marktsonntag zum Opfer. „Ich brauche den direkten Kontakt zum Bürger“ sagt der Rathaus-Chef und noch muss er den meist telefonisch erledigen. In der Bürgersprechstunde, die sehr gut angenommen wird, sind die Themen vielseitig: Kinderbetreuung, Bauen und Umwelt oder beispielsweise Beschwerden wegen des Lärms am Bergfeldsee. „Ich kann nicht alle Erwartungen erfüllen. Ich kann nur zuhören und dann im Sinne des Bürgers handeln“ so Stark. Trotz eines eng getakteten Terminkalenders nimmt er sich immer wieder die Zeit, Leute auf der Straße zu treffen. „Viele wollen ein persönliches Gespräch und nicht den anonymen Telefon- oder E-Mail-Kontakt“.

Natürlich erfordern all jene Projekte, die noch vor seinem Amtsantritt angestoßen wurden, seine ganze Aufmerksamkeit. Eines davon liegt in Sichtweite seines Büros: Der Ersatzneubau der Karl-Sittler-Grundschule. Bereits ein Jahr ist der Eröffnungstermin überschritten, aber jetzt soll vom bevorstehenden Schuljahr der Unterricht für zwölf Klassen stattfinden. „Wenn ich die Baustelle inspiziere, bin ich sicher, dass es klappt“ so Stark, „es werden schon die Möbel aufgestellt und der Rest kann später erledigt werden“.

Ein gutes Gefühl hat er auch beim Gymnasium, das 2024 Platz für 1.000 Schüler bieten wird. Ebenso stehen bei den aktuellen und zukünftigen EOF-Wohnungen die Signale auf Grün. Auch die Sanierung des Sportparks ist beschlossene Sache und die Straßensanierung hat darf nicht aufgeschoben werden. „Bei allen anderen Vorhaben, beispielsweise dem Schulschwimmbad, müssen wir uns überlegen, was wir uns leisten können“ sagt Stark. Ebenso war der Bau der beiden Eisenbahnunterführungen und die Weiterführung der Anzinger Straße nötig.

„Durch die Steuerrückzahlung in Millionenhöhe wurden Kostensteigerungen abgefangen und unsere Verschuldung in Grenzen gehalten. Deshalb gibt es zurzeit keinen Stillstand bei den laufenden Aufgaben“ freut sich Stark.

Erfreut ist er auch über die Zusammenarbeit mit dem „neuen“ Gemeinderat, die er als konstruktiv und zielführend bezeichnet. Dabei hilft ihm auch seine langjährige Geschäftsleitertätigkeit („das gute Klima der letzten Jahre hat sich nicht geändert“). Auch das Verhältnis zu seinen Stellvertretern, Reinhard Tonollo (SPD) und Werner Dankesreiter (Grüne), bezeichnet er als hervorragend. Beispiel: Während seines Urlaubs hat Reinhard Tonollo die Probleme der Kindergartenschließung Am Endbachweg „bestens gelöst“.

Natürlich hat ein Bürgermeister auch Ämter inne, die nur peripher mit seiner Arbeit zu tun haben. Für Thomas Stark gilt: „Ich mache nur das, was unmittelbar mit meinem Amt zu tun hat und möchte mich hauptsächlich auf die Gemeinde konzentrieren“. Deshalb ist er nur bei VHS, Pflegestern und Gemeinsames Kommunalunternehmen gKu VE München-Ost im Vorstand vertreten. Wichtig ist für ihn auch der Austausch mit den Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden, wo – wie er - einige „Neulinge“ ihre Arbeit begannen.

Wenn Thomas Stark auf die fünf Monate seiner Amtsperiode zurückblickt, war es für ihn eine „spannende“ Zeit. „Alle Facetten kamen auf mich zu“ so Stark, „die meisten konnte ich mit meiner Mannschaft im Rathaus zu aller Zufriedenheit lösen.“ Darunter zählt auch ein solider finanzierter Haushalt für die nächsten Jahre, die hoffentlich durch ein Pandemie-Ende seine Arbeit etwas angenehmer machen. Für die wünscht er sich „mehr persönliche Begegnungen mit den Bürgern“, mehr Zeit zum Bergwandern und Radfahren, und als leidenschaftlicher Fan von 1860 München „endlich wieder einen Besuch im Stadion“ - fu

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