Ziele der Energiewende

Energiewende 2030 – Wo stehen wir?

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Hans Gröbmayr von der Energieagentur Ebersberg-München und KUMS-Vorstand Bernhard Wagner im Energiegespräch vor dem Windrad in der Gemeinde Bruck

Was wurde bisher geschafft? Welche Möglichkeiten stehen den Bürgern offen? – Das Kommunalunternehmen Markt Schwaben betrachtet die Ziele der Energiewende

Markt Schwaben – Das Kommunalunternehmen Markt Schwaben AöR (KUMS) und die Energieagentur Ebersberg-München schauen zusammen auf die Energiewendeziele 2030. Im Energienutzungsplan Ebersberg 2015 heißt es, man verpflichte sich dem Klimaschutz und wolle möglichst rasch Strom und Wärme aus eigenen Ressourcen generieren und frei von endlichen Ressourcen werden. Was wurde mittlerweile realisiert? Im Landkreis Ebersberg wurden zur Umsetzung der Energiewende hervorragende Strukturen aufgebaut. Viele Kommunen beschäftigen Klimaschutzmanager*innen zur Umsetzung der im Energienutzungsplan genannten Projekte. Da nur wenige Gemeinden über eigene Gemeindewerke verfügen, so wie etwa Markt Schwaben, nimmt landkreisweit das EBERwerk diese Aufgabe wahr. Hans Gröbmayr, scheidender Geschäftsführer der Energieagentur Ebersberg-München, stand zusammen mit über 20 Mitarbeiter*innen den Bürgern, Kommunen und Unternehmen bei allen Fragen zur Umsetzung von Energieprojekten zur Seite. Er motiviert überzeugt „Nun gilt es, kraftvoll die Projekte umzusetzen. Dazu gehört vor allem, dass vorhandene Effizienzpotenzial auszuschöpfen und die regenerativen Erzeugungsprojekte anzupacken. Dafür bedarf es Windräder und der Nutzung der Sonne auf allen Dächern aber auch in der Freifläche. Denn bisher haben wir im Landkreis erst ein Fünftel des Weges geschafft.“ Unter Federführung der Energieagentur wird der sogenannte digitale Energienutzungsplan derzeit im Landkreis München und im kommenden Jahr für den Landkreis Ebersberg erarbeitet. Der Plan soll deutlich aufzeigen, welche erneuerbaren Ressourcen wo im Landkreis verteilt zur Verfügung stehen und wie sich damit passgenau der Bedarf für Gebäude abdecken lässt. 

Daraus lässt sich ebenso ableiten, wo der Bau eines Wärmenetzes angestrebt werden sollte, aber auch, wie sich die restlichen Gebäude regenerativ und kosteneffizient versorgen lassen. Neben den technischen Nutzungsmöglichkeiten dient dieser Energienutzungsplan auch dem gesellschaftlichen Diskurs. Obgleich das Interesse an der Energiewende steigt, erscheint die Umstellung auf ein Energiesystem basierend auf erneuerbaren Energien für viele Bürgerinnen und Bürger immer noch sehr abstrakt, oft sogar unmöglich. Dazu Hans Gröbmayr: „Der Energienutzungsplan macht die großen Potenziale im Landkreis sichtbar, zeigt aber auch, wo wir mit den lokal verfügbaren Ressourcen gut haushalten müssen. Um die Klimaziele zu erreichen, haben Öl und Gas als Energieträger ausgedient. Der CO2-Preis wird sie zudem in wenigen Jahren unwirtschaftlich machen. Jetzt ist die richtige Zeit, auf umweltfreundliche Heizsysteme umzustellen.“ KUMS-Vorstand Bernhard Wagner bestätigt das wachsende Bewusstsein der Bürger für die Notwendigkeit zur Energiewende. „Bei uns als kommunaler Wärmeversorger klopfen immer häufiger Bauunternehmen wie auch private und gewerbliche Hauseigentümer an, um ein individuelles Angebot für den Anschluss an das kommunale Wärmenetz abzufragen.

Uns ist wichtig, dass sich unser Wärmeleitungsnetz sukzessive ausdehnt und verzweigt, um neben den kommunalen Gebäuden auch viele privatwirtschaftliche Einheiten anzubinden. Denn je mehr Bürgerinnen und Bürger sich dazu entschließen, desto effizienter wirken sich alle Maßnahmen aus.“ Der Anteil an Versorgung aus erneuerbaren Energiequellen ist gerade in den letzten fünf Jahren enorm gewachsen. Das liegt einerseits an dem kommunalen wie auch am Bürger- Bewusstsein, hier etwas tun zu müssen. Andererseits kamen und kommen die staatlichen Fördermittel an, die sehr beachtet und in Anspruch genommen werden. Besonders das BAFA-Programm „Heizen mit erneuerbaren Energien“ macht den Heizungstausch hin zu erneuerbaren Energien durch hohe Fördersätze von bis zu 45 Prozent attraktiv. Der Anschluss an ein Wärmenetz wird jedoch nicht über dieses Programm gefördert. Dieser wird dafür als Einzelmaßnahme über das KfW-Programm 430 mit einem Fördersatz von 20 Prozent als Investitionszuschuss unterstützt. Alternativ dazu sind seit diesem Jahr energetische Maßnahmen nach § 35 c Einkommenssteuergesetz steuerlich absetzbar, das heißt für dieselbe Maßnahme sind dann keine Fördermittel zu beziehen. Bernhard Wagner vom KUMS weiß, dass die Bescheinigung für den günstigen Primärenergiefaktor der aktuellen Fernwärmeversorgung in Markt Schwaben schon oft für die Förderanträge Verwendung fand. 

Aber er bedauert gleichzeitig, dass bei den aktuellen BAFA-Förderungen die energieeffiziente Fernwärmeversorgung einfach vergessen wurde. „Wir haben dazu bereits mit dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkotrolle gesprochen und werden am Ball bleiben. Es heißt, dass ab kommenden Jahr die BAFA-Förderkonditionen angepasst sein werden und somit auch der Hausanschluss an unser Wärmenetz finanziell unterstützt wird.“ Die erneuerbaren Energiequellen sind vielfältig und die Wahl von Geothermie über Photovoltaik bis hin zu Solarenergie ist in unseren Regionen nicht einfach. Kommt es etwa auch hier auf die gute Mischung für den optimalen Energiecocktails an, um die Vorteile am besten zu nutzen? Vorstand Wagner blickt auf die KUMS-Machbarkeitsstudie zu seinem Wärmekonzept 4.0. „Wir erwarten gespannt die ersten Zwischenergebnisse, die uns Aufschluss geben sollen, was unsere favorisierte Mischung der Energiequellen versprechen kann. Der Markt hatte sich vor einigen Jahren wegen ungenügender Geothermie-Wärme für ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk entschieden, um die temporär aufgestellten Öl-Heizcontainer abzulösen. Dank der Kraft-Wärme-Kopplung können wir eine sehr gute Energieeffizienz aufweisen, aber für den anstehenden Ausbau setzen wir auf erneuerbare Energiequellen. 30 bis 40 Prozent sollen durch die Kombination aus Photovoltaik-Wärmepumpen, Solaranlagen und der Kopplung mit den vorhandenen Bayernwerk-Hackschnitzelwerken erzeugt werden.“ 

Gröbmayr von der Energieagentur gibt ergänzend zu bedenken: „50 Prozent unserer Energie verbrauchen wir für die Erzeugung von Wärme. In diesem Bereich können und müssen wir unseren Energiebedarf durch gut gedämmte Energieeffizienzhäuser deutlich senken. Alles Weitere können wir dann gut über Solarthermie, Wärmepumpen, Holz in Form von Pellets oder Hackschnitzel und Nahwärme decken. Eine eigene Stromerzeugung mit Photovoltaikmodulen ist für jedes Gebäude sinnvoll! Sonnenstrom ist rentabel, umweltfreundlich und macht vom Stromversorger unabhängiger. Diese Unabhängigkeit lässt sich durch einen hauseigenen Stromspeicher sogar noch steigern.“ 

Ministerpräsident Söder plant für alle Neubauten eine verpflichtende Nutzung von Sonnenstrom. Diese soll schon ab 2021 für Betriebsbauten und ab 2022 auch für Wohnhäuser gelten. Der Appell der Umwelt richtet sich letztendlich an alle Bürgerinnen und Bürger, die Entscheidung für die Gebäudeversorgung mit Warmwasser und Raumwärme gut abzuwägen. Kosten und Komfort versus Klimaschutz. Letzterer muss einfach im Vordergrund stehen – nicht nur um landkreisweite Ziele zu erfüllen, sondern für unser Gemeinwohl - Bernhard Wagner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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