Kultur-Tipp

Englische Wochen bei den Markt Schwabener Sonntagsbegegnungen 

Paul Maar und Cem Özdemir ließen mit ihren Geschichten und Anekdoten einen Vormittag lang die Zuhörer schmunzeln, lachen und viel applaudieren.
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Paul Maar und Cem Özdemir ließen mit ihren Geschichten und Anekdoten einen Vormittag lang die Zuhörer schmunzeln, lachen und viel applaudieren.

Paul Maar, Kinder- und Jugendbuchautor, und Cem Özdemir von den Grünen trafen sich zum kurzweiligen, verbalen Schlagabtausch

Markt Schwaben – Es waren die 104. Sonntagsbegegnungen und die erste nach dem Tod von Hans-Jochen Vogel – Schirmherr der Gespräche. „Im Fußball nennt man das englische Wochen, wenn mehrere Spiele in kurzer Zeit gespielt werden“, so die ersten Worte des Markt Schwabener Altbürgermeisters Bernhard Winter an die, wie immer zahlreich gekommenen Zuhörer. Durchaus hatten die Sonntagsbegegnungen ein strammes Programm die letzten Wochen.

Erst kürzlich die Gedächtnislesung für Hans-Jochen Vogel, dann letzte Woche die Fahrt nach Bethel bei Bielefeld mit einer bunt gemischten Runde an Mitreisenden, unter anderem dem Einrichtungsverbund in Steinhöring (wir werden noch ausführlich berichten). Und jetzt am vergangenen Sonntag das kurzweilige und poetische Gespräch mit Paul Maar und Cem Özdemir im Unterbräusaal. Unter anderem liegt das Gelingen dieser Gespräche ja an der Auswahl der Gäste. „Wir laden auch nicht jede und jeden ein, das muss schon was besonderes sein. Politiker, Schriftsteller, Wissenschaftler - einfach Menschen mit Tiefgang, einem breiten Spektrum, aber vor allem mit Liebenswürdigkeit“, so Winter.

Maar und Özdemir gehören ohne Zweifel in diese Kategorie und so zeigte sich schon zu Beginn, dass es ein schöner Vormittag werden würde. Die beiden lernten sich auf einer Lesereise zu Paul Maars Buch „Das Fliegenden Kamel – Geschichten von Nasreddin Hodscha“ kennen. Özdemir fragte in der Pause bei einer dieser Lesungen einfach, ob er denn den Nasreddin lesen dürfe.

Die beiden waren sich sofort sympathisch und der Lesestoff passte ebenfalls, denn Özdemir bekam in Kindertagen von seinem Vater diese, seit dem 15. Jahrhundert existierenden Narrengeschichten erzählt. „Paul Maar interpretierte die über die Jahrhunderte weitererzählten Geschichten so gut, dass ich sofort dachte – der Mann kennt mich“.

Özdemir erzählte weiter, dass er aus einer bildungsfernen Familie stammt und er die Bücher, die andere in ihrer Jugend lasen, heute liest. „Mein Vater erzählte diese Geschichten des Till Eulenspiegels aus dem Orient und machte mich so neugierig auf mehr“. Er betont weiter, dass es schön wäre, wenn alle Eltern vorlesen würden, denn das würde die Welt zu einer besseren machen. Maar und Özdemir fingen gleich mit der besseren Welt vor Ort an, indem sie den Gästen der Sonntagsgespräche eine Geschichte von Nasreddin Hodscha vorlasen.

Paul Maars Vater hingegen empfand Lesen als Zeitverschwendung. „Immer wenn er mich lesend vorfand, sagte er, was denn da jetzt nach einer halben Stunde herauskommen würde – eben nichts, er dagegen, von Beruf Stuckateur, würde in einer halben Stunde eine Wand streichen – sagte dies und schickte mich mit dem Besen in den Hof zum Kehren“.

Maar wie Özdemir haben Lesen elementar in ihr Leben eingebunden, es eröffnet Welten, „die Geschichten dürfen im Kopf entstehen und werden nicht wie im Fernseher einfach konsumiert“, so Maar.

Wer liest und schreibt kommt am Gendern nicht vorbei und so war dies am Schluss noch ein brisantes Thema. Man merkte sofort an den Fragen der Zuhörer, dass dies neben den beiden auf dem Podium, auch die Menschen im Saal sehr beschäftigte. Maar und Özdemir kamen beide zu dem Schluss, dass es hier durchaus zu der ein oder anderen Absurdität kommen kann, wenn man übertreibt und sie hier grundsätzlich auf die organische Entwicklung setzen.

Großen Applaus gab es für Özdemirs Schlusssatz: „Wenn man wirklich was auf dem Planeten verändern möchte, dann brauchen Mädchen Zugang zu Bildung, Geld und Macht“. Da ist jetzt ein blauer Wunschpunkt weniger in Sams Gesicht, der bekanntesten Kinderbuchfigur von Maar. Musikalisch begleitet wurde der Sonntag vom Gitarristen Wolfgang Stute aus Hannover. - tt

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